Wirtschaft

Aktien werden gemieden Profi-Investoren hat der Pessimismus im Griff

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Die meisten Fondsmanager zeigen sich für die weitere konjunkturelle Entwicklung recht skeptisch.

(Foto: imago images/Ralph Peters)

Bei Profi-Investoren regiert der Pessimismus: Sie halten so viel Cash wie seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nicht mehr, ihr Aktienbestand ist so niedrig wie zuletzt während der globalen Finanzkrise. Und auch für die Eurozone wächst die Skepsis.

Angesichts der großen Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Corona-Krise halten sich viele Profi-Investoren derzeit von den Kapitalmärkten fern. Einer Umfrage der Bank of America (BofA) zufolge halten die Anleger derzeit so viel Cash wie seit den Terrorattacken vom 11. September 2001 nicht mehr. In der aktuellen monatlichen Umfrage lag der Anteil von Cash (in der Regel Bankguthaben und kurzlaufende Geldmarktpapiere) bei 5,9 Prozent nach 5,1 Prozent vor einem Monat und damit zu Beginn der Corona-Pandemie in Europa und den USA. Im April sei die "Spitze des Pessimismus" erreicht, mutmaßen die Autoren der früher unter dem Namen Merrill Lynch erhobenen BofA-Umfrage.

Für die Umfrage waren 207 Fondsmanager befragt worden. Von ihnen antworteten 183 mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt 545 Milliarden. Dollar. Sie zeigten sich für die weitere konjunkturelle Entwicklung recht skeptisch: Eine knappe Mehrheit von 52 Prozent rechnet mit einem U-förmigen Konjunkturverlauf, also einem recht langen Tief vor der Erholung. Weitere 22 Prozent erwarten ein W, also einen weiteren Rückschlag nach zwischenzeitlicher Erholung.

Eine zweite Welle der Pandemie wird auch von einer Mehrheit der Befragten als größtes so genanntes Tail-Risk genannt. Tail Risks sind die auch als Schwarzer Schwan bezeichneten Ereignisse mit relativ geringer Eintrittswahrscheinlichkeit, aber im Fall des Eintreffens deutlichen Folgen. An eine schnelle Rückkehr zur Normalität (V-Verlauf) glauben nur 15 Prozent der Antwortenden. Bemerkenswert: Immerhin sieben Prozent rechnen in diesem Jahr nicht mit einer globalen Rezession.

Investoren meiden Aktien

Der Pessimismus überträgt sich auch auf das Anlageverhalten. Der Risiko- und Liquiditätsindikator in der Umfrage erreichte den schlechtesten Wert seit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008. Überhaupt halten sich die Profis aktuell eher von Aktien fern, was allerdings auch Bewertungseffekte abbilden dürfte. Der Aktien-Anteil in den Portfolien lag während der Umfrage-Erhebung zwischen 1. und 7. April so niedrig wie zuletzt im März 2009.

In diesem Monat hatten die Aktienmärkte nach dem Einbruch im Zuge der globalen Finanzkrise nach oben gedreht. Nur noch 27 Prozent der Antwortenden sind nach eigenen Angaben in Aktien übergewichtet - gemessen an einem Korb aus 60 Prozent Aktien, 30 Prozent Anleihen und 10 Prozent sonstigen Anlagen wie Rohstoffe und Immobilien. Zugleich sind die Anleger skeptisch für die Unternehmensgewinne gestimmt und rechnen mit weiter sinkenden Erwartungen für die Gewinne je Aktie (EPS).

Die Umfrage-Teilnehmer setzen aktuell auf steigende Kurse bei Anleihen sowie Aktien aus den Segmenten Gesundheitsvorsorge, alltägliche Konsumgüter ("Staples"), Versorger und Technologie. Skeptisch gestimmt sind sie dagegen für den Energiesektor, Industrie- und Bankaktien sowie die Eurozone. Die Währungsunion wird derzeit als einer von drei Schwachpunkten wahrgenommen, neben dem hochverschuldeten Energiesektor in den USA und den Schwellenländern.

Der Artikel erschien am 14. April 2020 bei Capital.de.

Quelle: ntv.de