Wirtschaft

Prekäre Arbeitsbedingungen Studie kritisiert deutsche Teefirmen

94881039.jpg

Der Tageslohn der Pflückerinnen liegt meist nur knapp über zwei Euro.

(Foto: picture alliance / Stringer/dpa)

Ein Viertel der jährlichen Teeproduktion aus der indischen Region Darjeeling wird von deutschen Firmen aufgekauft. Obwohl der gleichnamige Tee hier teuer gehandelt wird, kommt von dem Geld in Indien kaum etwas an. Eine Studie übt dafür nun scharfe Kritik an deutschen Unternehmen.

Teegenuss mit bitterem Beigeschmack: Von dem Preis, den Verbraucher in Deutschland für Tee aus der ostindischen Region Darjeeling bezahlen, erhalten die Teepflückerinnen gerade einmal zwischen 1,4 und 2,8 Prozent. Laut einer Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung sorgt der Preisdruck auf die Plantagen in Darjeeling für prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen. Mitverantwortlich dafür seien auch bekannte deutsche Markenkonzerne, die Hauptabnehmer des Tees aus der Region am Fuße des Himalaya-Gebirges sind.

Studienautor Benjamin Luig sprach in dem Distrikt auf vier Plantagen mit Arbeiterinnen und führte auch Interviews mit Vertretern von Teefirmen. Dabei stellte er fest, dass die Pflückerinnen während der Arbeit keinen Zugang zu richtigen Toiletten haben und die bereitgestellten Unterkünfte für die Familien teils in mangelhaftem Zustand waren.

Zudem müssen die Angestellten einen erheblichen Teil der Kosten für ihre Arbeitsutensilien und Arbeitsbekleidung selbst tragen. Gesundheitsversorgung und die Betreuung von Kleinkindern seien mangelhaft und eine Absicherung gegen Arbeitslosigkeit oder Behinderung gebe es oft nicht. Zudem würden die Plantagenbesitzer immer wieder Löhne zurückhalten, heißt es in der Studie. Viele Pflückerinnen seien auf subventionierte Nahrungsmittel der indischen Regierung angewiesen.

Bruchteil des Endpreises geht nach Indien

Deutsche Teefirmen kaufen den Recherchen zufolge rund ein Viertel der jährlichen Teeproduktion aus Darjeeling auf. Der Tee wird in Deutschland teuer weiterverkauft. Laut der Studie kommt vom Endpreis gerade einmal ein Fünftel in Indien an, wobei ein Großteil davon wiederum bei den Großhändlern und Plantagenbesitzern bleibt.

Die Pflückerinnen selbst erhalten demnach derzeit umgerechnet 2,25 Euro pro Tag. Einer indischen Regierungskommission zufolge wäre das Doppelte nötig, um ein Leben in Würde zu ermöglichen. "Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass in der Praxis nicht einmal diese Hungerlöhne komplett ausgezahlt werden, wenn vorgeschriebene Erntemengen von Pflückerinnen nicht erreicht werden", erklärte Luig. "Während die Pflückerinnen in Darjeeling von Mangelernährung berichten, erzielen ihre Tees im deutschen Fachhandel absurde Preise von bis zu 30 Euro für 100 Gramm."

Selbstverpflichtungen reichen nicht

Auch nach den freiwilligen Nachhaltigkeitsstandards Rainforest Alliance und Fairtrade zertifizierte Plantagen verstoßen den Recherchen zufolge gegen gesetzliche Vorgaben und die Standards dieser Siegel. Kritik übt die Studie auch daran, dass Fairtrade wegen der schlechten Zustände in der Region Ausnahmeregelungen für Darjeeling eingeführt hat.

Freiwillige Selbstverpflichtungen reichen der den Linken nahestehenden Rosa-Luxemburg-Stiftung zufolge nicht aus, um die Einhaltung von Menschenrechten durch Unternehmen sicherzustellen. Stattdessen fordert sie ein Lieferkettengesetz, das deutsche Importeure für die Zustände in den Lieferfirmen haftbar macht.

Zudem müsse die Regierung kontrollieren, dass bei den Teeprodukten, auf denen "Darjeeling" draufstehe, auch zu 100 Prozent Tee aus der Region Darjeeling enthalten sei. Oftmals wird den Recherchen zufolge nämlich Tee aus anderen Landesteilen beigemischt.

Quelle: n-tv.de, psa/AFP

Mehr zum Thema