Wirtschaft

Vorstand Klein im Interview "SAP will bis 2025 klimaneutral wirtschaften"

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SAP-Chef Christian Klein kam mit dem Wasserstoffauto nach Davos. Doch das erforderte Organisation, wie er ntv sagt.

(Foto: picture alliance/dpa)

In diesem Jahr stellt das Weltwirtschaftsforum in Davos den Klimaschutz an die Spitze der Agenda. Warum Deutschland in diesem Bereich noch hinterherhinkt und wie digitale Technik das Land nach vorn bringen kann, sagt SAP-Chef Christian Klein im Interview mit ntv.de.

ntv: Herr Klein, Sie sind mit einem Wasserstoffauto hier nach Davos gekommen. Braucht man dieses grüne PR-Image, um erfolgreich zu sein?

Christian Klein: Hier in Davos geht es vor allem um das Thema Klimaschutz, und da wollte ich auch mal aus erster Hand erfahren, wie einfach es eigentlich ist, mit einem Wasserstoffauto von Heidelberg nach Davos zu kommen. Und ich muss sagen: Da spürt man schon sehr deutlich die Limitation, die es noch gibt, wenn man auf solche neuen Mobilitätsoptionen setzt.

Umweltschutz ist ein großes Thema in Davos. Wie tangiert das Ihre Geschäfte?

Bisher ging es in der digitalen Transformation darum, wie wir die Geschäftsabläufe transformieren, um morgen auch noch international wettbewerbsfähig zu sein. Ich denke, jetzt müssen gerade auch die globalen Unternehmen den Klimaschutz angehen. Bei SAP haben wir uns klar das Ziel gesetzt, bis 2025 klimaneutral zu wirtschaften. Wir wollen aber noch einen Schritt weitergehen: Morgen wollen wir unsere Kunden in die Lage versetzen, ihre CO2-Emissionen zu messen, und zeigen, wie man diese Emissionen nachhaltig reduzieren kann.

Ein weiteres wichtiges Thema ist der digitale Wandel. Da sind deutsche Unternehmen mitunter nicht weit vorne. Woran liegt das?

Ich hab ja gerade das Beispiel genannt: Ich wäre wahrscheinlich ohne eine mehrtägige Planung mit meinem Wasserstoffauto nie hier in Davos angekommen. Das heißt, der Ausbau der Infrastruktur, um Energiewende und digitale Transformation zu bewältigen, ist ganz klar auch europäische Aufgabe. Stichwort Digitale Bildung: Der Arbeitsmarkt wird sich nachhaltig verändern. Auch da brauchen wir schnellere Lösungen in der Bildungspolitik. Die Unternehmen wiederum müssen die Chancen der digitalen Transformation sehen und den Wandel im Unternehmen schneller vorantreiben.

Manche monieren die fehlenden Rahmenbedingungen in der Politik. Gehören Sie auch dazu? Glauben Sie, wir brauchen ein Digitalministerium?

Ich denke, das wäre auf jeden Fall sinnvoll. Man sieht bereits, dass viele Kompetenzen und Entscheidungen für die Digitalpolitik über verschiedenen Ressorts hinweg getroffen werden müssen. Da würde es helfen, einen Ansprechpartner zu haben, um schnellere Entscheidungen herbeizuführen.

Ihr Vorgänger Bill McDermott hat die Parole ausgegeben, bis 2023 insgesamt 300 Milliarden Dollar an Börsenwert zu erreichen. Schaffen Sie das?

Der Kundenerfolg steht für SAP an erster Stelle. Danach haben wir bis 2023 Kapitalmarktziele herausgegeben, zu denen wir stehen. Und die Marktkapitalisierung ist am Ende das Resultat unseres nachhaltigen Wachstums und unserer Profitabilitätsziele. Da sind wir sehr zuversichtlich.

Der Internationale Währungsfonds sagt: Der weltwirtschaftliche Abschwung ist gestoppt. Sind Sie ähnlich optimistisch?

Wir sind ähnlich optimistisch. Wir sehen, dass in allen Märkten dieser Welt, in allen Industrien eine sehr hohe Investitionsbereitschaft vorherrscht. Unsere Kunden blicken positiv in die Zukunft und wollen auch die digitale Transformation anpacken.

Mit Christian Klein sprach Ulrich Reitz

Quelle: ntv.de