Wirtschaft

Akute Kapitalnot der Banken Spanien ächzt

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Miese Stimmung an der Madrider Börse.

(Foto: REUTERS)

Die Probleme Spaniens mit seinen Banken werden immer größer. Die Rendite für zehnjährige spanische Anleihen steigen auf den höchsten Stand seit November. Notenbank-Chef Fernandez Ordonez tritt bereits am 10. Juni zurück. Dennoch will die Regierung von Ministerpräsident Rajoy die sehr komplizierte Situation aus eigener Kraft bewältigen.

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Die eskalierenden Bankenprobleme werden zu einer immer größeren Last für Spaniens Staatsfinanzen. Die neue Kapitalhilfe von über 19 Milliarden Euro für die Bankia-Mutter BFA schreibt Miese wolle das Land über neue Schulden aufbringen, hieß es in Madrider Regierungskreisen. Zudem werde wohl am Freitag ein Mechanismus geschaffen, um die Kreditaufnahme der spanischen Regionen zu zentralisieren und zu kontrollieren.

Die EU-Kommission bestätigte in Brüssel, mit Spanien über die Bemühungen zur Bankia-Rettung in Kontakt zu stehen. Informationen über konkretere Pläne lägen aber noch nicht vor. Die Rendite für zehnjährige spanische Anleihen stieg auf 6,53 Prozent und damit den höchsten Stand seit November - ein Niveau, das dauerhaft für Spanien kaum zu tragen ist. Den Euro drückte die Krise auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren.

Angesichts der massiven Probleme im Bankensektor, die vor allem auf eine geplatzte Preisblase am Immobilienmarkt zurückgehen, bezweifeln viele Experten, dass Spanien auf Dauer ohne Unterstützung der Euro-Partner auskommen kann. Bislang erklärt die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy allerdings immer wieder, sie wolle Spanien in der Bankenkrise . In dieser heiklen Phase, steht nun auch überraschend ein früherer Wechsel an der Notenbankspitze an. Die Bank von Spanien kündigte an, Gouverneur Miguel Angel Fernandez Ordonez werde bereits am 10. Juni und damit einen Monat früher als bislang geplant zurücktreten.

Die Furcht vor einer Verschärfung der Krise in Spanien drückte den Euro am späten Nachmittag aber Euro klar unter 1,25 Dollar - der tiefste Stand seit Anfang Juli 2010. Händler verwiesen auf die Herunterstufung des Landes durch die kleinere Ratingagentur Egan-Jones. Bereits zum dritten Mal innerhalb eines Monates senkte sie die Bonitätsnote. Die drei führenden Agenturen Moody's, Fitch sowie Standard & Poor's hegen ebenfalls Zweifel an der Fähigkeit Spaniens, seine Schulden sicher zurückzuzahlen und haben allesamt einen negativen Ausblick für ihre Bewertungen. Etliche Investoren äußern inzwischen Zweifel, dass es Spanien gelingt, die vielen Kapitallücken der Banken ohne Hilfe von außen zu schließen. Andererseits gibt es aber auch etliche Börsenexperten, die genau darauf setzen. "Im Moment gehen wir davon aus, dass Spanien es ohne Inanspruchnahme des Rettungsfonds schafft", sagte der Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus, Stefan Schilbe.

An der Börse in Madrid setzten die Bankia-Papiere ihre Talfahrt fort. Die Aktien verloren mehr als 16 Prozent. Am Pfingstmontag waren sie zeitweise bereits um 30 Prozent abgestürzt. Das angeschlagene Finanzinstitut entpuppt sich für die Regierung zunehmend als Fass ohne Boden. Am vergangenen Freitag beantragte es über die schon zuvor gezahlte Barhilfe von 4,5 Milliarden Euro hinaus weitere 19 Milliarden Euro vom Staat. Die Muttergesellschaft BFA musste nun zudem für das vergangene Jahr einen Verlust von 3,3 Milliarden Euro statt eines Gewinns von 41 Millionen Euro einräumen.

Regionalbanken vor Fusion

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny machte in Belgrad deutlich, es liege in der Verantwortung der nationalen Regierungen und nicht der EZB, in Not gekommenen Banken zu helfen. Die Aufgabe der Notenbank bewege sich im Bereich der Liquiditätsversorgung, nicht der Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit von Banken, sagte der Österreicher.

Unterdessen bahnt sich in Spanien ein Zusammenschluss von drei regionalen Kreditinstituten an, die alle unter der Last von unsicheren Immobilienengagements von zusammen knapp zwölf Milliarden Euro ächzen. Es geht um die nicht an der Börse notierten Geldhäuser Liberbank, Ibercaja und Caja 3. In separaten Erklärungen an die Börsenaufsicht kündigten sie an, dass ihre Gremien sich mit einem Zusammenschluss befassen. Bei einer Fusion entstünde das siebtgrößte Finanzinstitut des Landes.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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