Wirtschaft

Chaos in der Konzernbilanz Steinhoff meldet neue Zweifel an

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Handelskonzern mit Möbelhäusern, Discount-Läden und Ein-Pfund-Shops: Die Kette "Poundland" gehört ebenso zu Steinhoff wie die Möbelgeschäfte "Poco".

(Foto: REUTERS)

Der Bilanzskandal im MDax weitet sich aus: Der deutsch-südafrikanische Handelskonzern Steinhoff muss nun auch seine Kennziffern aus dem Jahr 2015 zurückziehen. Die Ratingagentur Moody's warnt vor wachsenden Problemen.

Der Handelskonzern Steinhoff International muss im Zuge des Bilanzskandals auch die Zahlen für das Jahr 2015 neu ausweisen. Die Überprüfung der Bilanzen zusammen mit dem Wirtschaftsprüfer PWC schreite voran, und es sei weiterhin unklar, wie lange die Aufarbeitung des Skandals dauern werde, teilte das deutsch-südafrikanische Unternehmen mit. Klar sei aber, dass neben den 2016er Bilanzen auch den Zahlen für das Jahr 2015 nicht mehr vertraut werden könne. Diese beziehen sich auf das Vorgängerunternehmen des jetzigen MDax-Konzerns, die Steinhoff International Holdings Proprietary Limited.

Steinhoff
Steinhoff ,05

Mit der Neuberechnung der Bilanzdaten 2015 will Steinhoff offiziell zu einer "besseren Vergleichbarkeit" der neugefassten Bilanz 2016 beitragen. Dafür müssten auch die Ergebniskennziffern für 2015 überarbeitet werden, hieß es. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass das Chaos in der Konzernbilanz nicht erst 2016 aufgetreten ist.

Das ganze Ausmaß der Unregelmäßigkeiten ist noch immer unklar. Schon jetzt fühlen sich Analysten und Investoren getäuscht. Ob Anleger vorsätzlich in die Irre geführt wurden, müssen die zuständigen Aufsichtsbehörden klären. In Deutschland laufen gegen Steinhoff bereits seit zwei Jahren Ermittlungen wegen möglicher Bilanzfälschungen.

An der Börse zog der Kurs der Steinhoff-Aktie zum Jahresauftakt kräftig an. Mit einem Plus von zeitweise mehr als 10 Prozent führt Steinhoff die Liste der Tagesgewinner im MDax an. Die Aktie, die in den vergangenen vier Wochen mehr als 90 Prozent an Wert eingebüßt hatte, verteuert sich durch den Kurssprung auf niedrigem Niveau allerdings nur auf gut 35 Cent.

Anfang Dezember - als der Steinhoff-Kurs noch bei 3,5 Euro lag - hatte das Unternehmen überraschend angekündigt, aufgrund von Ungereimtheiten die Bilanz für das 2016 beendete Geschäftsjahr überprüfen zu müssen. Daraufhin stürzte der Aktienkurs dramatisch ab. Neben der Neuberechnung der Bilanz für 2015 kündigte der Möbelhändler nun auch an, neue Zahlen für einige Tochterunternehmen auszuweisen. Bei der Steinhoff International Holdings Proprietary Limited würden wahrscheinlich auch die Jahre vor 2015 überarbeitet werden müssen, hieß es.

Die Steinhoff International Holdings NV hatte vergangenes Jahr die Vorlage ihres Konzernabschlusses auf unbestimmte Zeit verschoben. Den geprüften Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2016/2017 will Steinhoff erst dann veröffentlichen, wenn das Unternehmen sich dazu in der Lage sieht - und externe Buchprüfer Grünes Licht geben.

Dramatische Kursverluste bei Steinhoff

Der Bilanzskandal führte bereits zu einer Serie an Rücktritten. Unter anderem mussten Steinhoff-Chef Markus Jooste und der Chefkontrolleur ihren Hut nehmen. An der Börse verlor die Steinhoff-Aktie rasant an Wert. Ob es dabei auch zu strafrechtlich relevanten Verfehlungen kam, ist noch unklar.

Für das Unternehmen hat der Skandal jedoch schon jetzt ernste Folgen: Ende Dezember senkte die Ratingagentur Moody's die Bonitätsbewertung des MDax-Unternehmens drastisch ab. Nach Bekanntwerden der Bilanzprobleme liegt Steinhoff im Rating jetzt auf der Notenstufe "Caa1". Die Note liegt in der Rating-Systematik von Moody's nahe der Einstufung für den Fall eines akuten Zahlungsausfalls. Die Analysten sprachen von einem "wachsenden Druck auf das Liquiditätsprofil" des Unternehmens. In den vergangenen Wochen hätten mehrere Geldgeber ihre Kreditlinien für Steinhoff zurückgezogen.

Quelle: ntv.de, mmo/DJ