Wirtschaft

Kompromisslose LinieRyanair-Chef hasst seine Kunden nicht

09.01.2026, 12:20 Uhr
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Fluchen war schon immer ein fester Bestandteil von O’Learys Kommunikationsstil. (Foto: picture alliance / abaca)

Michael O’Leary bleibt sich treu: In einem Interview erklärt der Ryanair-Chef, warum er gnadenlose Regeln für Kunden selbst in Extremfällen für richtig hält und wie er den irischen Billigflieger noch effizienter machen könnte.

Der Chef des irischen Billigfliegers Ryanair, Michael O’Leary, versichert in einem Interview mit der "Financial Times" (FT), die Fluggesellschaft hasse ihre Kunden nicht – zumindest nicht alle. "Wenn Sie sich nicht an unsere Regeln halten, hassen wir Sie und werden Sie quälen. Aber wenn Sie sich an unsere Regeln halten, lieben wir Sie", zitiert die Zeitung O'Leary, der bekannt dafür ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Seine kompromisslose Haltung geht sogar manchmal so weit, dass sie dem Image des irischen Billigfliegers schaden könnte. Im Gespräch mit der FT erzählt der Ryanair-Chef etwa, dass ein Mann, der auf dem Weg nach Hartlepool niedergestochen wurde und versuchte, seinen bevorstehenden Ryanair-Flug zu stornieren, keine Rückerstattung bekommen habe. "Wenn das Unternehmen ihm eine Rückerstattung anbieten würde, würde dies eine Flut weiterer Rückerstattungsforderungen nach sich ziehen", so O'Leary.

Ryanair hat dank gestiegener Ticketpreise in seinem ersten Geschäftshalbjahr einen Gewinnsprung erzielt. Von April bis September kletterte der Nettogewinn um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 2,54 Milliarden Euro, wie die Fluggesellschaft im November mitteilte.

Damit übertraf Ryanair die von ihr selbst ermittelte Analystenprognose von 2,5 Milliarden Euro. Für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr 2025/26 rechnet die Airline nun mit 207 Millionen Fluggästen statt der bisher erwarteten 206 Millionen, da ihr nach längerer Wartezeit fast zwei Dutzend neue Boeing 737-MAX-8 zugegangen waren.

Im Gespräch mit der FT äußert O'Leary eine Idee, wie er sein Unternehmen noch erfolgreicher machen könnte. "Wenn ich alle Gepäckstücke loswerden könnte, hätte ich eine viel bessere Fluggesellschaft", sagt der Airline-Chef. Durch die Einführung von Gebühren sei die Zahl der Passagiere, die Gepäck aufgeben, von 80 auf 20 Prozent gesunken.

Der Fokus auf Effizienz ist auch der Grund für den Einsatz einer automatischen Gepäckabgabe an Flughäfen. Das Beste daran ist laut O'Leary, dass Kunden sich so nicht mit dem Personal streiten können. "Man kann bei der automatischen Gepäckabgabe nicht behaupten, dass das Gepäckstück leichter war, als man es heute Morgen in der Küche gewogen hat. Man muss einfach bezahlen."

Fluchen war schon immer ein fester Bestandteil von O’Learys Kommunikationsstil – besonders wenn es um kontroverse Themen wie etwa sein Gehalt für die Verlängerung seines Vertrags geht. Nicht anders redete er im Interview mit der FT. Er werde den Vertrag unterzeichnen, "sofern wir uns verdammt noch mal auf eine verdammte Vergütung einigen können. Aber ich lasse mir keinen ESG-Blödsinn über die verdammte CEO-Bezahlung gefallen. Verpiss dich mit deinem Scheiß." Die Abkürzung "ESG" steht für Environmental, Social und Governance (zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) und bezeichnet ein umfassendes Regelwerk zur Bewertung der nachhaltigen und ethischen Praxis von Unternehmen.

Quelle: ntv.de, jki

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