Wirtschaft

Mega-Börsengang abgeblasen Saudischer Kronprinz setzt auf Plan B

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Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman.

(Foto: AP)

Es sieht so aus, als würde der saudi-arabische Kronprinz mal eben auf 100 Milliarden Dollar verzichten: Der größte Börsengang aller Zeiten liegt auf Eis. Was nun?

Der riesige Börsengang von Saudi-Aramco findet vorerst nicht statt. Saudi-Arabien legt seine Pläne aufs Eis, 100 Milliarden Dollar durch die Platzierung des staatlichen Ölgiganten an der Börse einzunehmen. Die Regierung legt Wert auf die Feststellung, sie halte an den Plänen fest. "Wenn Umstände und der Zeitpunkt passen", ist es soweit, sagt Energieminister Chalid al-Falih.

Das ist derzeit offensichtlich nicht der Fall. "Wir haben die Botschaft bekommen, dass der Börsengang auf absehbare Zeit abgesagt ist", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen hochrangigen Banker. Die Investmentbanker und andere Berater, die den Deal vorbereiten sollten, seien von ihren Aufgaben entbunden worden. "Die Entscheidung ist schon vor einiger Zeit gefallen, aber das darf niemand sagen", so ein saudi-arabischer Insider. Der Energieminister weist das als "Spekulationen, die nicht wahr sind" zurück.

Die Frage ist, ob die Regierung in Riad Aramco derzeit nicht an die Börse bringen will oder ob sie das nicht kann. Kronprinz Mohammed bin Salman, der gerne "MbS" genannt wird, hatte folgenden Plan: Insgesamt sollten fünf Prozent des staatlichen Ölkonzerns über die Börse verkauft werden. 100 Milliarden Dollar sollte der Staatsfonds so einnehmen. Damit wäre Aramco zwei Billionen Dollar schwer und doppelt so viel wert wie Apple.

Ob das allerdings eine realistische Bewertung ist, ist zweifelhaft. Analysten schätzen den Wert von Aramco eher auf eine Summe zwischen 1 und 1,5 Milliarden Dollar. Das ist immer noch erheblich, aber signifikant weniger als von "MbS" angestrebt. Diese Differenz könnte eine der Ursachen sein, warum der Börsengang zunächst nicht stattfindet.

Abhängig vom Öl

Saudi-Arabien gründet die hohe Bewertung auch darauf, dass das Land nach Venezuela über die zweitgrößten bekannten Ölreserven weltweit verfüge. Doch diese Angaben konnten von unabhängigen Experten bisher nicht überprüft werden. Sollte sich nach einem Börsengang herausstellen, dass Investoren getäuscht wurden, dürfte eine Klagewelle den Konzern überrollen.

Dieses Risiko wäre besonders groß, wenn Aramco - wie erwogen - auch an der Wall Street gelistet würde. Denn dort sind Auflagen und Regulierung sehr viel strenger als beispielsweise an der saudischen Börse in Riad. Ein Börsengang erfordert immer Transparenz. Eigentlich ist Saudi-Arabien wenig daran gelegen, die Geschäftsbücher von Aramco zu öffnen. Dass es dazu prinzipiell bereit ist, hat einen einfachen Grund: Der Kronprinz braucht das Geld.

Seitdem die Ölpreise 2014 eingebrochen sind, verzeichnet das vom Öl abhängige Land Haushaltsdefizite von bis zu 17 Prozent der Wirtschaftsleistung. Um den Staatshaushalt zu sanieren, wurden Steuern erhöht und neue erhoben. Subventionen bei Benzin, Strom und Wasser wurden gestrichen. Im vergangenen Jahr rutschte die größte Volkswirtschaft des arabischen Raumes in die Rezession und sie dürfte dieses Jahr Schätzungen zufolge lediglich 1,1 Prozent zulegen.

Es rächt sich, dass sich das Land jahrzehntelang auf einem Billionenberg von Öleinnahmen ausruhte. Vor zwei Jahren startete Saudi-Arabien deshalb ein Reformprogramm mit dem Ziel, weniger abhängig vom Öl zu werden. Die Börsen-Pläne von "MBS" spielen eine Schlüsselrolle für den Umbau der saudi-arabischen Wirtschaft. Der Kronprinz hat diese Transformation zur Chefsache gemacht.

Der Prinz hat viel vor

Durch das "Vision 2030" getaufte Vorhaben will Saudi-Arabien ein moderner Wirtschaftsstandort werden, sich ausländischen Investoren öffnen und auf neue Technologien setzen. Kern ist die Zukunftsstadt "Neom", ein gigantisches Infrastrukturprojekt zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Akaba. Auf einer Fläche von 26.500 Quadratkilometern sollen Firmen von der Energie- und Wasserwirtschaft über die Biotechnologie bis zur Unterhaltungsbranche angesiedelt werden. Das kostet viel Geld. Für den Investmentfond, mit dem das Projekt finanziert werden soll, ist ein Volumen von 1,7 Billionen Euro veranschlagt.

Zur Mittel-Beschaffung durch einen Börsengang von Aramco gibt es allerdings Alternativen. Eine wäre, Anteile außerhalb der Börse an einen Investor zu verkaufen. Derzeit werden Chinesen als kaufkräftige Interessenten gehandelt. Ob die allerdings bereit sind, so viel Geld zu bezahlen wie von "MbS" gewünscht, ist fraglich.

Der Plan B des Kronprinzen ist anscheinend ein anderer. Der "Financial Times" zufolge hat der Königshof Aramco angewiesen, dem Staatsfonds des Landes 70 Prozent der Anteile des petrochemischen Unternehmens Sabic abzukaufen. Daraus könnte der Fonds bis zu 70 Milliarden Dollar einnehmen.

Sollte das klappen, könnte ein Börsengang von Aramco noch warten - und bin Salman hätte Zeit gewonnen. Politisch könnte ein Fehlschlag der "Vision 2030" Folgen haben. Der Thronfolger hat seinen Namen eng mit dem Projekt verknüpft.

Quelle: n-tv.de, mit rts

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