Reaktion auf Milliarden-OfferteCommerzbank-Aktie schießt nach oben
Im Handel wird das freiwillige Übernahmeangebot der Unicredit an die Commerzbank als strategisch cleverer Schachzug beschrieben. Die Titel des Finanzinstituts steuern als Reaktion auf das größte Tagesplus seit einem Jahr zu.
Das Übernahmeangebot der UniCredit hievt die Aktien der Commerzbank um bis zu 7,6 Prozent nach oben. Die Titel sind damit auf Kurs zum größten Tagesgewinn seit gut einem Jahr. Dagegen geben die Titel der italienischen Großbank zeitweise um 2,6 Prozent nach.
Andreas Thomae, Corporate Governance Experte bei der bei der Commerzbank investierten Fondsgesellschaft Deka, bezeichnete das freiwillige Umtauschangebot der Unicredit an die Commerzbank als einen geschickten Schachzug. Unicredit mache zudem deutlich, dass sie nicht die Kontrolle über die Commerzbank anstrebe, kommentierte Filippo Alloatti vom Vermögensverwalter Federated Hermes. "Gleichzeitig verschafft die heutige Ankündigung Unicredit mehr Flexibilität bei der Verwaltung ihrer Beteiligung und erhöht den Druck auf das Commerzbank-Management sowie die deutsche Regierung, sich aktiv in den Prozess einzubringen."
"Das Angebot zielt darauf ab, die im deutschen Übernahmerecht vorgesehene 30-Prozent-Hürde zu überwinden und in den kommenden Wochen einen konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern zu fördern", teilte die Unicredit mit. Sie kontrolliert nach eigenen Angaben direkt oder über Termingeschäfte bislang 29,9 Prozent der Commerzbank-Anteile. Das Management des deutschen Instituts sträubt sich gegen eine Übernahme. Bei der Bundesregierung, dem zweitgrößten Commerzbank-Aktionär, stößt das Vorhaben ebenfalls auf Ablehnung.
Die Commerzbank sieht derweil aktuell keine Grundlage für Gespräche mit der Unicredit. "Das angekündigte Übernahmeangebot ist nicht mit der Commerzbank abgestimmt", teilte der Frankfurter Dax-Konzern mit. "Darüber hinaus beinhaltet die Kommunikation der Unicredit keine weiteren Informationen bezüglich der Eckpfeiler einer wertstiftenden Transaktion. Das wäre die notwendige Grundlage für etwaige Gespräche."
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp erklärte: "Das in der Bekanntmachung erwartete Umtauschverhältnis enthält faktisch keine Prämie für unsere Aktionäre." Sie bekräftigte: "Unsere oberste Priorität ist es, nachhaltigen Wert für unsere Aktionäre und alle Stakeholder der Commerzbank zu schaffen. Wir sind überzeugt von der Stärke und dem Potenzial unserer Strategie, die auf Eigenständigkeit und profitables Wachstum setzt."
Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank erklärten zugleich ihre Bereitschaft, das angekündigte freiwillige Übernahmeangebot nach dessen Veröffentlichung "sorgfältig und im besten Interesse der Gesellschaft, ihrer Aktionäre, Mitarbeitenden und Kunden" zu prüfen.
