Wirtschaft

Wenn Schlecker und dm sich streiten... Rossmann als lachender Dritter?

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Er könne sich vorstellen, immerhin bis zu 80 Läden an guten Lagen wie Bahnhöfen zu übernehmen, sagt Dirk Roßmann.

(Foto: picture alliance / dpa)

Schlecker ist pleite - und will sich selbst sanieren. Die Insolvenz des früheren Branchenprimus dürfte den Drogeriemarkt weiter durcheinanderwirbeln. Der bisherige Branchendritte Rossmann schielt auf Filialen des Erzrivalen. Der Firmenchef hält sich aber mit konkreten Kaufplänen zurück - noch. Und was macht dm?

Lange hat sich der schillernde Erfinder der Drogeriekette Rossmann nicht aus der Deckung gewagt. "Wir haben einen guten Wettbewerb", sagte Dirk Roßmann im Dezember auf die Frage, ob die Probleme beim Konkurrenten Schlecker seinem Unternehmen am Ende in die Hände spielen könnten. Mit der Zahlungsunfähigkeit der früheren Nummer eins im deutschen Drogeriegeschäft wittert er nun die Chance, das eigene Filialnetz an entscheidenden Punkten auszubauen - und der Kette dm näher auf den Pelz zu rücken.

Er könne sich vorstellen, immerhin bis zu 80 Läden an guten Lagen wie Bahnhöfen zu übernehmen, sagte Roßmann auf die Nachricht von der Schlecker-Pleite. Danach verordnete er sich vorerst Funkstille. Von Kaufabsichten sei noch keine Rede, zunächst müsse der Start des Insolvenzverfahrens beim Erzrivalen aus Ehingen abgewartet werden, sagte ein Sprecher - und warb um Verständnis für die Zurückhaltung des Chefs.

4,5 Mrd. Euro: Das ist die Ansage  

Roßmann hat den Anspruch, die umkämpfte Branche weiter aufzumischen. Bei der Bilanzvorlage im Frühjahr 2011 ging der 65-Jährige in die Offensive: "Ich denke, dass Rossmann in absehbarer Zeit die Nummer zwei sein wird."

Als Nummer eins hatte er dabei freilich nicht den bisherigen Branchenprimus Schlecker, sondern den Karlsruher Konkurrenten dm im Sinn. Nach Informationen des Handelsverbands Deutschland (HDE) lagen dm und Schlecker beim Bruttoumsatz des deutschen Netzes bereits 2010 mit 4,07 Mrd. Euro gleichauf. dm verzeichnete 2010/11 einen Sprung auf 4,5 Mrd. Euro im Inland.

Verdi bleibt skeptisch

Für Roßmann könnte betriebswirtschaftlich eine Weiterführung größerer Schlecker-Filialen interessant sein. Der für dieses Jahr geplante Aufbau von 110 neuen Geschäften in Deutschland dokumentiert den Expansionsdrang des Niedersachsen. Eine Teil-Übernahme könnte möglicherweise auch zur Rettung von Arbeitsplätzen bei Schlecker beitragen, sie wäre daher im Interesse der Gewerkschaften. Zunächst sei der Insolvenzverwalter aber gefordert, eine Zerschlagung der Firma und Rosinenpickerei durch Wettbewerber zu verhindern, erklärt Verdi-Sprecherin Christiane Scheller.

Der HDE betont: "Am wichtigsten ist die Frage: Wie können möglichst viele Jobs gerettet werden?" Schleckers vorläufiger Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz geht allerdings davon aus, dass das"«Modell Schlecker" durchaus weiterbestehen könnte. "Wenn Sie Schlecker vergleichen mit dem Wettbewerb, gibt es keinen, der so nah am Kunden ist", sagt Geiwitz. Es könne ihm also nicht daran gelegen sein, Filetstücke herauszulösen und etwa Rossmann anzubieten.

Was macht dm?

Unklar bleibt, ob mit der Schlecker-Insolvenz der Grundgedanke, ein riesiges Filialnetz mit Hilfe einer großen Einkaufsmacht bei den Lieferanten aufzubauen, passé ist. Klar scheint, dass die Filialen oft unattraktiv sind - wie die Schleckers selbst zugeben. Doch die Nähe zu den Kunden sehen neben den Eigentümern und Geiwitz auch Experten wie Wolfgang Adlwarth von der Marktforschungsfirma GfK als ausschlaggebenden Punkt. Und gerade die großen Konsumgütermarken setzen durchaus auf einen Fortbestand des Schlecker-Netzes.

Für die Karlsruher Kette dm hingegen, die sich immer mehr als Branchenprimus herauskristallisiert, scheinen die Schlecker-Filialen kaum von Interesse zu sein. Auch wenn sich das Unternehmen bislang zu dem Thema ausschweigt, passen die Lagen und Größen der meisten Läden einfach nicht zum hellen, eher edlen Drogerie-Discounter-Image von dm. Denn ein Discounter sind die Badener immer noch - Handelsexperten sehen den früheren Preisvorteil von Schlecker seit langem gebrochen.

dm-Chef Erich Harsch hatte erst kürzlich mit Blick auf die späte Restrukturierung des Schlecker-Imperiums zu Bedenken gegeben: "Kulturentwicklung ist immer ein langer Weg. Und je später man daran arbeitet, desto mühsamer wird er."

Quelle: ntv.de, Jan-Henrik Petermann, dpa

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