Wirtschaft

Laborplattform macht Probleme Siemens greift bei Healthineers durch

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Die hohen Anlaufkosten für das neue Laborsystem Atellica bremsten das Wachstum im dritten Geschäftsquartal aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Medizintechnikanbieter Healthineers kämpft noch immer mit Problemen. Grund ist das Laborsystem Atellica, das bislang nicht wie geplant ausgeliefert werden kann. Das wird nun Chefsache.

Die Probleme mit der Markteinführung der Laborplattform Atellica bei Siemens Healthineers reißen auch nach drei Quartalen nicht ab. Bei den Auslieferungen kommt der Medizintechnikkonzern nicht wie geplant voran, und ein nötiges Software-Update für die Plattform lässt die Kosten dort weiter steigen. Das schlägt bis auf den Konzern durch. Obwohl die beiden anderen Geschäftsbereiche zuletzt profitabler geworden sind, rutscht die Marge des MDax-Unternehmens im dritten Quartal um 80 Basispunkte ab.

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Der Mutterkonzern Siemens hat deshalb jetzt die Notbremse gezogen: Ab Oktober soll Healthineers-Vorstandschef Bernd Montag selbst für die Lösung der Probleme geradestehen. Michael Reitermann, bislang Chef der Sparte Diagnostics und Vorstandsmitglied, quittiert Ende September seinen Dienst. Neues Vorstandsmitglied wird Christoph Zindel, der Chef des größten Unternehmensbereichs Diagnostic Imaging, zu dem das Geschäft mit Röntgengeräten, MRT und Computertomografen gehört.

"Der Umbau im Vorstandsteam verankert das Erreichen der kommunizierten Ziele auf der obersten Management-Ebene", sagte Aufsichtsratschef Michael Sen, der die Interessen von Siemens bei der eigenständigen Tochtergesellschaft in Erlangen wahrnimmt. "Die erfolgreiche Weiterentwicklung des attraktiven Diagnostics-Geschäfts ist entscheidend, um zusätzliches Wachstum zu realisieren - dies ist wichtig für Kunden und Investoren gleichermaßen."

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Bernd Montag übernimmt die Aufgaben von Diagnostikchef Michael Reitermann.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Atellica-Plattform gilt als Wachstumshoffnung, doch bis die Reagenzien dauerhafte und steigende Umsätze bringen, muss die Siemens-Tochter zunächst in Vorleistung gehen. Und hier klemmt es seit etlichen Monaten. Die Installationen in Großlaboren erwiesen sich als komplex und aufwendig. 450 Systeme wurden im dritten Quartal ausgeliefert. Das sind zwar 40 mehr als im Vorquartal, aber wohl weniger als erhofft. Siemens Healthineers rechnet für das bis Ende September laufende Gesamtjahr nunmehr nur noch mit 1800 Auslieferungen. Eigentlich waren 2200 bis 2500 geplant.

Negative Wechselkurseffekte

"Wir haben unseren Wachstumskurs auch im dritten Quartal sehr erfolgreich fortgesetzt", umriss Vorstandschef Bernd Montag die Entwicklung. "Im Diagnostikgeschäft stehen wir dagegen vor großen Herausforderungen." Belastet wurde das Geschäft auch von negativen Wechselkurseffekten und einer Schwäche in den USA. Bei nur leicht höherem Umsatz sank der bereinigte operative Gewinn um 29 Prozent und die Marge um 340 Basispunkte auf 7,5 Prozent.

Starkes Wachstum im größten Geschäftsbereich Imaging mit Röntgengeräten und Computertomografen (8 Prozent) und im kleinsten Bereich Advanced Therapies (5 Prozent) mit jeweils steigenden Margen konnten die Probleme in der Labordiagnostik nicht völlig ausbügeln. Insgesamt verzeichnete Siemens Healthineers ein um Sondereffekte bereinigtes operatives Ergebnis von 543 Millionen Euro. Das ist zwar ein Plus von drei Prozent, doch angesichts von acht Prozent Umsatzwachstum ging die Marge entsprechend um 80 Basispunkte auf 15,2 Prozent zurück und lag damit klar unter dem Zielkorridor von 17,5 bis 18,5 Prozent.

Unter dem Strich sahen die Zahlen besser aus. Der Überschuss stieg auf Jahressicht um ein Fünftel auf 353 Millionen Euro. Healthineers profitierte hier von einer deutlich gesunkenen Steuerquote und gesunkenen Zinskosten nach der Umstrukturierung von Schulden.

Quelle: n-tv.de, joh/DJ