Wirtschaft

Einnahmen brechen weg Russlands Überschuss löst sich in Luft auf

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Russlands Präsident Wladimir Putin hatte im Februar einen Angriffskrieg gegen die Ukraine angeordnet.

(Foto: IMAGO/ZUMA Wire)

Monatelang erzielte Russland angesichts der explodierenden Rohstoffpreise einen riesigen Haushaltsüberschuss. Doch diese Zeiten sind offenbar vorbei. Im August gab es ein Defizit in Milliardenhöhe.

Russlands Haushaltsüberschuss schmilzt zusammen. Im August musste der Staatshaushalt dem Finanzministerium zufolge ein Defizit von umgerechnet 5,7 Milliarden Dollar verkraften. Die Hauptgründe dafür: sinkende Einnahmen aus dem Rohstoffverkauf und hohe Ausgaben wegen des Krieges in der Ukraine.

In den ersten sieben Monaten des Jahres hatte der Haushaltsüberschuss noch bei umgerechnet 8 Milliarden Dollar gelegen. Im Zeitraum bis Ende August waren es nur noch 2,3 Milliarden Dollar. Damit sinkt der Überschuss rapide, allerdings weniger heftig als im Juli. Zur Einordnung: Im ersten Halbjahr hatte Russland dank explodierender Rohstoffpreise einen Überschuss von fast 23 Milliarden Dollar angehäuft und damit seine Kriegskasse gefüllt.

Doch mittlerweile sind die Gas- und Öl-Exporte nach Europa massiv zurückgegangen. Zum einen ersetzen Europäer die Energie durch Lieferungen aus anderen Ländern. Zum anderen hat der staatlich kontrollierte Gazprom-Konzern die Lieferungen durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland gedrosselt. Das Unternehmen hatte Anfang des Monats mitgeteilt, es habe dieses Jahr in die EU nur halb so viel Gas geliefert wie vor einem Jahr. In diesem Monat dürften die Einnahmen weiter stark sinken, da Gazprom die Lieferung durch Nord Stream 1 komplett gestoppt hat.

Hinzu kommt, dass der Ölpreis in den letzten Wochen stark gesunken ist. Aufgrund fehlender Pipelines kann Russland Gas, das bisher nach Europa gepumpt wurde, nicht einfach an andere Länder liefern, etwa nach China. Außerdem findet Russlands Öl nur mit kräftigen Preisnachlässen neue Abnehmer.

IWF sagt Rezession voraus

Zugleich bleiben die Ausgaben weiter hoch. Der Kreml muss seinen Krieg in der Ukraine finanzieren, während russische Truppen Rückschläge hinnehmen. Außerdem versucht die Regierung, die Auswirkungen der westlichen Sanktionen auf die eigene Bevölkerung abzumildern - beispielsweise durch höhere Renten.

Die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft sind sehr wichtig für den Kreml. Der Haushalt basierte in der Vergangenheit bis zur Hälfte auf diesen Einnahmen. Bisher hatte Russland trotz sinkender Exporte Rekordeinnahmen erzielt. Doch das scheint sich in den vergangenen Wochen geändert zu haben. In den ersten acht Monaten lagen die Einnahmen insgesamt fast 20 Prozent unter demVorjahresniveau, wie die "Financial Times" unter Berufung auf das russische Finanzministerium berichtet.

Dem Moskauer Wirtschaftsministerium zufolge sank das russische Bruttoinlandsprodukt im Juli im Jahresvergleich um 4,3 Prozent. Der Internationale Währungsfonds erwartet eine tiefe Rezession in Russland und geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung dieses Jahr um 6 Prozent schrumpft. Für 2023 rechnet der Fonds mit einem Minus von 3,5 Prozent.

Quelle: ntv.de

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