Wirtschaft

Sorge vor InflationsschubZentralbanken stehen diese Woche vor schwieriger Abwägung

17.03.2026, 18:27 Uhr
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In Frankfurt am Main sah sich die EZB in den vergangenen Monaten gut positioniert, um die Teuerung in der Eurozone im Zielkorridor von rund zwei Prozent zu halten. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran und die Vergeltungsschläge Teherans schüren Inflationssorgen. Diese Woche wollen sich die Notenbanken äußern. Beobachter rechnen vorerst nicht mit abrupten Richtungsänderungen.

Mit zunehmender Dauer des Iran-Krieges kommen die Inflationssorgen zurück - und rücken damit auch die geldpolitischen Entscheidungen der Notenbanken ins Rampenlicht. Neben der Federal Reserve (Fed) in den USA am Mittwoch äußern sich am Donnerstag auch der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Bank of England sowie die japanische Zentralbank dazu. Dabei dürften die Auswirkungen des Krieges auf Konjunktur und Verbraucherpreise besonders im Fokus stehen.

In Frankfurt am Main sah sich die EZB in den vergangenen Monaten gut positioniert, um die Teuerung in der Eurozone im Zielkorridor von rund zwei Prozent zu halten. Doch mit den Angriffen der USA und Israels auf den Iran und den Vergeltungsangriffen Teherans in der für die weltweite Öl- und Gasversorgung wichtigen Golfregion sind die Energiemärkte in erhebliche Turbulenzen geraten.

Dass dies die Inflation anheizen dürfte, zeigte sich bereits an den Zapfsäulen. Zugleich ist noch die Erinnerung an das Jahr 2022 wach, als der Energiepreisschock nach dem russischen Angriff auf die Ukraine die Inflation in Deutschland im Jahresschnitt auf fast sieben Prozent katapultiert hatte. Damals hatte es Kritik daran gegeben, dass die EZB zu zögerlich auf die steigenden Verbraucherpreise reagiert und zu spät die Abkehr von ihrem Nullzinskurs eingeläutet habe.

Es folgten starke Zinserhöhungen bis Oktober 2023, seitdem haben die Euronotenbanker die Zinsen wieder schrittweise gesenkt. Im vergangenen Sommer schwenkten sie auf den aktuell abwartenden Kurs ein. Nach Einschätzung von Beobachtern ist dennoch am Donnerstag von der EZB vorerst keine abrupte Richtungsänderung hin zu einer wieder strafferen Geldpolitik zu erwarten.

Die Zentralbank werde betonen wollen, dass sie "nicht in Panik" gerate, erwartet etwa der Ökonom Jack Allen-Reynolds von Capital Economics. Deshalb werde die EZB "nicht voreilig auf die Energiepreisbewegungen reagieren". Diese seien zwar "sehr extrem, aber auch sehr volatil". Noch sei unklar, wie sich dies mittel- oder langfristig auf die Inflation auswirke. Auch die Analysten von Unicredit gehen davon aus, "dass die meisten Zentralbanken dieses Mal abwarten und die Auswirkungen des sprunghaften Anstiegs der Energiepreise auf die Inflation bewerten werden".

Auch mit Blick auf die Fed in den USA wird erwartet, dass die Notenbanker die Leitzinsen am Mittwoch unverändert lassen. Allerdings befinde sich die Fed "in einer sehr schwierigen Lage", erläuterte Ökonomin Nicole Cervi von Wells Fargo. Denn anders als bei der EZB, deren oberstes Mandat es ist, die Preisstabilität in der Eurozone zu gewährleisten, sehen die Aufgaben der Fed auch die Sicherung eines möglichst hohen Beschäftigungsstandes vor.

Zuletzt mehrten sich Anzeichen für eine Abschwächung des US-Arbeitsmarktes. Dies spricht für Zinssenkungen zur Ankurbelung der Wirtschaft. Doch zeitgleich liegt auch die Inflation bereits jetzt oberhalb des Zielwerts.

In Großbritannien wiederum hatten Anleger zuletzt auf weitere Zinssenkungen in diesem Jahr gesetzt, da die hartnäckige Inflation nachgelassen hatte. Nun droht sie aber wegen des Iran-Krieges wieder zu steigen. Auch hier wird nun erwartet, dass es vorerst keine Leitzinsänderungen gibt.

"Der Angriff auf den Iran und der damit einhergehende Anstieg der Energiepreise zwingen die EZB, wie auch andere Zentralbanken, zu einer schwierigen Abwägung", erklärte der Chefvolkswirt der staatlichen Förderbank KfW, Dirk Schumacher. "Unumgänglich" sei eine Straffung der Geldpolitik allerdings erst, "wenn über Zweitrundeneffekte eine sich selbstverstärkende Dynamik ins Rollen kommt". Dies hänge entscheidend von der Stärke und Dauer des Energiepreisschocks ab.

Für den Moment sei die Dauer des Anstiegs "zu gering und die Datenlage zu uneindeutig, um die EZB schon jetzt zu einer geldpolitischen Reaktion zu zwingen", erklärte Schumacher. Allerdings werde die EZB "keinen Zweifel an ihrer grundsätzlichen Bereitschaft zu einer Straffung des geldpolitischen Kurses lassen, sollte dies notwendig werden".

Quelle: ntv.de, Sam Reeves, AFP

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