Reiche mahnt zur WeitergabeTankrabatt senkt Spritpreise teils unter 2 Euro
Wie schnell und stark wirkt der Steuernachlass an der Zapfsäule? Um Mitternacht geben die Preise deutlich nach. Von 17 Cent pro Liter sind die Rückgänge aber weit entfernt.
Der seit Mitternacht geltende Tankrabatt hat bereits in den frühen Morgenstunden an vielen Tankstellen die Spritpreise purzeln lassen. Beim Blick in die Tankstellen-App des ADAC zeigten sich vielerorts Preise unter 2 Euro, insbesondere beim günstigeren Superbenzin der Sorte E10, teilweise auch bei Diesel.
Im Durchschnitt kostete nach Auswertung von ntv.de allerdings nur E10 mit 1,99 Euro weniger als 2 Euro pro Liter. Der E5-Durchschnittspreis lag am Morgen bei 2,05 Euro. Diesel kostete demnach 2,08 pro Liter.
Direkt nach Mitternacht gaben die Spritpreise deutlich nach. Die Differenz zu den Vortageswerten ist bisher allerdings weit niedriger als der Steuernachlass von 16,7 Cent pro Liter und betrug am Morgen jeweils etwa 10 Cent.
In München kostete E10 kurz nach 6 Uhr bei den meisten angezeigten Tankstellen deutlich unter 2 Euro, teilweise sogar weniger als 1,90 pro Liter. Bei Diesel wurde die 2-Euro-Marke in mehr als der Hälfte der Fälle unterschritten.
Auch in Berlin war E10 bei der klaren Mehrheit der angezeigten Tankstellen am Morgen billiger als 2 Euro. Bei Diesel war dies nur selten der Fall.
In Hamburg war E10 an mehr als der Hälfte der angezeigten Tankstellen billiger als 2 Euro. Auch hier wurde teilweise die Marke von 1,90 unterschritten. Diesel blieb aber in der Regel teurer als 2 Euro.
Tankstellen nicht verpflichtet
Ob der steuerliche Rabatt komplett weitergegeben wird, lässt sich noch nicht beurteilen. Experten erwarteten, dass der Rabatt erst nach und nach an den Zapfsäulen ankommen könnte. Ein Grund dafür: Der Steuervorteil gilt nur für Kraftstoffe, die nach Mitternacht die Tanklager oder Raffinerien verlassen haben, nicht aber auf die Lagerbestände der Tankstellen.
Die Tankstellen sind nicht zu bestimmten Preisen oder Reduzierungen verpflichtet. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie hatte angekündigt, dass die volle Steuersenkung an die Kunden weitergegeben werde.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche fordert bei der Mineralölwirtschaft ein, dass die Steuersenkung bei Diesel und Benzin bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt. "Das ist keine Bitte, das ist eine klare Erwartung", sagte die CDU-Politikerin. "Das Bundeskartellamt hat nach unserem ersten Maßnahmenpaket bessere Instrumente als je zuvor und erste Untersuchungen aufgenommen. Wenn es Anzeichen für eine Nichtweitergabe der Steuersenkung gibt, erwarte ich unverzügliche Maßnahmen."
Das Ministerium werde die Weitergabe der Steuersenkung genau im Blick behalten, so Reiche. "Auch unabhängige Akteure wie die Monopolkommission oder das Ifo-Institut werden hier genau hinschauen, engmaschig Daten auswerten und die Ergebnisse transparent machen."
