Wirtschaft

Keine Hilfe aus China Russland kann US-Kreditriesen nicht so leicht ersetzen

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An den Automaten, die noch funktionieren, hatten sich auch vor der Ankündigung der Kreditkarteninstitute Anfang März teils bereits lange Warteschlangen gebildet.

(Foto: IMAGO/ZUMA Wire)

Nach der Abschaltung von Visa, Mastercard und American Express setzen viele russische Bürger auf die Kreditkarten des chinesischen Anbieters UnionPay. Doch so leicht ist das nicht, denn ausländische Internetgeschäfte blockieren Zahlungen aller in Russland herausgegeben Karten.

Als Reaktion auf den Ukraine-Krieg haben die größten Kreditkartenanbieter der Welt Visa, Mastercard und American Express bereits Anfang März ihre Arbeit in Russland ausgesetzt. In Russland ausgegebene Karten werden seit dem 10. März im Ausland nicht mehr akzeptiert und ausländische Karten funktionieren in Russland nicht mehr. Die Moskauer Führung versprach daraufhin einen schnellen Ersatz durch ein eigenes Kreditkartensystem namens "Mir" und den Umstieg auf chinesische UnionPay-Karten.

Doch der Weggang der US-Kreditriesen ist nach Medienberichten nicht so leicht auszugleichen. Ausländische Internetgeschäfte blockierten die Zahlungen aller in Russland herausgegeben Karten, auch der von UnionPay, berichtet die Tageszeitung "Kommersant". Nach Angaben des Blattes gibt es russlandweit 500.000 Kreditkarten von UnionPay. Damit hat sich deren Zahl binnen eines Monats verzehnfacht. Viele Bürger hatten nach der Abschaltung von Visa und Mastercard und American Express in Russland gehofft, mit Karten chinesischer Banken zahlen zu können.

UnionPay könnte Lage eigentlich beheben

Der größte Teil der UnionPay-Karten ist für den Einkauf in Internetgeschäften gedacht. Doch eben damit gibt es Probleme, weil die meisten international tätigen Onlinehändler und deren Banken generell keine in Russland herausgegebenen Karten mehr akzeptieren. Theoretisch könnte UnionPay die Lage dem Zeitungsbericht zufolge beheben. Doch die chinesische Kreditkartenorganisation unternähmen bislang keine Anstrengungen dazu, hieß es.

Visa-Chef Al Kelly bedauert die Auswirkungen, die die Maßnahme auf Mitarbeiter sowie Kunden, Partner, Händler und Karteninhaber in Russland haben werde. "Dieser Krieg und die anhaltende Bedrohung des Friedens und der Stabilität erfordern, dass wir darauf im Einklang mit unseren Werten antworten." Mastercard teilte mit, man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. "Mastercard ist seit mehr als 25 Jahren in Russland tätig." Den fast 200 Mitarbeitern werde der Lohn weitergezahlt. Wenn es "angemessen und rechtlich zulässig" sei, wolle man den Betrieb wieder aufnehmen.

Lange Schlangen vor Automaten

Visa und Mastercard hatten bereits zuvor keine Transaktionen mehr für russische Banken abgewickelt, die von internationalen Sanktionen wegen des Kriegs in der Ukraine betroffen sind. Das "Wall Street Journal" berichtete kürzlich, im Jahr 2020 seien von den in Russland ausgegebenen Debit- und Kreditkarten rund 74 Prozent der Zahlungsvorgänge im Land auf Visa- und Mastercard-Karten entfallen.

An den Automaten, die noch funktionieren, hatten sich auch vor der Ankündigung der Kreditkarteninstitute Anfang März teils bereits lange Warteschlangen gebildet. Auch an Bankschaltern warteten viele Menschen, um sich mit Bargeld einzudecken - oder ihre Konten aufzulösen. Russlands Zentralbank teilte immer wieder mit, die Lage sei unter Kontrolle, Automaten würden weiter mit Geld aufgefüllt, die Einlagen auf den Konten seien gesichert.

Quelle: ntv.de, jki/dpa

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