Wirtschaft

O'Leary setzt auf Boeing 737 Max Ryanair will mit Kampfpreisen aus der Krise

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Ryanair-Chef O'Leary stimmt der Fortschritt bei der Impfstoff-Entwicklung offenbar positiv. Die Airline kauft weitere Boeing-Jets vom Typ 737 Max, die die Standardmaschine 737-800 (Bild) ablösen.

(Foto: picture alliance / ZB)

200 Millionen Passagiere will Ryanair-Chef O'Leary pro Jahr fliegen. Um dieses Ziel trotz Corona im Jahr 2022 zu erreichen, setzt die Airline auf harten Preiskampf - und auf ein umstrittenes Flugzeug.

Europas größter Billigflieger Ryanair will mit Kampfpreisen aus der Corona-Krise fliegen. Allein über günstige Ticketpreise könne nach Einführung eines Impfstoffes die Nachfrage wieder schnell auf Vorkrisen-Niveau gebracht werden, sagte der Chef der Ryanair-Gruppe, Michael O'Leary, bei einem Gespräch mit der Lotsen-Dachorganisation Eurocontrol in Brüssel. Ryanair plane, sein Angebot in ganz Europa stark auszubauen und setze dabei auf die Kooperation der Flughäfen.

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O'Leary hielt den staatlich gestützten Netzgesellschaften wie Lufthansa, Alitalia oder Air France/KLM vor, das Flugangebot auch nach der Pandemie künstlich knapp halten zu wollen, um höhere Ticketpreise durchzusetzen. Die Aussetzung der Regulierung von Start-und Landerechten schütze ihre Stellung an den großen Flughäfen. Ryanair hat ein Dutzend Klagen gegen Staatshilfen für europäische Airlines angekündigt, darunter gegen die deutschen Gesellschaften Condor und Lufthansa.

Erst in der vergangenen Woche hatten die Iren bekanntgegeben, dass sie 75 weitere Boeing-Jets vom Krisentyp 737 Max kaufen wollen. Die Fluggesellschaft hält damit trotz Corona-Krise am geplanten Auftragsvolumen von 210 Exemplaren fest. Spätestens ab dem Jahr 2022 werde man Kurs auf das Ziel nehmen, mehr als 200 Millionen Passagiere im Jahr zu fliegen, sagte O'Leary. Im bisherigen Rekordjahr 2019 hatte Ryanair 152 Millionen Gäste. O'Leary appellierte an die Staaten, spezifische Abgaben wie die deutsche Luftverkehrssteuer abzuschaffen. Die Flughäfen sollten ihre Gebühren absenken, um die Nachfrage zu stimulieren. Es gebe dazu in vielen Ländern positive Signale.

Die neue Ryanair-Standardmaschine bezeichnete O'Leary erneut als "Gamechanger". Das neue Flugzeug könne 4 Prozent mehr Passagiere mitnehmen bei einem Verbrauch von 16 Prozent weniger Kerosin. Die Boeing 737 Max war im März 2019 nach zwei Abstürzen mit 346 Toten aus dem Verkehr gezogen worden. Als Hauptursache der Unglücke galt ein fehlerhaftes Steuerungsprogramm, das die Maschinen Richtung Boden lenkte. Im November wurden die Flugverbote in den USA, in Europa und in Brasilien unter strikten Auflagen aufgehoben.

Der Ryanair-Chef rechnet nicht mit größeren Vorbehalten der Fluggäste gegen die neueste Ausgabe der Boeing 737. Es könne pro Flug "ein oder zwei" Passagiere mit Bedenken geben, meint O'Leary. Diese werde man kostenfrei auf die nächste Verbindung umbuchen. Die meisten Leute wüssten aber ohnehin nicht, in welchem Flugzeug sie unterwegs seien.

Quelle: ntv.de, joh/dpa