Wirtschaft

Das EFSF-Rating wackelt Moody's rüttelt am Rettungsschirm

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Am Top-Rating des EFSF hängt seine Schlagkraft: Moody's bohrt

(Foto: picture alliance / dpa)

Europa bekommt die eiskalte Logik der Ratingagenturen Schritt für Schritt zu spüren: Gut 24 Stunden nach dem Schlag gegen Deutschland, die Niederlande und Luxemburg senkt Moody's nun auch den Ausblick für den EFSF auf "negativ". Dem Fonds droht der Verlust der Bestnote - für die Rettung des Euro wäre das ein schwerer Rückschlag.

Die Ratingagentur Moody's hat den Ausblick für die Bonität des Euro-Rettungsfonds von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Dies sei eine Konsequenz der neuen Ausblicke für die Kreditwürdigkeit Deutschlands, der Niederlande und Luxemburgs, begründeten die Bonitätswächter ihre Entscheidung. Wie zuvor im Fall des Länderratings bleibt die Bestnote "Aaa" dem EFSF zunächst erhalten. Ein "negativer" Ausblick leitet allerdings in der Regel einer Herabstufung binnen Wochen ein. Betroffen ist im aktuellen Fall das "vorläufige Langzeitrating" des EFSF, wie es in einer Mitteilung heißt. Die übrigen Einstufungen des EFSF blieben unberührt.

Tags zuvor hatte Moody's bereits den Ausblick der drei genannten Staaten auf "negativ" gesenkt und damit eine mögliche Herabstufung in Aussicht gestellt. Die drei Euro-Länder zählen zum Kreis der wichtigsten Garanten des EFSF. Für den provisorischen Rettungsschirm hätte der Verlust der Spitzenbonität in der Einstufung aller drei großen Ratingagenturen Experten zufolge ernste Konsequenzen.

Die bestmögliche Note im Bewertungssystem von Moody's, Standard & Poor's (S&P) und Fitch sollte dem Fonds eigentlich einen günstigen Zugang zum Kapitalmarkt sichern. Die günstige Wirkung des Top-Rating auf die Kreditkonditionen ist dabei ein grundlegender Bestandteil der gesamten Konstruktion: Nur so kann der Rettungsfonds die Wirkung des hinterlegten Kapitals per Kredithebel vervielfachen und seine volle Schlagkraft entwickeln.

Die jüngsten Entwicklungen in deuten darauf hin, dass der Fonds möglicherweise schon bald sein Stützungspotenzial ausschöpfen muss. Einzelne Beobachter sprachen im Vorfeld der aktuellen Moody's Entscheidung sogar davon, dass eine Herabstufung des EFSF das Ende des bisherigen Krisenkonzepts besiegeln dürfte. Für viel Aufsehen hatte . Der Arbeit des Rettungsfonds hatte die S&P-Herabstufung .

Die Ratingagenturen Moody's und Fitch bewerten den EFSF derzeit mit "Aaa", Konkurrent Standard & Poor's seit Januar nur noch mit "AA+". Der EFSF wurde im Frühsommer 2010 aus der Taufe gehoben. Er soll strauchelnde Euro-Länder mit Krediten versorgen, die vom Kapitalmarkt abgeschnitten sind oder nur zu untragbar hohen Zinsen Geld bekommen.

Auch die Bundesländer wackeln

Die Überprüfung des EFSF-Ratings bildet unterdessen aus deutscher Sicht nur einen Teil der heraufziehenden Probleme: Nachdem Moody's die Spitzenbonität von Deutschland in Zweifel gezogen hat, überprüft die Ratingagentur nun auch die Kreditwürdigkeit einzelner Bundesländer. Die Analysten senkten den Ausblick von Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt von "stabil" auf "negativ". Auch die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) - die Resterampe der gestrauchelten WestLB - könnte den Angaben zufolge abgestuft werden.

Ein verschlechtertes Rating . Die genannten Bundesländer besitzen bislang sehr gute Ratingnoten, Bayern und Baden-Württemberg sogar die Bestnote von "Aaa" - wie auch die Bundesrepublik als Ganzes. Die Überprüfung der Länderratings erfolgt, weil Bund und Länder eng verflochten sind. Aus dem gleichen Grund überprüft Moody's auch mehrere niederländische Ratings.

Konsequenzen für Bahn und Flugsicherung

Der drohende Entzug der deutschen Top-Bonitätsnote wirkt sich nicht nur negativ auf die Aussichten der Bundesländer aus. Auf Grundlage ihrer bereits bekannten Argumentation - den angeblich gewachsenen Risiken der Schuldenkrise - senkten die Moody's-Analysten auch ihre Einschätzung für die Staatsunternehmen Deutsche Bahn sowie die Deutsche Flugsicherung (DFS). Auch hier sei der Ausblick "negativ".

Moody's hatte , die Spitzenratings von Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg unter die Lupe zu nehmen angesichts der steigenden Unsicherheit über den Ausgang der Schuldenkrise. Die Ratingagentur fürchtet, dass die wirtschaftlich starken Staaten weitere Lasten schultern müssen für die in Not geratenen Euroländer. Im Falle Deutschland hatte Moody's überdies auf das starke Engagement der hiesigen Banken in den Problemstaaten verwiesen.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa/rts

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