Wirtschaft

Aktienkurs als Hauptaufgabe Schwede soll ABB auf Kurs bringen

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(Foto: REUTERS)

Der Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB hinkt in allen wichtigen Kennzahlen der Konkurrenz hinterher. Nun finden Aufsichtsrat und Großaktionäre einen neuen Chef. Ihm eilt der Ruf voraus, bei Bedarf durchzugreifen.

Der in einem tiefgreifenden Umbau steckende Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB holt einen Fachmann für Restrukturierungen an die Konzernspitze. Sandvik-Chef Björn Rosengren, der den Spezialmaschinenbauer wieder auf Kurs gebracht hat, soll Anfang März den Chefsessel von Peter Voser übernehmen. Präsident Voser hatte sich bei ABB nach dem überraschenden Rücktritt von Konzernchef Ulrich Spiesshofer übergangsweise auch um das Tagesgeschäft gekümmert.

Rosengren habe für mindestens fünf Jahre zugesagt, erklärte Voser. Weder Alter noch Nationalität - der Manager mit schwedischer Staatsbürgerschaft ist 60 Jahre alt - waren Voser zufolge ausschlaggebende Kriterien für die Besetzung der Position. "Was wichtig ist, ist die Erfahrung, es ist der Fokus, es ist die Befähigung der Menschen, es ist die Art und Weise, wie eine Person die Geschäfte führt." Voser selbst, ebenfalls 60 Jahre alt, will noch einige Jahre als Verwaltungsratspräsident von ABB weitermachen.

"Nachgewiesene Erfolgsbilanz"

Rosengren, der im Ruf steht, hart durchzugreifen, wenn Geschäfte nicht den Erwartungen entsprechen, kann auf die Unterstützung der Großaktionäre Investor und Cevian bauen. "Aus seinen früheren Führungspositionen in verschiedenen Unternehmen hat er eine nachgewiesene Erfolgsbilanz bei der Förderung einer dezentralen Kultur, der Leistungssteigerung und der Wertschöpfung vorzuweisen", erklärte Investor-Chef Johan Forssell. Die Beteiligungsgesellschaft der schwedischen Wallenberg-Familie ist mit 11,2 Prozent der größte ABB-Anteilseigner.

Auch der aktivistische Aktionär Cevian, auf dessen Drängen ABB Ende 2018 seine Stromnetzsparte verkaufte, hält den Manager für den richtigen Mann an der Spitze. Der Schweizer Konzern hinke bei den Margen und Bewertungskennzahlen in jeder Sparte den Rivalen hinterher. "Werden diese Lücken geschlossen, sollte die ABB-Aktie mehr als 35 Franken wert sein", sagte Christer Gardell, geschäftsführender Partner bei Cevian. "Das ist Björns Hauptaufgabe."

An der Börse kam die Personalie bei Anlegern an: Mit einem Plus von 3,8 Prozent auf 18,20 Franken waren die ABB-Anteile ganz vorne unter den europäischen Industriewerten zu finden. Seit Rosengren 2015 an der Spitze von Sandvik steht, stieg der Börsenwert des schwedischen Konzerns um fast 80 Prozent.

Autobranche mit Bremsspur im Auftragsbuch

Siemens-Rivale ABB krankt seit Jahren an einem unbefriedigenden Umsatzwachstum, obwohl der Konzern Megatrends wie Automatisierung, erneuerbare Energien oder Elektromobilität bedient. Das schlug sich auch in einer unbefriedigenden Aktienkursentwicklung nieder und war einer der Gründe, warum der ehemalige Konzernchef Spiesshofer den Rückhalt der Großanleger verloren hat und das Unternehmen Mitte April verließ. Mitten im Konzernumbau begann auch das vermeintliche Zugpferd zu lahmen: In der Roboter-Sparte sackten die Aufträge wegen der mauen Autokonjunktur im zweiten Quartal ab und brachten das Order-Wachstum des ganzen Unternehmens praktisch zum Erliegen.

Voser stellt nach der Abspaltung der Stromnetzsparte bereits weitere Anpassungen des Geschäftsportfolios in Aussicht: Unternehmensteile mit kumuliert bis zu drei Milliarden Dollar Umsatz stehen zur Disposition. Auf der anderen Seite will der Schweizer mit kleinen und mittelgroßen Zukäufen die vier Divisionen Elektrifizierung, Industrieautomation, Antriebe und Roboter stärken. "In den letzten Monaten hat das Unternehmen eine Strategie umrissen, und der folgen wir konsequent", sagte der frühere Shell-Chef. "Aber eine Strategie wird nicht für fünf Jahre in Stein gemeißelt."

Quelle: n-tv.de, jwu/rts

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