Wirtschaft

Bluff mit Bluttests Prozess gegen Ex-Superstar Holmes beginnt

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Das Urteil im Prozess gegen Elizabeth Holmes wird in mehreren Monaten erwartet.

(Foto: REUTERS)

Jahrelang wurde Elizabeth Holmes als Pionierin gefeiert: Die Bluttests ihrer Firma Theranos würden die medizinische Diagnostik revolutionieren, behauptete sie - und viele glaubten ihr. Nun drohen ihr bis zu 20 Jahre Gefängnis.

Elizabeth Holmes hatte im Alter von nur 19 Jahren die US-Elite-Universität Stanford verlassen, um 2003 Theranos zu gründen. Das Versprechen: Mit ein paar Tropfen Blut und ihrer Technologie ließen sich dutzende Krankheiten bis hin zu Krebs und HIV diagnostizieren - viel schneller und billiger als in herkömmlichen Laboren. Doch die Ankündigung entpuppte sich als großer Bluff. Heute beginnt der Betrugsprozess gegen sie.

Das Startup schien eine sichere Bank: Politische Größen wie Ex-US-Außenminister Henry Kissinger und der spätere Verteidigungsminister James Mattis übernahmen Aufsichtsratsposten, Medienmogul Rupert Murdoch investierte Millionen. Das Magazin "Forbes" schätzte Holmes' Vermögen 2014 auf 3,6 Milliarden Dollar. Das machte sie zur jüngsten Milliardärin, die ihr Vermögen nicht geerbt hat.

Die charismatische Firmengründerin wurde als Visionärin gefeiert und mit Apple-Gründer Steve Jobs verglichen. Auf den steilen Aufstieg folgte der spektakuläre Absturz: 2015 löste ein Investigativbericht des "Wall Street Journal" erhebliche Zweifel an der Technologie von Theranos aus. Auch wenn Holmes zunächst alle Vorwürfe hartnäckig abstritt, geriet ihr Kartenhaus immer weiter ins Wanken. Eine Serie weiterer Enthüllungsartikel entlarvten die vermeintliche Erfolgsgeschichte endgültig als Schwindel. Tatsächlich funktionierten die angeblichen Innovationen von Theranos nicht, stattdessen nutzte die Firma offenbar heimlich herkömmliche Testverfahren. 2018 folgte die Anklage wegen Betrugs.

Die Staatsanwaltschaft behauptet, Holmes habe gewusst, dass die Geräte nicht funktionierten. Und sie habe Investoren, Ärzte und Patienten belogen. Die Anklage lautet auf vielfachen Betrug und Verschwörung zum Betrug.

Der Fall Theranos sei bei weitem nicht der größte Betrugsfall im Gesundheitswesen, sagt der auf derartige Fälle spezialisierte Anwalt Jason Mehta. "Aber was das Medieninteresse und die Aufmerksamkeit angeht, gehört er mit Sicherheit zu den größten Fällen der vergangenen zehn Jahre."

Hohe Risikobereitschaft

Im Prozess könnten ehemalige Vorstandsmitglieder wie Kissinger und Mattis sowie auch Murdoch gehört werden. Besonderes Gewicht für die Geschworen haben voraussichtlich die Aussagen von Patienten, die unter den Fehldiagnosen der Tests zu leiden hatten.

"Das macht diese Fälle real. Denn dabei geht es nicht nur um Dollar und Cent, sondern um echten Schaden für die Patienten", sagt Anwalt Mehta. Die Zeugenaussagen dürften auch für die Staatsanwaltschaft immens wichtig sein, denn wichtige Daten auf einem Server von Theranos wurden 2018 unlesbar gemacht.

Mit Spannung wird erwartet, ob Holmes selbst in den Zeugenstand tritt und wenn ja, wie sie sich verteidigt. Gerichtsdokumenten zufolge will die 37-Jährige ihren Geschäftspartner und Ex-Freund Ramesh Balwani belasten und ihm vorwerfen, sie ausgenutzt und kontrolliert zu haben.

Laut dem Reporter, der den Betrug aufdeckte, glaubte Holmes fest an ihre Vision von billigen Bluttests - auch wenn sie wusste, dass die Fakten eine andere Sprache sprachen. "Sie log an bestimmten Stellen, hielt das aber für vertretbar für das hehre Ziel", sagte John Carreyrou kürzlich dem Sender CNBC.

Ihre große Risikobereitschaft sieht der Journalist auch in dem Verfahren bestätigt, in dem Holmes gegen die Anschuldigungen kämpft und eine viel längere Strafe riskiert: "Neun von zehn anderen Menschen hätten sich an ihrer Stelle vor einigen Jahren auf ein Geständnis eingelassen, aber sie ist bereit, den ganzen Weg bis zu einem Urteil zu gehen."

Der Prozess wurde mehrmals verschoben, unter anderem, weil Holmes im Juli ein Kind bekam. Ein Urteil wird erst in mehreren Monaten erwartet. Das Verfahren gegen Holmes dürfte sich über Monate hinziehen und beginnt zunächst recht unspektakulär mit Formalitäten wie der Jury-Auswahl.

Quelle: ntv.de, jga/dpa/AFP

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