Wirtschaft

Tarifkonflikt bei Airline Streik bei Germanwings über den Jahreswechsel

Für drei Tage sollen die Beschäftigten bei der Lufthansa-Tochter Germanwings die Arbeit niederlegen. Beginn der Aktion ist Montag. Die Gewerkschaft droht zudem mit einer weiteren Eskalation.

Im Tarifstreit mit der Lufthansa macht die Gewerkschaft Ufo Ernst. Sie ruft das Kabinenpersonal bei der Tochter Germanwings zu einem dreitägigen Ausstand auf. Dieser soll am Montag um Mitternacht beginnen und in der Nacht zu Donnerstag enden, wie die Gewerkschaft mitteilte. Weitere Streiks will die Gewerkschaft bei Bedarf am 2. Januar bekannt geben, "sofern der Lufthansa-Konzern nicht weiter eskalierend tätig wird", sagte Ufo-Vize Daniel Flohr. Die Tochter Germanwings ist noch mit etwa 30 Flugzeugen für die Marke Eurowings unterwegs, soll aber perspektivisch auf den Eurowings-Flugbetrieb verschmolzen werden. Nach Konzernangaben hat sie 1400 Mitarbeiter, davon 800 in der Kabine.

Zur Begründung des Streikaufrufs sagte er, das Germanwings-Management gebe "den Mitarbeitern keine klare Perspektive für die Zukunft ihres Flugbetriebs". Verhandlungen zu den Ufo-Forderungen, die bereits im November 2016 und im Oktober zu Streiks führten, seien ergebnislos gescheitert.

Laut Ufo-Sprecher Nicoley Baublies haben die Schlichter bis zum heutigen Tag nach einer Lösung gesucht, aber ohne Ergebnis. Deshalb habe Ufo nun die Reißleine gezogen. Allerdings gehe die Gewerkschaft nicht gleich "aufs Ganze", es gehe nicht darum, möglichst schnell möglichst viele Passagiere zu schädigen. Vielmehr habe der Konzern noch die Möglichkeit, Tarifforderungen zu erfüllen. Wenn es jetzt aber kein Einlenken gebe, "dann werden wir während des Germanwings-Streiks sicherlich auch verkünden müssen, dass es bei den anderen Airlines Streiks gibt". Diese würden dann massiver und länger werden.

Zuletzt hatten die tief zerstrittenen Parteien versucht, mithilfe der prominenten Schlichter Matthias Platzeck und Frank-Jürgen Weise zumindest einen Fahrplan für die anstehenden Schlichtungsgespräche zu vereinbaren. Ufo sieht diesen Versuch als gescheitert an. 

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In dem Konflikt hat es bereits einen Warnstreik bei vier Lufthansa-Töchtern sowie im November einen zweitägigen Streik bei der Kerngesellschaft Lufthansa gegeben. Hier waren rund 1500 Flüge mit rund 200.000 betroffenen Passagieren ausgefallen.

Beide Seiten betonen immer wieder, eine möglichst umfassende Einigung mit einer Vielzahl tariflicher Themen anzustreben. Auf Grundzüge hatte man sich bereits im November bilateral geeinigt, war dann aber im gegenseitigen Misstrauen doch nicht zueinander gekommen. In der Zwischenzeit wurde Lufthansas Personalvorständin Bettina Volkens abberufen, die für einen moderateren Kurs mit der Ufo stand.

Die Gewerkschaft verlangt unter anderem eine Rücknahme von Kündigungen und Klagen gegen frühere und aktuelle Vorstandsmitglieder sowie eine Aufarbeitung des heftigen Konflikts der vergangenen Monate. Zur Lösung des Konflikts hat der Tarifexperte des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, Hagen Lesch, den Einsatz eines Mediators vorgeschlagen. "Hier scheint offensichtlich viel Vertrauen auf beiden Seiten verloren gegangen zu sein", sagte Lesch der "Rheinischen Post". Die Gewerkschaft brauche offenbar mehr Gewissheit, dass die Lufthansa sie als Verhandlungspartner Ernst nehme. Erst dann könne die eigentliche Schlichtung beginnen.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa