Wirtschaft

Realistisch bleiben So sieht das perfekte Corona-Depot aus

RTS2ME3K.jpg

Seit den Tiefständen vom März haben sich die Börsen wieder etwas erholt.

(Foto: REUTERS)

Die Corona-Krise hat so manches Anlegerdepot in diesem Jahr einstürzen lassen. Doch kein Crash ohne Erholung: Mit einer geschickten Zusammenstellung gelingt der Neustart.

Auch wenn es an den Börsen meist um nackte Zahlen und nüchterne Geschäftsentwicklungen geht, spielt die Psychologie eine große Rolle. Nach dem Wirtschaftskollaps durch die Corona-Krise stand die Welt still und gefühlt am Abgrund. Die Ausgangsbeschränkungen werden gelockert, und die Hilfsmaßnahmen der Regierungen und Notenbanken machen Hoffnung, dass die sich die Konjunktur bald wieder erholt. Jetzt sollte auch das eigene Depot gegen Corona immunisiert werden.

Weltweit zeigten die Börsen in den zurückliegenden sechs Wochen ein recht homogenes Bild und erholten sich im Durchschnitt um knapp 30 Prozent. Die US-Technologiebörse liegt seit Jahresbeginn sogar wieder leicht im Plus, trotz Corona-Crash. Die globale Wirtschaft steuert zwar mit aller Wucht auf eine Rezession zu, doch die Börsen blicken bereits nach vorne und erwarten, dass die Medizin der weltweiten äußerst expansiven Geld- und Fiskalpolitik ihre Wirkung entfaltet. Nie zuvor dagewesene Milliardenprogramme wurden von zahlreichen Industrieländern auf den Weg gebracht.

Außerdem besteht die Hoffnung, dass auch bald ein Impfstoff gefunden wird. Zahlreiche Unternehmen forschen an einem wirksamen Coronavirus-Mittel, weshalb die daran beteiligten Unternehmen wie Pfizer oder Roche in einem Corona-Depot vertreten sein sollten. Beide Titel haben sich in der aktuellen Erholung ähnlich wie der Gesamtmarkt entwickelt und bieten daher noch Potenzial.

Statt eines Aktienkaufs lässt sich mit einem Turbo-Zertifikat auf Roche oder Pfizer offensiver agieren, da die Papiere einen Hebel besitzen. Das ist die Offensivabteilung in einem Corona-Depot. Ein Beispiel: Das Papier auf Pfizer mit der WKN UW55J9 hat einen moderaten Hebel, der bei 3,8 liegt. Anleger machen die Bewegung in der Aktie also um das 3,8fache nach oben und unten mit. Fällt die Pfizer-Aktie um 25 Prozent, entsteht allerdings ein Totalverlust.

Die Defensive stabilisieren

Sollte auch die Corona-Krise wie die Finanzkrise oder viele andere Crashs zuvor enden, ergeben sich am Aktienmarkt jetzt Chancen zum Einstieg. Daher gehören in ein ausgewogenes Corona-Depot neben Gesundheits- und Pharmaaktien auch andere Titel am Aktienmarkt plus einem Anleihenanteil. Dabei lässt sich der breite Markt einfach mit ETFs (Exchange Traded Funds, börsengehandelte Indexfonds) oder Indexzertifikaten abdecken.

Für Anleihen bietet sich der US-Anleihenmarkt an. Der Bereich lässt sich etwa mit dem Vanguard US-Staatsanleihen-ETF mit der WKN A2PCCK abdecken. Am Aktienmarkt können Investoren mit dem Indexzertifikat auf den EuroStoxx 50 mit der WKN HV0AYC (HVB onemarkets) eine breite Abdeckung für Aktien aus der Euro-Zone erreichen. Das Papier hat die engste An- und Verkaufsspanne aller EuroStoxx 50-Indexzertifikate. Beide Produkte folgen den zugrundeliegenden Basiswerten 1:1. Während Anleihen, aber auch Gold, den defensiven Part in einem solchen Portfolio übernehmen, sollte der Anteil dieser beiden Anlagen 30 Prozent nicht übersteigen.

Realistische Vorstellungen

Die restlichen 70 Prozent sollten zu diesem Zeitpunkt in der Corona-Krise am Aktienmarkt investiert werden. Dazu gehören auch Discountzertifikate, etwa auf den Dax mit der WKN DFH6J7 (DZ Bank), da sie alleine bei einer Stabilisierung des EuroStoxx 50 aktuell zweistellige Renditechancen bieten. Das Risiko ist gegenüber einer Aktie sogar reduziert, weil Anleger mit einem Discount zum Indexstand einsteigen. Nachteil ist allerdings, dass die Gewinnchancen begrenzt ist.

Zum Aktienanteil sollten allerdings keine aktiven Aktienfonds zählen. Sie haben im Vergleich zu ETFs und Indexzertifikaten Nachteile, da ihre Kosten in der Regel höher sind, manche Fonds verlangen zudem eine erfolgsabhängige Gebühr. Außerdem schaffen die wenigsten aktiven Fonds über einen längeren Zeitraum eine bessere Performance zu erzielen als der zugrundeliegende Index.

Das Corona-Depot lässt sich also einfach mit US-Staatsanleihen und Gold als defensiven Teil und mit ausgewählten Aktien und Indizes als offensiven Teil gestalten. So übersteht das Corona-Depot die aktuellen Turbulenzen, nur sollten Anleger bei der Renditevorstellung realistisch sein: Langfristig lassen sich am Aktienmarkt Renditen von sechs bis sieben Prozent erzielen.

Benjamin Feingold betreibt das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an.

Quelle: ntv.de