Wirtschaft

Fortum-Übernahme zieht sich hin Russische "Giftpille" rettet Uniper

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Vorstandschef Schäfer glaubt an einen Deal ohne Sonderprüfer.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Das finnische Unternehmen Fortum will den deutschen Energieerzeuger Uniper am liebsten komplett übernehmen. Die Wasserversorgung einer sibirischen Stadt verhindert das jedoch. Uniper-Chef Schäfer spielt auf Zeit - und zieht so den Unmut auf sich.

Im Übernahmekampf beim Energiekonzern Uniper will Vorstandschef Klaus Schäfer weiter hart bleiben. Auf der Hauptversammlung kündigte er an, das entscheidende Wassergeschäft in Russland nicht verkaufen zu wollen. "Das ist eine Frage, die sich bisher so nicht gestellt hat", sagte Schäfer.

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Dieses Wassergeschäft nutzt Schäfer als "Giftpille", die eine vollständige Übernahme durch Fortum unmöglich macht. Wegen der Wasserversorgung in einer sibirischen Stadt erlauben die russischen Behörden den Finnen lediglich, maximal die Hälfte an Uniper zu erwerben. In Russland gehören Wasserwerke zu den strategischen Sektoren. Fortum-Chef Pekka Lundmark ist darüber schwer angefressen und wirft Schäfer vor, den Einstieg aktiv zu hintertreiben.

Dabei droht Uniper weiter die Einsetzung eines Sonderprüfers. Großaktionär Eon wollte bei der Hauptversammlung in Essen die Entscheidung über die Einsetzung eines Prüfers verschieben lassen. Da auch ein Vertreter des US-Hedgefonds Elliot, der hinter dem Antrag auf Sonderprüfung steht, für die Verschiebung stimmen wollte, galt diese als gesichert.

Elliot wirft Schäfer Pflichtverletzungen vor

Eon und Elliot haben zusammen die Mehrheit am Uniper-Kapital. Elliot wirft Schäfer und dem Uniper-Vorstand Pflichtverletzungen im Abwehrkampf gegen den finnischen Versorger Fortum vor. Bei der Prüfung soll es auch um mögliche Schadensersatzansprüche gegen den Vorstand gehen. Auch die Entlastung des Uniper-Vorstands sollte auf Antrag von Eon auf eine spätere Hauptversammlung verschoben werden, da sie unmittelbar mit dem Ergebnis einer möglichen Sonderprüfung zusammenhänge.

Schäfer und Aufsichtsratschef Bernhard Reutersberg wiesen die Vorwürfe als unbegründet zurück. "Der Vorstand sieht keinen Anlass für eine Sonderprüfung und deshalb auch keinen Anlass für die Vertagung der Entlastungsentscheidungen", sagte Schäfer. Fortum hatte Eon dessen Beteiligung von 46,7 Prozent an Uniper für rund 3,8 Milliarden Euro abgekauft. Weil noch kartellrechtliche Genehmigungen fehlen, ist das Geschäft aber bisher nicht abgeschlossen. Deshalb nahm Eon noch an Hauptversammlung teil.

Der bisherige Mutterkonzern folgte aber nicht der Empfehlung des Uniper-Aufsichtsrats, die Sonderprüfung abzulehnen. Die Entscheidung solle "in die Hände der zukünftigen Anteilseigner" gelegt werden, sagte der Eon-Vertreter. Möglicherweise seien die Streitfragen dann durch eine endgültige Genehmigung bereits gelöst. Auch ein Vertreter von Elliot stimmte schließlich der Vertagung zu. Bei dem Streit geht es vor allem um die Genehmigung des Deals durch russische Behörden. Sie hatten die Auflage verhängt, dass Fortum nicht mehr als 50 Prozent von Uniper übernehmen darf.

Vorstandschef Schäfer glaubt an Deal

Das könnte Pläne des Fonds durchkreuzen. Er soll Berichten zufolge auf eine Komplettübernahme von Uniper durch Fortum und eine hohe Abfindung spekulieren. Auch Fortum-Chef Pekka Lundmark hatte den Vorwurf erhoben, das Uniper-Management habe in Russland aktiv gegen das Deal mit Eon gearbeitet.

Schäfer rechnet offensichtlich nicht damit, dass der Deal noch platzt. Nachdem die russische Antimonopolbehörde den Kauf genehmigt habe, könne die Transaktion voraussichtlich in den nächsten Wochen endgültig vollzogen werden, sagte er. Der Uniper-Chef will auch nach dem Einstieg der Finnen die unternehmerische Selbstständigkeit der früheren Eon-Tochter erhalten. Das sei "absehbar der beste Weg" für Uniper.

Quelle: n-tv.de, mba/mbo/dpa

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