Wirtschaft

Firmen melden schwache NachfrageTalfahrt der russischen Industrie hält elften Monat in Folge an

04.05.2026, 11:17 Uhr
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Wladimir Putin besucht im September 2025 eine Messe der Atomindustrie. Ob er dort Inspiration für einen Aufschwung gefunden hat? (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Mit dem Überfall auf die Ukraine stellt Russland auf eine Kriegswirtschaft um. Anfangs stützt die Rüstungsproduktion das Wachstum, doch inzwischen ist klar: Viele Branchen leiden nach mehr als vier Jahren Krieg. Trotz der trüben Lage blicken die Hersteller optimistischer in die Zukunft.

Die Talfahrt der russischen Industrie setzt sich fort. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (PMI) fiel von 48,3 Punkten im März auf 48,1 Punkte im April, wie der Finanzdienstleister S&P Global zu seiner Umfrage mitteilte. Der Einkaufsmanagerindex verzeichnet damit den elften Monat in Folge einen Rückschritt. Erst ab einem Wert von 50 signalisiert das Barometer ein Wachstum.

Laut S&P Global ging die Produktion bereits den 14. Monat in Folge zurück. Die befragten Unternehmen begründen dies mit schwacher Nachfrage und weniger neuen Aufträgen. Zudem verzeichne die Beschäftigung den stärksten Rückgang seit vier Jahren, da Unternehmen frei werdende Stellen nicht neu besetzen.

Der Preisdruck nahm unterdessen zu. Die Einkaufspreise stiegen auf den zweithöchsten Stand seit Februar 2025. Ein Sondereffekt im Januar wegen der Anhebung der Mehrwertsteuer wurde dabei ausgeklammert.

Trotz der trüben Lage blicken die Hersteller optimistischer in die Zukunft. Die Zuversicht stieg in der Befragung auf den höchsten Stand seit September 2025, was mit der Hoffnung auf eine stärkere Exportnachfrage begründet wurde. Dennoch fuhren die Unternehmen ihre Einkäufe weiter zurück und bauten Lagerbestände ab, wenn auch weniger stark als noch im März.

Putin würgt die Wirtschaft ab

Seit dem Überfall auf die Ukraine vor mehr als vier Jahren wurde Russland auf Kriegswirtschaft umgestellt. Darunter leiden andere Bereiche, weil in den kriegswichtigen Betrieben deutlich höhere Löhne gezahlt werden. In vielen Branchen herrscht deshalb Arbeitskräftemangel, zumal viele Russen zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Zugleich hat der Staat, um den Krieg zu finanzieren, sich nicht nur in gewaltige Schulden gestürzt, sondern auch Unternehmer und einfache Bürger durch die Erhebung neuer sowie höherer Steuern zur Kasse gebeten. 

In der Konsequenz ist die russische Wirtschaft im ersten Quartal 2026 erstmals seit drei Jahren geschrumpft. Den Daten des Wirtschaftsministeriums zufolge lag das Minus bei 0,3 Prozent, nach einem Plus von 1,3 Prozent im Vorjahreszeitraum. Dabei verhinderte ein Wachstum im März einen stärkeren Rückgang. Laut Präsident Wladimir Putin ging das russische Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den ersten beiden Monaten des Jahres um 1,8 Prozent zurück.

Niedergang in fast allen Sektoren

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte nach der Konjunkturschwäche zu Jahresbeginn seine Spitzenbeamten gerügt und Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft gefordert, denn der Niedergang ist in fast allen Sektoren zu spüren. Rückläufig sind die Zahlen im verarbeitenden Sektor, im Güterverkehr, in der Industrieproduktion und speziell im Bausektor. So hat der Developer Samoljot, eine der größten Baufirmen des Landes, im Februar die Regierung - erfolglos - um einen subventionierten Kredit über umgerechnet mehr als 550 Millionen Euro gebeten.

Es werde wohl "mehrere Jahre" dauern, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, prognostizierte Andrej Kostin, Chef der Staatsbank VTB, einer der größten Gläubiger von Samoljot. Auf den Bausektor insgesamt sehen Experten eine Reihe von Pleiten zukommen.

Quelle: ntv.de, chr/rts/dpa

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