Wirtschaft

Technik wie im 19. Jahrhundert Stuttgart 21 droht digitales Debakel

imago95624800h.jpg

Neuer Bahnhof, alte Technik?: "Das wäre ein Treppenwitz der Geschichte", heißt es aus dem baden-württembergischen Verkehrsministerium.

(Foto: imago images/Arnulf Hettrich)

Das umstrittene Großprojekt der Deutschen Bahn kämpft weiter mit Geldproblemen. Laut einem Medienbericht fehlt Stuttgart 21 eine hohe dreistellige Millionensumme für moderne Technik. Das Investitionspaket der Bahn sei durch "Luftbuchungen" künstlich aufgeblasen, kritisieren Experten.

Das Prestigeprojekt der Deutschen Bahn (DB), der neue Tief­bahnhof in Stuttgart, steht vor neuen Problemen. Nach Recherchen des Wirtschafts­magazins "Capital" fehlt für ein wichtiges Detail in dem Megaprojekt nach wie vor die Finanzierung - rund 600 Millionen Euro für ein digitales Stellwerk, digitale Kommunikations­technik und ein modernes Funksystem.

"Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn der einzige große Bahnhof, den Deutschland mit der neuen Technik ausstattet, 2025 nicht starten kann", bestätigte der Staatssekretär im baden-württembergischen Verkehrsministerium, Uwe Lahl, die Recherchen von "Capital". Sollte der Bund seinen Anteil an den Kosten nicht freigeben, werde in dem knapp neun Milliarden Euro teuren Bahnhof eine Signaltechnik aus dem 19. Jahrhun­dert verbaut, erklärte ein Kenner der Planungen.

Der Streit um die Finanzierungsbeteiligung des Bundes in Stuttgart wirft ein Schlaglicht auf die jüngsten Investitionspläne der Deutschen Bahn. Trotz eines Investitionspakets von nach Angaben der DB rund 156 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 sind wichtige Zukunftsprojekte wie die Digitalisierung der Schiene und der Deutschland-Takt unter­finanziert.

Mit dieser Finanzausstattung sei kein "großer Befreiungsschlag" drin, sagte Christian Böttger, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, "Capital". DB und Bund arbeiteten mit "Taschenspielertricks, um das Volumen beein­druckender" aussehen zu lassen. Auch Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene und als solcher Lobbyist für 140 Eisenbahnunternehmen und Umweltverbände, hält das Paket für künstlich aufgeblasen durch "viele Unbekannte und Luftbuchungen".

Nach den ursprünglichen Plänen wäre der neue, unterirdische Bahnhof der Landeshauptstadt schon 2008 in Betrieb gegangen. Nun wird es wohl 2025 werden. Gestartet waren die Planer vor nunmehr zehn Jahren mit bescheidenen 2,8 Milliarden Euro Baukosten und einer Fertigstellung. Nach jetzigem Stand werden es mindestens 8,2 Milliarden Euro.

Quelle: ntv.de, mdu