Wirtschaft

Kaum Lagerplatz, kaum Handel Reiche Weizenernte in Ukraine droht zu verrotten

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Es könnte eine reiche Weizenernte in der Ukraine werden. Das Land hat aufgrund der russischen Invasion jedoch enorme Probleme, den Weizen zu lagern und zu exportieren.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

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Ähnlich wie in Russland könnte die Weizenernte auch in der Ukraine gut ausfallen. Allerdings sind die Lager dort noch prall gefüllt, für die neue Ernte ist nicht ausreichend Platz. Der Transport wird durch die russische Seeblockade im Schwarzen Meer massiv eingeschränkt. Ein Teil der Ernte könnte verkommen.

Blickt er auf die schier unendlichen Weizenfelder nahe Odessa, fällt dem Landwirt Dmitrij Matuljak die Vorstellung schwer, dass bald Hungersnöte drohen. Im Süden der Ukraine steht die Getreideernte kurz bevor, und sie wird gut ausfallen. Doch solange Russland den Hafen von Odessa blockiert, kann der Weizen nicht exportiert werden - mit katastrophalen Folgen für ärmere Länder. Der russische Angriff hat Matuljak schwer getroffen. Am ersten Tag der Invasion ging eines seiner Lagerhäuser bei einem Luftangriff in Flammen auf, 400 Tonnen Tierfutter verbrannten. Dennoch bestellte der 62-Jährige seine Felder und wird in wenigen Wochen eine reiche Ernte einfahren.

Doch wohin mit dem Getreide? Die Lager sind noch voll vom letzten Jahr, nach Angaben der ukrainischen Behörden sind mehr als 20 Millionen Tonnen Lebensmittel liegen geblieben. Es steht zu befürchten, dass große Teile davon verrotten. "Es ist brutal, wenn in einem Land Lebensmittel verderben und andere Menschen arm und hungrig bleiben", sagt Matuljak. "Das ist eine Gräueltat, eine Grausamkeit, anders kann man das nicht ausdrücken." Während sich die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die zermürbenden Kämpfe in der Ostukraine richtet, könnte die Blockade des Schwarzen Meeres die weitreichendsten Kriegsfolgen nach sich ziehen: steigende Lebensmittelpreise und Hungersnot.

Im Frieden war die Ukraine eine der wichtigsten Kornkammern der Welt. Über ihre Häfen wurden monatlich rund 4,5 Millionen Tonnen landwirtschaftliche Erzeugnisse exportiert, darunter zwölf Prozent des weltweit erzeugten Weizens, 15 Prozent des Maises und die Hälfte des Sonnenblumenöls. Die russischen Angriffe und vor allem die Seeblockade haben den Handel weitgehend zum Erliegen gebracht. Bahn- und Lkw-Transporte können den Schiffsverkehr nicht ersetzen. Der Krieg "droht Dutzende Millionen Menschen in die Ernährungsunsicherheit zu stürzen", warnte UN-Generalsekretär António Guterres vergangene Woche. "Unterernährung, massenhafter Hunger und Hungersnot" über viele Jahre hinweg könnten folgen.

Vier Millionen Tonne Getreide lagern in Odessa

Der Hafen von Odessa steht seit Monaten still. Dabei war die Stadt am Schwarzen Meer jahrzehntelang das Zentrum für den landwirtschaftlichen Export - auch für andere osteuropäische Länder. Das Getreide kam per Bahn an und wurde von Odessa aus in die Welt verschifft. Im Hafen und in den Lagerhäusern der Stadt liegen derzeit mehr als vier Millionen Tonnen Getreide aus der vorjährigen Ernte. "Wir können die neue Ernte nicht mehr lagern, das ist das Problem", sagt der Bürgermeister von Odessa, Gennady Truchanow. Hält die Blockade an, "werden die Menschen einfach verhungern".

Zu Land gelingt es der ukrainischen Armee, dem übermächtigen Feind Widerstand zu leisten, doch auf See ist der Angreifer eindeutig überlegen. "Leider hat die Ukraine die Frage der maritimen Sicherheit traditionell vernachlässigt", schreibt der ehemalige Verteidigungsminister des Landes, Andrij Sagorodnjuk, in einer von der US-Denkfabrik Atlantic Council veröffentlichten Analyse. "Während die demokratische Welt die Herausforderung angenommen hat, die Ukraine für den Widerstand gegen die russische Aggression an Land zu bewaffnen, war das internationale Engagement im Seekrieg eher begrenzt."

Am Wochenende bat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Welt um die "entsprechenden Waffen", die helfen könnten, die Blockade des Schwarzen Meeres zu beenden. Aber selbst wenn dies gelänge, könnte es Monate dauern, bis der Handel wieder in Gang kommt. Denn kaum eine Reederei wird ihre Schiffe ins Kriegsgebiet schicken.

Quelle: ntv.de, David Stout, AFP

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