Wirtschaft

Aus der Werft zum Abwracken Rekord-Kreuzfahrtschiff wird verschrottet

Die "Global Dream" und ihr Schwesterschiff "Global Dream 2" aus den MV Werften sollten neue Maßstäbe in der Kreuzfahrtbranche setzen. Mindestens eine von ihnen wird wohl aus der Werft direkt zum Abwracken gebracht. Statt Kreuzfahrtriesen sollen am Standort bald Kriegsschiffe gebaut werden.

Mit Platz für 9500 Menschen sollte die "Global Dream 2" - zusammen mit ihrem Schwesterschiff "Global Dream" - gemessen an der Passagierzahl das größte Kreuzfahrtschiff der Welt werden. Sie sollten als Attraktionen unter anderem die größten schwimmenden Kinosäle und die größten Achterbahnen auf See beherbergen. In der Werft in Wismar an der Ostsee sollte der Mega-Kreuzer für mindestens fünf Jahre Hunderte Arbeitsplätze und dem Unternehmen MV Werften einen Milliardenumsatz sichern.

Doch nun, anderthalb Jahre nach Kiellegung, steht fest: Kein einziger Passagier wird jemals mit der "Global Dream 2", die offiziell auch noch nicht auf diesen Namen getauft wurde, fahren. Die Arbeit ist bereits eingestellt. Der Insolvenzverwalter der bankrotten MV Werften hat entschieden: Das Schiff, dessen Rumpf bereits fertiggestellt ist, soll verkauft werden. Und zwar als Schrott zum Abwracken. Das berichtet das Branchenmagazin "An Bord".

Die damals zum Hongkonger Tourismuskonzern Genting gehörenden MV Werften mit den Standorten Wismar, Rostock-Warnemünde und Stralsund waren im Zuge der Corona-Pandemie in die Krise geraten und mussten Anfang dieses Jahres Insolvenz anmelden. Während es für die Werftanlagen Käufer beziehungsweise Interessenten unter anderem aus dem Rüstungsbereich gibt, sieht das für die beiden noch darin befindlichen Kreuzfahrtriesen anders aus. Für die "Global Dream", deren 2018 begonnener Bau nach Werftangaben zu mehr als 80 Prozent abgeschlossen ist, gibt MV-Insolvenzverwalter Christoph Morgen die Hoffnung noch nicht auf. Allerdings ist der einzige Bieter, mit dem zuletzt verhandelt worden war, gerade abgesprungen, wie der NDR berichtet.

Mit den Rohstoffpreisen steigt der Schrottwert

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Die beiden "Global Dream"-Schwesterschiffe sind speziell auf die Bedürfnisse des ursprünglichen Werfteigners und Abnehmers Genting für den asiatischen Kreuzfahrtmarkt zugeschnitten. Für die Wünsche und Gewohnheiten europäischer oder amerikanischer Kunden müssten sie aufwendig umgestaltet werden. Das ist teuer. Zu teuer für Kreuzfahrtunternehmen, die sich immer noch finanziell von der Corona-Krise erholen, während eine mögliche globale Rezession die Geschäftsaussichten schon wieder eintrübt. Gleichzeitig ist der Schrottwert der Schiffe aufgrund der hohen Rohstoffpreise deutlich gestiegen.

Zudem müssen die Urlaubsriesen Platz machen. In Zukunft werden wohl ganz andere Schiffe an den MV Werften gebaut oder gewartet. Während die Kreuzfahrtbranche unsicheren Zeiten entgegensieht, hat der neue Rüstungsboom im Zuge des Ukraine-Kriegs die Perspektiven für Marinewerften grundlegend verbessert. Die Werft in Wismar, wo derzeit die "Global Dream" im Trockendock liegt, ist bereits an Thyssenkrupp verkauft worden. Dort sollen künftig U-Boote entstehen. Die Anlage in Warnemünde könnte die deutsche Marine übernehmen, um dort in Eigenregie Schiffe zu warten. In beiden Fällen muss Insolvenzverwalter Morgen die Werften leer übergeben.

Quelle: ntv.de, mbo

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