Wirtschaft

Für einen Rubel verkauft? Renaults Besitz in Russland ist verstaatlicht

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In dem Moskauer Werk wurden Autos der Marken Renault und Nissan gebaut. Künftig sollen es Moskwitsch-Autos sein.

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Der französische Autobauer hatte Milliarden in Russland investiert. Jetzt gibt Renault sein Moskauer Werk und die Anteile am Lada-Hersteller Avtovaz auf - und das anscheinend für nichts. Trotzdem könnten die Franzosen zurückkehren. Und Moskau will eine Marke aus Sowjet-Zeiten wiederbeleben.

Russland hat das Eigentum des französischen Autobauers Renault im Land verstaatlicht: Der Konzern und das Handelsministerium in Moskau teilten mit, der Mehrheitsanteil am russischen Autobauer Avtovaz sowie das Werk in Moskau gingen an den russischen Staat. Ein Preis wurde nicht genannt - Russlands Handelsminister Denis Manturow hatte aber im April gesagt, Renault plane den Verkauf für "einen symbolischen Rubel". Den Wert des Russlandgeschäfts bezifferte der Autobauer auf 2,2 Milliarden Euro.

Renault-Chef Luca de Meo erklärte: "Heute haben wir eine schwierige, aber notwendige Entscheidung getroffen - eine verantwortungsvolle Entscheidung für unsere 45.000 Beschäftigten in Russland." Renault betonte, das Unternehmen habe für sechs Jahre die Option, die Avtovaz-Anteile zurückzukaufen. De Meo erklärte, Renault könne "in der Zukunft" nach Russland zurückkehren, "in einem anderen Kontext".

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Renault hatte am 24. März, einen Monat nach Beginn des Ukraine-Kriegs, seinen Rückzug aus Russland angekündigt. Die Arbeit in dem Moskauer Werk wurde eingestellt. Damals erklärte Renault bereits, die Optionen bezüglich der Beteiligung am Lada-Hersteller Avtovaz würden geprüft. Der Wert der Beteiligungen in Russland in Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro werde zum ersten Halbjahr 2022 ausgebucht. "Ich habe Vertrauen in die Fähigkeit der Renault Group, ihre Transformation weiter zu beschleunigen und ihre mittelfristigen Ziele zu übertreffen", sagte de Meo.

Russland war für Renault ein sehr wichtiger Markt. 2021 verkaufte der Konzern dort 500.000 Autos. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist der Autoabsatz im Land stark eingebrochen. Avtovaz musste die Produktion bereits fast ganz einstellen.

Renault war 2008 bei Avtovaz eingestiegen und 2014 Mehrheitseigner geworden, mit zuletzt 68 Prozent der Anteile. Der Konzern investierte Milliarden in den Umbau. Minderheitsaktionär war der russische Staatskonzern Rostec, der von Sergej Tschemesow geleitet wird, einem Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Avtovaz betreibt in Toljatti im Südwesten Russlands ein riesiges Werk mit 35.000 Mitarbeitern. Konkret gehen die Renault-Anteile jetzt an das russische Forschungs- und Entwicklungszentrum für Autos und Motoren (Nami).

Moskwitsch soll zurückkehren

An die Stadt Moskau geht das Werk im Stadtgebiet. Renault hatte dort Autos der Marken Renault und Nissan produziert. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin kündigte an, dass das sowjetische Kultauto Moskwitsch in der Fabrik künftig wieder produziert werden solle.

Zur Entscheidung von Renault sagte er: "Das ist ihr Recht, aber wir können nicht zulassen, dass ein Kollektiv mit vielen Tausend Arbeitern ohne Beschäftigung bleibt." Deshalb sei beschlossen worden, das Werk zu übernehmen und die Produktion von Pkw neu zu starten unter der "historischen Marke Moskwitsch". Es werde versucht, den Großteil der Arbeitnehmerschaft zu erhalten.

Technologie-Partner für die Wiedergeburt des Moskauer Automobilwerks Moskwitsch werde der russische Autoriese Kamaz. In einer ersten Etappe sollten Verbrenner produziert werden. Später sollten auch Elektroautos hinzukommen. Kamaz und das Ministerium für Industrie und Handel seien auch dabei, in Russland die Produktion einer maximalen Anzahl an Zulieferern anzusiedeln, sagte Sobjanin. Das Werk in Moskau habe eine lange und ruhmreiche Geschichte. Vor fast 100 Jahren habe dort schon Ford produziert. Über Jahrzehnte sei dort der Moskwitsch gebaut worden, dessen Produktion 2001 eingestellt wurde. Die Zusammenarbeit mit Renault habe 1998 begonnen, schrieb Sobjanin weiter. In dem Werk seien die Modelle Logan, Duster und Sandero vom Band gelaufen. "2022 öffnen wir ein neues Kapitel in der 'Moskwitsch'-Geschichte."

Quelle: ntv.de, hul/AFP/dpa

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