Wirtschaft
Konzernmutter in Schwierigkeiten: In Deutschland ist Steinhoff mit "Poco" aktiv.
Konzernmutter in Schwierigkeiten: In Deutschland ist Steinhoff mit "Poco" aktiv.(Foto: © poco.de)
Mittwoch, 06. Dezember 2017

Neue Zweifel an den Zahlen: Steinhoff wirft den Chef raus

In der Konzernzentrale von Steinhoff brennt die Luft: Prüfer entdecken in den Büchern des Unternehmens Hinweise auf weitere fragwürdige Zahlen. Der Aufsichtsrat bemüht sich um Schadenbegrenzung. Der Aktienkurs sackt zum Auftakt um 56 Prozent ab.

Der Chef des deutsch-südafrikanischen Einzelhandelskonzerns Steinhoff muss nach neuen Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten seinen Hut nehmen. Konzernchef Markus Jooste habe seinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung angeboten, teilte der Konzern am späten Dienstagabend mit. Der Aufsichtsrat habe dies "akzeptiert". Aufsichtsratschef Christo Wiese werde den Konzern nun übergangsweise führen, teilte Steinhoff weiter mit.

Das Unternehmen kündigte für diesen Mittwoch die kurzfristig angesetzte Vorlage ungeprüfter, vorläufiger Kennziffern ab. Der Grund für diese ungewöhnliche Maßnahme dürfte Anlegern und Analysten sauer aufstoßen: Es seien neue Informationen über Unregelmäßigkeiten bekanntgeworden, hieß es. Diese erforderten weitere Untersuchungen. Die Prüfgesellschaft PwC solle eine unabhängige Untersuchung übernehmen. Wann endgültige, geprüfte Zahlen für 2017 vorgelegt werden können und ob Anpassungen der Vorjahre vorgenommen werden müssen, blieb zunächst offen.

Der Aufsichtsrat bemühte sich darum, den Schaden zu begrenzen. An die Anleger gerichtet hieß es, das Gremium könne versichern, dass "Steinhoff weiterhin weltweit zahlreiche profitable High-Quality-Unternehmen" betreibe. Mit Blick auf die erwartbaren Kursausschläge rieten die Aufseher Händler und Investoren zur Vorsicht.

Die neuen Entwicklungen bei Steinhoff wirkten sich massiv auf den Aktienkurs aus: Am Vorabend gaben die Aktien nachbörslich bereits um mehr als fünf Prozent nach. Am Morgen lagen die Steinhoff-Papiere im vorbörslichen Handel zeitweise gut 47 Prozent im Minus. Kurz nach dem Start in den regulären Handel notierten die Steinhoff-Aktien an der Frankfurter Börse tiefrote 56 Prozent im Minus bei 1,32 Euro.

Verdacht auf Bilanzfälschung

Ganz neu und überraschend kommen die schlechten Nachrichten für Steinhoff-Aktionäre allerdings nicht. Börsianer sprechen seit Längerem von anhaltender Unsicherheit mit Blick auf die Bilanz von Steinhoff. Seit Ende August kursieren auch Berichte, in denen von einem Verdacht der Bilanzfälschung die Rede ist. Der Aktienkurs befindet sich seit Tagen auf steiler Talfahrt.

Steinhoff ist ein Konzern mit Rechtssitz in Amsterdam und einem operativen Hauptquartier in Südafrika. Die Wurzeln des Unternehmens liegen im deutschen Möbelbau. Im internationalen Geschäft liegt ein Schwerpunkt mittlerweile im Discount-Bereich. In Deutschland ist Steinhoff vor allem durch seine Poco-Einrichtungshäuser bekannt.

Quelle: n-tv.de

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