Wirtschaft

Angaben zu verschollenem BruderStaatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Tengelmann-Chef

19.05.2026, 10:28 Uhr
00:00 / 03:31
Christian-Wilhelm-Erich-Haub-deutsch-amerikanischer-Unternehmer-und-Vorstandsvorsitzender-der-Tengelmann-Group-spricht-auf-der-Innovationskonferenz-Digital-Life-Design-DLD-Die-DLD-ist-eine-Konferenz-ueber-Internet-Trends-und-Entwicklungen-der-Digitalisierung
Christian Haub hatte bestritten, belastbare Hinweise für ein Fortleben seines Bruders zu haben. (Foto: picture alliance/dpa)

Nach dem Verschwinden des früheren Tengelmann-Patriarchen Karl-Erivan Haub hält sich die Theorie, er sei noch am Leben. Gegen seinen Bruder, der jetzt an der Unternehmensspitze steht, wird ermittelt. Der Verdacht: eine falsche eidesstattliche Erklärung.

Die Staatsanwaltschaft Köln hat Anklage gegen Tengelmann-Inhaber Christian Haub erhoben. Der Vorgang steht im Zusammenhang mit dem Verschwinden seines Bruders Karl-Erivan Haub, dem früheren Tengelmann-Chef. Christian Haub wird vorgeworfen, 2021 im Verschollenheitsverfahren um seinen Bruder eine falsche Versicherung an Eides statt abgegeben zu haben.

Ein Sprecher des Landgerichts Köln bestätigte den Eingang der Anklageschrift vom 13. April, ohne den Namen des Beschuldigten zu nennen. Mark Binz, der Anwalt von Christian Haub, äußerte sich auf Nachfrage nicht zu dem Vorgang. Eine Sprecherin von Tengelmann teilte mit: "Das ist eine private Angelegenheit von Herrn Haub, daher nehmen wir unternehmensseitig keine Stellung."

Das Schicksal des einstigen Tengelmann-Patriarchen Karl-Erivan Haub gehört zu den großen Mysterien der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte. Haub verschwand im April 2018 spurlos auf dem Weg zu einer Skitour in den Schweizer Alpen. Trotz intensiver Suche wurden weder seine Leiche noch Ausrüstung gefunden. 2021 erklärte ihn das Amtsgericht Köln für tot. Dennoch halten sich hartnäckig Theorien, Haub könnte sein Verschwinden inszeniert haben und in Russland leben.

Vor einem Jahr veröffentlichten Medien Fotos aus Überwachungskameras in Moskau, die Karl-Erivan Haub im Februar 2021 zeigen sollen. Berichten zufolge soll Christian Haub damals eingeräumt haben, Kenntnisse über Fotos zu haben, die angeblich seinen vermissten Bruder in Moskau zeigen.

Die Fotos sowie Gutachten über die Gesichtsmerkmale auf den Bildern gingen laut "Manager Magazin" damals an die Staatsanwaltschaft Köln. Zuvor hatte Christian Haub jahrelang bestritten, belastbare Hinweise für ein Fortleben seines Bruders zu haben. In diesem Zusammenhang ermittelte die Staatsanwaltschaft seit April 2024 gegen Christian Haub. Ihm wurde vorgeworfen, dass ihm entgegen seinen Angaben, "belastbare Hinweise" vorgelegen hätten, "dass der Verschollene Karl-Erivan Haub noch leben könnte". Christian Haubs Anwalt wies den Vorwurf unrichtiger Angaben damals zurück.

Gericht prüft, ob hinreichender Tatverdacht besteht

Es kam zu Hausdurchsuchungen und der Beschlagnahme von technischen Geräten. Grund für die Ermittlungen war eine Anzeige der RTL-Journalistin Liv von Boetticher wegen des Verdachts einer falschen Versicherung an Eides statt. 

Im laufenden Zwischenverfahren prüft das Gericht nun, ob ein hinreichender Tatverdacht besteht und die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird. Erst danach kann das Hauptverfahren eröffnet werden. Einen Zeitrahmen für die Entscheidung nannte der Gerichtssprecher nicht.

Nach dem Verschwinden seines Bruders Karl-Erivan Haub hatte Christian Haub die alleinige Geschäftsführung des milliardenschweren Handelskonzerns übernommen, zu dem unter anderem der Textil-Discounter Kik und die Baumarktkette Obi gehören.

Quelle: ntv.de, chl/dpa/DJ

TengelmannStaatsanwaltschaftKöln