Wirtschaft

Von Dotcom-Blase bis Lehman-Pleite Rekord-Dax mit bewegter Geschichte

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Die Händler an der Frankfurter Börse mussten schon einiges durchmachen.

Ein Kurs-Feuerwerk nach dem anderen lässt den Dax derzeit immer höher steigen. Doch wie geht es weiter? Ein Blick auf die Dax-Geschichte zeigt: Der Leitindex ist vor einem Absturz nie gefeit - und zeigt zum Teil kuriose Kursentwicklungen.

Ob Griechenlands Schuldenkrise oder geopolitische Konflikte - der Dax lässt sich seit Monaten davon wenig beeindrucken. Im Gegenteil: Der Deutsche Aktienindex geht durch die Decke, markiert seit Mitte Februar fast täglich ein neues Allzeithoch.

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Doch bei aller derzeitigen Euphorie: Es gab in der Geschichte des Dax schon ähnliche Hochphasen, in denen Aktionäre in Sektlaune verfallen waren. Oft genug folgten darauf jedoch hohe Kursverluste, die Anleger landeten hart auf dem Boden der Realität - und verloren dabei viel Geld.

Der erste Crash lässt nicht lange auf sich warten

Gekracht hat es beim Dax direkt zu Beginn: Seit 1988 berechnet die Deutsche Börse in Frankfurt den Leitindex. Ein Jahr nach dem Start der offiziellen Dax-Berechnung, am 16. Oktober 1989, kam es zum schlechtesten Handelstag der bis heute andauernden Dax-Historie: Satte 12,8 Prozent sackte der Wert damals ab. Grund dafür war ein Kursturz an der Wall Street, der durch Finanzierungs-Schwierigkeiten beim Kauf einer amerikanischen Fluggesellschaft ausgelöst worden war. Den Dax riss das mit in die Tiefe. Selbst im Jahr 2008, nach der Pleite der amerikanischen Investment-Bank Lehman Brothers und dem Beginn der globalen Finanzkrise, gab der Dax "nur" 7 Prozent nach.

Doch natürlich gab es auch große Höhenflüge: Eine der wichtigsten Boom-Phasen der letzten 15 Dax-Jahre war der "Neue Markt" zur Jahrtausendwende. Internetunternehmen gingen an den Aktienmarkt, Wertpapiere waren "in" - viele Menschen griffen bei Aktien zu und setzten auf die neuen, jungen Start-ups.

Im Jahr 2000 sprang der Dax erstmals über die Marke von 8.000 Punkten. Es herrscht zu dieser Zeit Feierlaune und Goldgräberstimmung: Die vielen neuen Start-up-Aktien, die im Nemax-Index gehandelt wurden, waren heiß begehrt unter Anlegern. Doch dieser Boom entwickelte sich zur "Dotcom-Blase". Sie platzte brutal: Innerhalb von drei Jahren büßte nicht nur der Nemax kräftig ein, auch der Dax sackte satte 73 Prozent ab und sank auf etwa 2200 Punkte. Ein tiefer Fall, der bei vielen Kleinanlegern das Vertrauen in Aktien zerstört. Eine einfache Gleichung: Geld weg gleich Vertrauen weg.

Stärkster Dax-Tag inmitten der Finanzkrise

Von 2003 bis 2006 erholte sich der Dax wieder. 2007 erreichten die Kurse wieder ein gutes Niveau – die 8000 Punkte waren geknackt, doch die Auswirkungen der Lehman-Pleite und das Platzen der amerikanischen Immobilienblase führten zu einem zwischenzeitlichen Tiefstand von 3666 Punkten im Jahr 2009.

Kurios: Genau in jener Tiefphase hatte der Dax am 12.Oktober 2008 seinen besten Handelstag – der Leitindex gewann 11,4 Prozent. Grund war eine Freuden-Reaktion auf die Pläne der amerikanischen Regierung zur Rettung der US-Finanzbranche. Die Erleichterung brach sich an der Frankfurter Börse Bahn. Dennoch: Die folgende konjunkturelle Krise machte vor dem Aktienmarkt nicht halt, 3600 Punkte im Jahr 2009 waren ein Niveau, mit dem die Börsianer unzufrieden waren – weit weg von den Glanzzeiten von einst.

Nicht mal sechs Jahre ist das her. Angesichts des damaligen Tiefpunkts ist es erstaunlich, wie stark sich der Dax seitdem entwickelt hat. Trotz kleinerer Einbrüche, wurde im Juni 2014 das Erreichen der 10.000er Marke gefeiert. Einige Monate später fielen sogar die 11.000 und heute, im März 2015, werden sogar 12.000 Punkte anvisiert. Der Dax hat seit Jahresbeginn über 20 Prozent gewonnen.

"Die Kursrallye am Aktienmarkt ist nicht mehr gesund"

Eine unaufhaltbare Rally? Die Analysten der DZ Bank haben nun angesichts der jüngsten Rekordjagd am deutschen Aktienmarkt vor "irrationalen Übertreibungen" gewarnt. "Die Kursrallye am Aktienmarkt ist nicht mehr gesund", schrieben die Analysten in einer Kurzstudie. Die Bewertungen im Euroraum hätten sich von den zugrundeliegenden Fundamentaldaten gelöst und liefen nun in Richtung einer neuen spekulativen Übertreibung. Dennoch rechnen die Analysten angesichts des gerade erst begonnen Anleihe-Kaufprogramms der EZB mit einer Fortsetzung der Rekordjagd.

Doch Anleger und Börsianer sind gewarnt: Zwar konnten die europäische Staatsschuldenkrise und Kriege den Dax bisher nicht umhauen. Doch die Vergangenheit zeigt: Die Ursachen für einen Absturz sind manchmal schwer vorherzusehen.

Quelle: ntv.de

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