Wirtschaft

Keine Fachkräfte mehr für China Taiwan stoppt Abwerben von Chip-Experten

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China fischt in Taiwan nach hochspezialisierten Fachkräften. Doch die dortige Chipindustrie braucht die Experten selbst.

(Foto: picture alliance / dpa)

Taiwans Chipindustrie versucht unter Hochdruck, die Halbleiter-Produktion anzukurbeln. Denn Chips sind weltweit Mangelware. Dass ausgerechnet China den Arbeitsmarkt "immer aggressiver" nach hochspezialisierten Fachkräften abgrast, missfällt der Regierung. Sie schiebt dem Braindrain einen Riegel vor.

Taiwans Regierung greift zu drastischen Maßnahmen, um die Abwanderung von hochspezialisierten Halbleiter-Experten in die Volksrepublik China zu unterbinden. Laut "Handelsblatt" hat das Arbeitsministerium alle taiwanischen und ausländischen Personalvermittler angewiesen, keine offenen Stellen für Chip-Fachleute in China mehr auszuschreiben.

Taiwan Semiconductor Manufacturing
Taiwan Semiconductor Manufacturing 100,60

Die heimische Halbleiterindustrie leidet unter chronischem Fachkräftemangel. In Taiwan ist der größte Auftragsfertiger von Computerchips weltweit beheimatet: Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) ist ein international agierender Konzern, der nicht nur Chips für Apple, Qualcomm und AMD produziert. Auch deutsche Autokonzerne wie Audi, VW oder Ford gehören zum Kundenstamm. Wegen des globalen Halbleiter-Engpasses ist es in Autofabriken weltweit mittlerweile wiederholt zu Produktionsunterbrechungen gekommen.

Ein Arbeitskräftemangel in Taiwan könnte die eigenen Bemühungen von TSMC erschweren, seine Produktion auszubauen, um die Nachfrage auf dem Weltmarkt zu bedienen. Die Jobnachfrage aus China sei ein wichtiger Faktor auf Taiwans Arbeitsmarkt, schreibt das "Handelsblatt". Chinas wichtigster Chiphersteller SMIC sei praktisch von taiwanischen Experten gegründet und geleitet worden.

Der Chip-Mangel hatte zunächst vor allem Autobauer unter Druck gesetzt. Inzwischen drosselt er aber auch die Produktion von Smartphones, Laptops und anderen Geräten. Auslöser für die Knappheit sind neben der Corona-Pandemie und der verstärkten Nachfrage nach Computern und Bildschirmen die globalen Handelskonflikte. Vor allem wegen der geopolitischen Spannungen zwischen den Großmächten China und USA und den daraus resultierenden Rückschlägen für China sei die Volksrepublik mittlerweile "aggressiver bei der Abwerbung taiwanesischer Chiptalente geworden, um den Aufbau einer autarken Lieferkette zu unterstützen", zitiert das Blatt Taiwans Arbeitsministerium.

Der chinesische Huawei-Konzern soll sich zudem mit Vorratskäufen gegen US-Sanktionen wappnen. Auch der Trend zur Elektromobilität hat die Nachfrage nach Chips getrieben. Ausfälle von Produzenten in Japan und Texas verschärfen die Lage auf dem Weltmarkt zusätzlich.

Gartner: Chip-Engpässe bis Mitte 2022

Eine Entspannung der Lage ist vorerst nicht in Sicht. Der Marktforscher Gartner rechnet bis ins kommende Jahr hinein mit Lieferengpässen bei Halbleitern. "Aktuell ist die Nachfrage höher als das Angebot. Es wird sechs bis neun Monate oder noch länger dauern, bis sich das ausgleicht", sagt Chip-Analyst Alan Priestley.

Ein normales Niveau dürfte erst Mitte 2022 erreicht werden. Bis dahin werde die Verfügbarkeit von Chips die Produktion vieler elektronischer Produkte einschränken. Laut Priestley lässt sich der Output nicht einfach steigern, "weil die Fabriken in der Regel sowieso mit einer Auslastung von 95 Prozent arbeiten". Zudem sei die Fertigung von Halbleitern "sehr komplex und teuer" und es dauere bis zu drei Jahre, eine Fabrik hochzuziehen.

Die derzeitige Knappheit habe vielen Industrieländern die Abhängigkeit von den drei großen Halbleiteranbietern Intel, TSMC und Samsung Electronics vor Augen gehalten. Deswegen versuchten nun einige, den Bau von Fabriken zu fördern und zu subventionieren, um zumindest eine bessere Verteilung der Werke rund um den Globus zu erreichen. Intel hat bereits angekündigt, ein Werk in Europa errichten zu wollen, und erwägt, dafür einen Standort in Deutschland zu wählen. Die EU will ebenso wie die USA Milliarden in den Aufbau einer heimischen Chipproduktion stecken.

Quelle: ntv.de, ddi

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