Wirtschaft

IT-Spezialisten gehen Russland befürchtet tiefe Wirtschaftskrise

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Im nächsten Jahr könnte die russische Wirtschaft um fast zwölf Prozent gesunken sein, heißt es in dem Bericht.

(Foto: AP)

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Ein Bericht an den Kreml zeichnet ein düsteres Bild der wirtschaftlichen Zukunft. Die Abhängigkeit von westlicher Technologie, fehlende Einnahmen und ein Braindrain dürften demnach für einen Absturz des Bruttoinlandsprodukts sorgen. Die Frage ist, wie tief der sein wird.

Russland steht aufgrund der vom Westen verhängten Sanktionen womöglich vor einer schweren Rezession und großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Das berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg und bezieht sich auf einen internen Bericht für die russische Regierung. Das Dokument sei das Ergebnis monatelanger Arbeit von Regierungsbeamten und externen Experten, hieß es. Es zeichnet ein viel düstereres Bild als die offiziellen Einschätzungen zu den Auswirkungen der Sanktionen.

Die russische Zentralbank geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr zwischen vier und sechs Prozent schrumpfen wird. Auch 2023 werde die Wirtschaftsleistung sinken, allerdings weniger stark.

Zwei der drei Szenarien gehen davon aus, dass das russische Bruttoinlandsprodukt erst Ende des Jahrzehnts wieder das Niveau erreicht, das es vor dem Beginn des Angriffskriegs in der Ukraine hatte. Das optimistischste Szenario sagt voraus, dass die Wirtschaftsleistung im nächsten Jahr 8,3 Prozent unter dem Wert von 2021 liegen werde. Das pessimistischste geht von einem Minus in Höhe von 11,9 Prozent aus.

Dem Dokument zufolge setzen Russland vor allem die Import- und Exportbeschränkungen zu. Doch damit nicht genug: Die Autoren schätzen, dass bis 2025 rund 200.000 IT-Spezialisten das Land verlassen haben.

"Kein Ersatz"

Ein Großteil des Export-Sektors werde durch die Sanktionen in Mitleidenschaft gezogen, zitiert Bloomberg aus dem Bericht. Betroffen sei etwa die Öl-, Gas-, Chemie- und Holzindustrie. Ein kompletter Stopp der Gaslieferungen nach Europa würde jedes Jahr zu umgerechnet 6,6 Milliarden US-Dollar geringeren Steuereinnahmen führen. Selbst auf mittlere Sicht ließen sich diese Ausfälle nicht durch neue Absatzmärkte ausgleichen. Die Metallindustrie verliere jährlich 5,7 Milliarden Dollar.

Sollte die Weltwirtschaft in eine Rezession abgleiten, dürfte das Russland dem Bericht zufolge besonders hart treffen. Denn auf russische Produkte würden Käufer zuerst verzichten. Das könnte zu einem schwächeren Rubel und damit zu höherer Inflation führen.

Beim Import wird Russland laut dem Bericht vor allem dadurch getroffen, Ersatzteile für westliche Maschinen nicht mehr zu bekommen. Sollten diese nicht repariert werden, werde das langfristig das Wirtschaftswachstum bremsen. "Es gibt einfach keinen Ersatz für kritische Importe", zitiert Bloomberg aus dem Bericht. Der Mangel an westlicher Technologie werde die Wirtschaft ein bis zwei Generationen zurückwerfen, heißt es weiter. Alternativen etwa aus China oder Südostasien seien viel weniger fortschrittlich.

Ein paar Beispiele: Nur 30 Prozent der Werkzeugmaschinen seien aus russischer Herstellung, so der Bericht. Fast die gesamte Geflügelproduktion und ein Großteil der Milchwirtschaft seien abhängig von Saatgut aus dem Westen, aus dem das Tierfutter gezüchtet werde. Nahezu alle Flugzeuge stammen aus dem Ausland - ein Ersatzteilmangel könnte dafür sorgen, dass ein Großteil der Flotte auf dem Boden bleiben müsse. Und Beschränkungen beim Export von SIM-Karten könnten dafür sorgen, dass sie spätestens 2025 Mangelware werden.

Quelle: ntv.de, jga

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