Wirtschaft

Trotz Milliardenverlust Spotifys Börsengang mischt Wall Street auf

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Beim Börsengang wollen die Schweden kein frisches Geld einsammeln.

(Foto: imago/xim.gs)

Im Gegensatz zu anderen Tech-Konzernen findet Spotify auf einem eher ungewöhnlichen Weg an die Börse - und riskiert damit erhebliche Kursschwankungen. Auch frisches Kapital können die Schweden so nicht einsammeln. Doch ihr Finanzmarktdebüt bringt auch Vorteile.

"Das traditionelle Modell, ein Unternehmen an die Börse zu bringen, passt nicht zu uns, sagt Spotify-Gründer Daniel Ek und versichert: "Sie werden uns nicht sehen, wie wir eine Glocke läuten oder Partys feiern." Der Schritt sei auch keine "pompöse" Sache. Das dürften viele Anleger allerdings anders sehen, denn der Börsengang des Musik-Streamingdienstes gilt als einer der größten in der Technologiebranche.

Ab Dienstag werden die Aktien unter dem Kürzel "SPOT" an der New York Stock Exchange (NYSE) gehandelt. Diese Börsen-Premiere begehen Spotify-Chef Ek und Mitgründer Martin Lorentzon mit einer so genannten Direktplatzierung. Sie ist wesentlich unkomplizierter und billiger als ein klassischer Börsengang. Das Unternehmen lässt sich dabei zwar von Investmentbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley beraten, doch die ansonsten im Vorfeld übliche Aktienzuteilung an neue Investoren und das dazugehörige Preisbildungsverfahren entfallen. Am Tag der Erstnotierung entscheiden Kauf- und Verkaufsangebote über den Startpreis der Aktie.

Anstatt neue Aktien auszugeben, wird der Streamingdienst lediglich bestehende Anteile in Umlauf bringen. Dieses Verfahren erleichtert es Gründern und Investoren, die Kontrolle über das Unternehmen zu behalten. "Zusätzlich ist solch ein Börsengang wesentlich günstiger, weil Emmissionsbanken, die einen Preis festsetzen und diesen im Zweifel durch Aktienkäufe auch stützen, wegfallen", sagt Analyst Gregor Kuhn von der Bernstein Bank im Gespräch mit n-tv.de. Experten rechnen damit, dass der Börsengang das Startup schätzungsweise 35 bis 40 Millionen Euro kosten wird. Ein Nachteil: Spotify kann mit seinem Börsengang kein frisches Kapital einsammeln. Außerdem kann der Aktienkurs extremen Schwankungen ausgesetzt sein.

Gewinne nicht in Sicht

Doch die Prioritäten bei dem Musik-Streamingdienst sind längst klar: Auch in Zukunft wolle das Unternehmen weiter auf Wachstum statt auf Gewinne setzen, machte Finanzchef Barry McCarthy in einer Internet-Präsentation für potentielle Investoren deutlich. Das schwedische Unternehmen hat seit seiner Gründung vor zwölf Jahren noch nie schwarze Zahlen geschrieben.

Im vergangenen Jahr ist es dem Unternehmen aus Schweden immerhin gelungen, den Umsatz im Jahresvergleich um fast 39 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zu steigern. Doch zeitgleich nahm auch der Verlust des Unternehmens von 539 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro zu. Im laufenden Jahr soll er geringer ausfallen, der Umsatz soll derweil auf mehr als 5,3 Milliarden Euro steigen.

"Auch andere Unternehmen im Technologiesektor haben große Verluste verzeichnet. Perspektive und Erwartungshaltung sind hier das entscheidende Kriterium", sagt Analyst Kuhn. Die Verluste seien nicht zuletzt hohen Investitionen in Marketing, Lizenzen und Autorenrechte geschuldet. "Das drückt auf die Margen." Andererseits gebe es auch hohe Eintrittsbarrieren für andere Marktteilnehmer.

Momentan wird Spotify nach der jüngsten Finanzierungsrunde von Analysten mit rund 20 Milliarden Dollar bewertet. Nach eigenen Angaben sind bei dem Streaming-Dienst 159 Millionen aktive Nutzer angemeldet. Davon sind 71 Millionen zahlende Abonnenten, die anderen nutzen eine werbefinanzierte Version. Spotify vereinigt 40 Prozent Marktanteil auf sich, ist damit der weltweit erfolgreichste Musik-Streamingdienst und lässt Apple mit 38 Millionen zahlenden Kunden weit hinter sich. Bis zum Ende dieses Jahres will Spotify rund 200 Millionen Nutzer haben. Die Zahl der Abo-Kunden soll sich auf 92 bis 96 Millionen erhöhen.

Ek könnte ordentlich Kasse machen

Spotify-Chef Ek könnte den Börsengang seines Unternehmens also nutzen, um Kasse zu machen und Milliardär zu werden. Am Handelsplatz NYSE können derzeitige Anteilseigner laut US-Börsenaufsicht SEC 55,7 Millionen Stammaktien verkaufen, Ek selbst sei in der Lage bis zu 15,8 Millionen Aktien auf den Markt zu werfen.

Sein Paket ist, gemessen an den am Privatmarkt bisher verlangten Preisen, zwischen 775 Millionen Dollar und zwei Milliarden Dollar wert. Zum jetzigen Zeitpunkt halten der Schwede und sein Mitgründer Lorentzon mehr als 80 Prozent der Stimmrechte. "Ich glaube nicht, dass Ek seine Anteile komplett zum privaten Vorteil verkaufen wird. Er hat ein Interesse daran, das Unternehmen, das er groß gemacht hat, zu halten", sagt allerdings Analyst Kuhn. Der Verkauf seiner Anteile wäre gegenüber Mitarbeitern und Aktionären alles andere als eine vertrauensbildende Maßnahme. "Das wäre einfach kein kluger Schachzug."

Quelle: ntv.de, mit DJ/rts