Wirtschaft

Verdacht der Marktmanipulation Staatsanwaltschaft rückt bei Wirecard ein

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Wirecard ist im Zentrum staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Zahlungsdienstleister Wirecard ist wegen des Verdachts auf Marktmanipulation ins Visier der Ermittler geraten. Die Staatsanwaltschaft München I ließ Geschäftsräume am Stammsitz des Dax-Konzerns im Münchener Vorort Aschheim durchsuchen, wie eine Sprecherin sagte. Auslöser sei eine Strafanzeige der Finanzaufsicht BaFin.

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Der Verdacht beruht demnach darauf, dass die Verantwortlichen von Wirecard am 12. März und am 22. April "irreführende Signale für den Börsenpreis der Aktien der Wirecard AG gegeben haben könnten", sagte eine BaFin-Sprecherin. Die Staatsanwaltschaft München I habe ein Verfahren gegen den gesamten Vorstand, also vier Beschuldigte, eingeleitet. Zum Ergebnis dieser Durchsuchung und weiteren Schritten könne die Finanzaufsicht derzeit keine weiteren Angaben machen - "auch um keinesfalls Einfluss auf den Aktienkurs des Unternehmens zu nehmen".

Wirecard erklärte, die Ermittlungen richteten sich nicht gegen die Gesellschaft, sondern gegen ihre Vorstandsmitglieder. Das Unternehmen kooperiere mit den Ermittlungsbehörden. Die Aktien von Wirecard sackten im nachbörslichen Handel deutlich ab.

Hintergrund sind laut "Handelsblatt" die vielen Verschiebungen des Jahresabschlusses von Wirecard und die damit einhergehenden Ad-hoc-Mitteilungen des Konzerns. Wirecard hatte ursprünglich geplant, seinen Geschäftsabschluss am 8. April zu veröffentlichen. Im März war dieser Termin auf den 30. April verschoben worden, Ende April dann auf den 4. Juni. Auch dieser Termin ließ sich nicht einhalten. Nun peilt Wirecard laut "Handelsblatt" eine Veröffentlichung für den 18. Juni an.

Wirecard stand seit seiner Gründung 1999 immer wieder im Zentrum von Aktienspekulationen. Anfang 2019 standen sogar schwere Betrugsvorwürfe im Raum. Die britische "Financial Times" berichtete wiederholt über vorgetäuschte Umsätze und gefälschte Verträge bei Wirecard in Singapur. Wirecard wies die Anschuldigungen stets als verleumderisch zurück. Wegen der Berichte ging die Aktie auf Achterbahnfahrt.

Wirecard war 1999 gegründet worden und konzentrierte sich schnell auf den Zahlungsverkehr im Internet. Zu den ersten Kunden gehörten vor allem Kasinos und Porno-Seiten, weil sie früh auf den Onlinehandel setzten. Seitdem sind aber viele Kunden aus anderen Branchen hinzugekommen. Die Firma bekommt eine Provision dafür, dass sie Geld vom Endkunden an den Anbieter weiterleitet. Dabei übernimmt sie eine Garantie für Zahlungsausfälle.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/AFP