"Werden jedes Schiff verbrennen"So zentral ist die Straße von Hormus für die Energieversorgung
Von Jan Gänger und Martin Morcinek (Grafiken)
Der Iran kontrolliert die für die Schifffahrt wichtige Straße von Hormus und hat sie faktisch geschlossen. Ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion wird in der Regel über diese Handelsroute transportiert - der Ölpreis schießt nach oben.
Wegen des Iran-Krieges ist die Straße von Hormus faktisch geschlossen. Der Seeweg ist eine der bedeutendsten Routen für den weltweiten Ölexport. Der Schiffsverkehr ist nahezu zum Erliegen gekommen.
Die Meerenge befindet sich zwischen dem Oman und dem Iran. Sie verbindet den Persischen Golf im Norden mit dem Golf von Oman im Süden und dem Arabischen Meer. An ihrer engsten Stelle ist sie 33 Kilometer breit. Die schiffbaren Passagen in beide Richtungen sind nur drei Kilometer breit. Am Persischen Golf liegen bedeutende Ölförderländer, neben dem Iran sind das Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).
Da die Route so eng ist, kann der Iran sie leicht blockieren. Die iranischen Revolutionsgarden hatten am Wochenende nach dem Beginn der US-israelischen Angriffe auf das Land die Sperrung der Meerenge verkündet. Ein General der Revolutionsgarden drohte, "jedes Schiff" zu "verbrennen", das die Straße von Hormus passieren wolle.
In Funksprüchen werden Schiffe vom Iran außerdem aufgefordert, das Gewässer nicht zu durchfahren. Andernfalls würden sie geentert. Hunderte Frachter, darunter Öl- und Gastanker, liegen in den umliegenden Gewässern vor Anker.
Zuvor waren bereits mehrere Schiffe in der Meerenge von Geschossen getroffen worden. Als Reaktion auf die Angriffe Israels und der USA attackiert der Iran seit vergangenem Samstag Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Golfregion.
Ölpreis schießt nach oben
Fast ein Fünftel des weltweit verbrauchten Öls wird durch die Meerenge transportiert. Im vergangenen Jahr passierten den Daten der Analysefirma Vortexa zufolge täglich durchschnittlich mehr als 20 Millionen Barrel Rohöl die Meerenge.
Die Opec-Mitglieder Saudi-Arabien, Iran, die VAE, Kuwait und der Irak exportieren den größten Teil ihres Rohöls über die Straße von Hormus. Der überwiegende Teil davon geht in Richtung China, Indien und in andere asiatische Länder.
Auch etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssiggashandels laufen durch die Meerenge. Katar, einer der weltgrößten Exporteure von Flüssigerdgas (LNG), verschifft fast sein gesamtes LNG auf diesem Weg.
Eine ausreichend große Alternative für den Transport durch die Straße von Hormus gibt es nicht. Es gibt aber Pipelines, etwa durch Saudi-Arabien zum Roten Meer und eine der VAE zum Golf von Oman. Die Pipelines können nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur bei einer Blockade etwa ein Viertel der durchschnittlichen Ölmenge aufnehmen, die sonst in Tankern den Golf verlassen würde. Anders als andere Förderländer hat der Iran keine solche Alternative zur Straße von Hormus.
"Die schiere Menge an Öl, die über die Straße von Hormus exportiert wird, und die begrenzten Möglichkeiten, sie zu umgehen, bedeuten, dass jede Unterbrechung der Ölströme enorme Folgen für die weltweiten Ölmärkte hätte", warnt die Agentur. Bei längerer Unterbrechung seien signifikante Preisanstiege unvermeidlich und sogar Engpässe zu erwarten. Die Beeinträchtigung der Schifffahrt durch die Meerenge hat sich bereits auf den Ölpreis ausgewirkt: Er ist seit Kriegsbeginn um rund elf Prozent nach oben geschossen.