Wirtschaft

Rotstift trotz Gewinnzone Siemens Energy streicht 8000 Stellen

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Die Umsetzung der Maßnahmen ist bis zum Ende des Geschäftsjahres 2025 geplant.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Zahlen aus dem ersten Quartal des ersten eigenständigen Geschäftsjahres fallen gut aus. Mit 99 Millionen Euro Gewinn unterm Strich kehrt Siemens Energy zwar zurück in die Gewinnzone - trotzdem will das Unternehmen den Rotstift ansetzen und knapp 8000 Stellen abbauen.

Der Energietechnikkonzern Siemens Energy streicht bis 2025 rund 7800 seiner weltweit gut 90.000 Arbeitsplätze. Betroffen sei die auf konventionelle Kraftwerke spezialisierte Sparte Gas and Power, teilte der Konzern mit. Drei Viertel der Jobs würden in der Verwaltung, dem Management und im Vertrieb abgebaut. In Deutschland sollen 3000 Arbeitsplätze wegfallen, die Standorte blieben aber bestehen.

Vorstandschef Christian Bruch sagte, er sei zuversichtlich, dass betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden können. "Der Energiemarkt verändert sich rasant. Das bietet uns Chancen, stellt uns aber gleichzeitig vor große Herausforderungen", sagte Bruch. "Wir sind uns bewusst, dass unsere Pläne Teilen der Belegschaft viel abverlangen." Die Umsetzung der Maßnahmen sei bis zum Ende des Geschäftsjahres 2025 geplant, ein Großteil solle aber bereits bis zum Ende des Geschäftsjahres 2023 erfolgen.

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In Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern solle zeitnah eine Einigung über den geplanten Arbeitsplatzabbau erzielt werden. Die IG Metall hatte bereits in der vergangenen Woche mit dem Management eine erste Vereinbarung getroffen. "Mit der Zukunftsvereinbarung haben wir eine solide Grundlage für die Transformation von Siemens Energy in Deutschland geschaffen", sagte der IG Metall-Vertreter Jürgen Kerner, der auch im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt. "Ich erwarte, dass wir die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen im Sinne der Beschäftigten und einer nachhaltigen Zukunftsperspektive ohne Kündigungen gestalten."

Die Energietechnik-Sparte wurde bereits vor der Abspaltung von Siemens von Stellenabbau-Wellen gebeutelt. 2018 hatte der Münchner Industriekonzern mehr als 6000 Arbeitsplätze gestrichen, vor allem im Geschäft mit großen Gas- und Dampfturbinen. Die damals geplante Schließung des Turbinen-Werks im sächsischen Görlitz hatte für große Proteste gesorgt. Die Arbeitnehmer beriefen sich auf die Zusage, dass Siemens keine Standorte aufgeben werde. Letztlich verzichtete Vorstandschef Joe Kaeser auf die Schließung. Der Abbau von 2900 Stellen in Deutschland wurde ohne Kündigungen bewerkstelligt.

Trotz Gewinn von 99 Millionen Euro

Ein Jahr später fielen weitere 2700 Stellen im Projektgeschäft, bei Hochspannungsnetzen und Transformatoren weg, gut die Hälfte davon in Deutschland. In den USA sollen nun 1700 Jobs abgebaut werden. Die übrigen verteilen sich auf diverse Standorte weltweit. Siemens Energy will bis 2023 eine bereinigte Ebita-Marge vor Sondereffekten von 6,5 Prozent bis 8,5 Prozent erreichen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 lag sie bei 5,6 Prozent. Unter dem Strich fuhr das Unternehmen einen Gewinn von 99 Millionen Euro ein.

Im Rechtsstreit mit dem US-Konkurrenten General Electric hat Siemens Energy nach Aussage von Bruch die Klageschrift erhalten. Zu dem Inhalt wollte er sich nicht äußern. Für Anwaltskosten seien Rückstellungen gebildet worden. GE hat vor einem Bundesbezirksgericht im Bundesstaat Virginia Klage eingereicht. Die Amerikaner werfen dem deutschen Unternehmen vor, sich mit illegalen Mitteln Vorteile für Angebote von Gasturbinen an einen Energieversorger beschafft zu haben. Der Fall reiche zurück bis Mai 2019. Siemens Energy gehörte damals noch zum Münchner Siemens-Konzern. GE hat den Schaden auf mehr als eine Milliarde Dollar (rund 820 Millionen Euro) beziffert.

Quelle: ntv.de, jki/rts

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