Wirtschaft

Illegaler Kampf ums Familienerbe Samsung-Boss droht erneute Haft

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Samsung-Erbe Lee Jae Yong auf dem Weg zum Haftrichter.

(Foto: REUTERS)

Auf legalem Weg durch Erbe kann Lee Jae Yong, der Sohn des langjährigen Samsung-Chefs, die Firmenanteile und die Führungsposition seines Vaters nicht bekommen. Mutmaßlich illegale Methoden, dennoch die Macht in dem Firmenimperium zu sichern, könnten Lee erneut ins Gefängnis bringen.

Dem Erben und De-facto-Chef des Samsung-Firmenimperiums Lee Jae Yong droht ein erneuter Gefängnisaufenthalt. Die südkoreanische Staatsanwaltschaft hat beantragt, Lee während eines laufenden Prozesses unter anderem wegen mutmaßlicher Bilanzfälschung gegen ihn und zwei weitere Samsung-Manager in Haft zu nehmen. Die Entscheidung des Haftrichters und die mögliche Inhaftierung könnte schon heute oder am Dienstag fallen.

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Derzeit laufen in Südkorea zwei Prozesse gegen den wohl mächtigsten Wirtschaftsboss des Landes. In dem einen Verfahren um mutmaßliche Bestechungen unter anderem der ehemaligen Präsidentin des Landes saß Lee schon rund ein Jahr im Gefängnis. 2018 kam er allerdings frei, nachdem ein Berufungsgericht die ursprüngliche Verurteilung zu insgesamt fünf Jahren Haft aufgehoben hatte. Diese Entscheidung wiederum wurde im vergangenen Jahr vom Obersten Gericht Südkoreas aufgehoben. Seitdem wird der Prozess komplett neu aufgerollt, was sich allerdings hinzieht unter anderem wegen des Streits um die mögliche Voreingenommenheit eines der Richter und jüngst auch wegen eines Antrags Lees, die Anklage der Staatsanwaltschaft von einem externen Gremium überprüfen zu lassen.

Weil dieser Prozess um Korruption bis in die höchste Staatsspitze so schleppend läuft, erhöht - so glauben Beobachter - die Staatsanwaltschaft in einem zweiten Prozess nun mit der Beantragung eines Haftbefehls den Druck. In dem Verfahren geht es um den Vorwurf, Lee und die beiden Mitangeklagten hätten vor der Fusion zweier Firmen aus dem Samsung-Imperium unter anderem Bilanzen manipuliert. So habe man Lees Anteil im gesamten Konglomerat erhöhen und ihm erleichtern wollen, die Führungsrolle von seinem Vater zu übernehmen. Lee und Samsung wiesen die Vorwürfe zurück. Lee sei mit dem Führen der Bilanzen nicht befasst gewesen.

Erhebliche Erbschaftssteuer

Lees Vater, Lee Kun Hee, ist seit einem Schlaganfall 2014 bettlägerig und öffentlich nicht mehr aufgetreten. Seitdem führt der Sohn inoffiziell die Geschäfte des aus zahlreichen durch ein kompliziertes Netz aus Beteiligungen verbundenen Firmen bestehenden Imperiums. Offiziell wird er die Anteile seines Vaters und damit dessen unbestrittene Führungsposition aber kaum übernehmen können - zumindest nicht auf legalem Weg. Denn in Südkorea gilt für große Vermögen eine Erbschaftssteuer von 50 Prozent.

Die mutmaßlich illegalen Versuche, durch Kursmanipulation und Bestechung die Macht der Lee-Familie bei Samsung abzusichern, gingen allerdings nach hinten los. Unabhängig vom Ausgang der beiden Prozesse sind die Empörung in Südkorea sowie der Druck auf die Politik und das Unternehmen durch die Skandale so groß geworden, dass Lee sich nicht nur öffentlich entschuldigen, sondern auch versprechen musste, dass er die Führung bei Samsung nicht an seine Kinder weitergeben werde.

Quelle: ntv.de, mbo

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