Wirtschaft

Milliardendeal steht Stada pokert "erstaunlich hoch"

Der Übernahmekampf um den Grippostad-Hersteller Stada ist beendet. Mit einem nochmals erhöhten Preis erhalten zwei Finanzinvestoren den Segen der Unternehmensführung. Die Anleger freut's - wieder einmal.

Der Bieterwettstreit um den Arzneimittelkonzern Stada hat einen Sieger gefunden: Die Unternehmensführung unterstützt das Angebot von Bain Capital und Cinven, das die beiden Finanzinvestoren um fast 13 Prozent auf 66 Euro inklusive Dividende aufgestockt haben. Vorstand und Aufsichtsrat des MDax-Unternehmens seien "nach eingehender Prüfung" zu der Einschätzung gelangt, dass dies im besten Interesse des Unternehmens und der Aktionäre sei, hieß es.

Der Stada-Kurs sprangen 10,5 Prozent, lag aber noch unter der 66 Euro-Marke. "Stada gehen ab wie ein Zäpfchen", kommentierte n-tv-Borsenexperte Frank Meyer. Die Titel waren mit Abstand größter Gewinner im Nebenwerteindex. Allerdings: Mit Abschluss des Deals dürfte der letzte, bislang noch unabhängige deutsche Generikahersteller in Deutschland vom Börsenzettel verschwinden.

66 Euro statt 62 Euro

Als "erstaunlich hoch" bezeichnete ein Händler das Übernahmeangebot. "Die höchsten Schätzungen am Markt lagen bei 60 bis maximal 62 Euro." Für eine nichtstrategische Akquisition sei diese Prämie überraschend hoch. Möglicherweise wollten die beiden Finanzinvestoren einem strategischen Investor damit zuvorkommen.

Stada hatte von zwei Bieterkonsortien jeweils rechtlich bindende Angebote erhalten. Die zweite Offerte der Finanzinvestoren Advent und Permira dürfte nun jedoch vom Tisch sein, da beide Konsortien die Zustimmung des Vorstands zur Bedingung für die Unterbreitung eines öffentlichen Übernahmeangebots gemacht hatten.  "Bestes Gesamtpaket"

"Das Angebot von Bain Capital und Cinven bietet das beste Gesamtpaket", erklärte Aufsichtsratschef Ferdinand Oetker in einer Mitteilung. "Neben dem höchsten Preis konnten wir auch umfangreiche Schutzbestimmungen insbesondere für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreichen und eine zukunftsgerichtete Wachstumsstrategie auf den Weg bringen", sagte Oetker mit Blick auf die Verhandlungen, die die Unternehmensführung in den vergangenen Wochen mit den Interessenten geführt hatte.

Die Angebotsunterlage werde nach ihrer Veröffentlichung nochmals eingehend geprüft. Vorstand und Aufsichtsrat gehen "aus heutiger Sicht" aber davon aus, dass beide Gremien den Aktionärinnen die Annahme des Angebots empfehlen werden.

Global eigenständig?

Beide Bieterkonsortien hatten Berichten zufolge zunächst 58 Euro je Aktie geboten, zuzüglich der Dividende in Höhe von voraussichtlich 0,72 Euro, die während der laufenden Angebotsfrist ausgezahlt werden dürfte. Bain Capital und Cinven offerieren der Mitteilung zufolge nun 65,28 Euro plus Dividende, was sich auf einen Gesamtwert von 66 Euro je Stada-Aktie summiert. Dies sei das finanziell attraktivste Angebot und entspreche einer Prämie von etwa 48,9 Prozent auf den Schlusskurs am 9. Dezember 2016, ehe die ersten konkreten Übernahmegerüchte aufkamen.

Die Offerte von insgesamt 66 Euro je Aktie bewerte Stada mit einem Eigenkapitalwert von ungefähr 4,11 Milliarden Euro und einem Unternehmenswert einschließlich Schulden von rund 5,32 Milliarden Euro.

Eine am Montag außerdem unterzeichnete Investorenvereinbarung sehe vor, dass sie Stadas Position als global tätiges Pharmaunternehmen stärken, seine Wachstumsstrategie unterstützen und so zu einer langfristigen Steigerung des Unternehmenswerts beitragen werde. Auch sicherten die Finanzinvestoren zu, mögliche Akquisitionen zum Ausbau des Produktportfolios und der Erschließung neuer Wachstumsmärkte finanziell und strategisch zu unterstützen, wie Stada weiter mitteilte.

Am Standort der Unternehmenszentrale in Bad Vilbel sowie den Standorte der wesentlichen Geschäftsbereiche soll sich nichts ändern und bestehende Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge sollen weitergeführt werden. Zusätzlich haben sich Bain Capital und Cinven im Grundsatz zu einem weitgehenden Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen für vier Jahre bereit erklärt.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ

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