Wirtschaft

Anleger wird bald Zinsen zahlen Renditen fallen auf neue Rekordtiefs

Am deutschen Anleihemarkt geht es mit den Zinsen immer weiter runter. Auch die Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit, die besonders beachtet wird, nähert sich immer mehr der Nullmarke.

Anleihen gelten als sicher. Doch die vergangenen Monate haben gezeigt: Auch bei diesen Wertpapieren können die Kurse schwanken. Foto: Andrea Warnecke

(Foto: dpa-tmn)

Die Talfahrt der Renditen an den Anleihemärkten hält weiter an. Zur Wochenmitte sind die Renditen zehn- und fünfjähriger deutscher Bundesanleihen auf neue Rekordtiefs gefallen. Damit setzt sich der seit Jahren anhaltende Trend fallender Zinsen an den Anleihenmärkten fort. Die Renditen vieler Staatsanleihen liegen bereits im negativen Bereich. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen fiel am Mittwoch auf 0,038 Prozent - und damit erneut auf ein Rekordtief. Auch die Rendite fünfjähriger Papiere markierte mit minus 0,42 Prozent ein weiteres Rekordtief.

An der Börse wird fest damit gerechnet, dass das Pendel schon bald in die andere Richtung ausschlägt und nicht mehr der Schuldner Zinsen zahlen wird - sondern der Anleger. Prominente Beispiele gibt es bereits dafür. In der Schweiz zahlen die Investoren 0,48 Prozent Zinsen, um Schweizer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren zu kaufen.

EZB kauft und kauft und kauft

Mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihrem Anleihekaufprogramm gibt es einen steten Käufer, der die Renditen auf immer niedrigere Niveaus drückt. Das offizielle Ankaufziel für die Eurozone beträgt monatlich 80 Milliarden Euro. Allerdings dürfte die EZB versuchen, die Käufe so zu steuern, dass in den illiquiden Sommermonaten weniger erworben wird. Das müsste dann jedoch über höhere Ankäufe vor und möglicherweise nach den Ferien ausgeglichen werden.

Rund zwei Drittel aller deutschen Staatsanleihen rentieren nach Aussage der Commerzbank bereits unterhalb der Marke von minus 0,4 Prozent, dem Einlagensatz der EZB. Diese Papiere fallen somit aus den Anleihekäufen der Notenbank heraus. Damit ist die EZB auf Grund ihrer Bedingungen gezwungen, auf längere Laufzeiten mit einer höheren Rendite auszuweichen. Auf Grund der guten Liquidität kauft sie momentan verstärkt Bundesanleihen.

Schon bald negative Renditen bei zehnjährigen Bundesanleihen

An der Börse wird damit gerechnet, dass die Rendite der Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren sogar in den negativen Bereich rutscht. Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von neun Jahren sind bereits ins Minus gefallen. "Ich gehe davon aus, dass wir schon bald bei den Bundesanleihen im Zehnjahresbereich negative Renditen sehen", erwartet Dirk Gojny, Anleihestratege bei der National Bank.

Der Trend bleibe bestehen, auch wenn es kurzfristig zu einer Gegenbewegung kommen könnte. "Ich erwarte, dass das Angebot nahe der Null-Prozent-Marke erst einmal steigt", so Gojny. Viele Investoren hätten sich mit Blick auf die EZB-Käufe mit Anleihen eingedeckt und könnten nun Gewinne mitnehmen. Innerhalb der Eurozone dürften die Bundesanleihen in diesem Laufzeitbereich die ersten sein, die in den negativen Bereich abrutschen. Weitere dürften folgen.

Umlaufrendite ist bereits in Minus gerutscht

Zum Wochenstart gab es bereits ein Novum am Anleihemarkt. Zum ersten Mal innerhalb der 39 Jahre, seit denen die Bundesbank die durchschnittliche Rendite auf die ausstehenden deutschen Staatsschulden berechnet, war die Umlaufrendite mit minus 2 Basispunkten in den negativen Bereich gerutscht. In die Berechnung der Umlaufrendite fließen Bundeswertpapiere mit einer Laufzeit von über 3 bis 30 Jahren ein, dabei werden die Volumen der Anleihen bei der Berechnung berücksichtigt.

Zwischen Mitte der 1950er und Mitte der 1990er Jahre hatte die Umlaufrendite noch gut 7 Prozent betragen, 1998 bis 2009 lag sie bei gut 4 Prozent, seit 2009 im Durchschnitt bei 1,6 Prozent. Hauptgrund des Renditerückgangs ist die gesunkene Inflation.

Quelle: ntv.de, wne/DJ

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