Wirtschaft

Hongkong-Chinesen klopfen an Telecom Italia dementiert Zerschlagung

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Konzernlenker mit Hornbrille und außergewöhnlichem Spürsinn für ertragreiche Chancen: Hutchison-Chef Li Ka-shing.

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An der Mailänder Börse brodelt es in der Gerüchteküche: Ein Großinvestor aus Asien plant angeblich den Einstieg ins italienischen Mobilfunkgeschäft - mit weitreichenden Folgen für den örtlichen Telekom-Riesen.

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Führungskraft mit Zimmerpalme, Festnetzanschluss und Monroe-Porträt im Büro: Telecom-Italia-Chef Franco Bernabe.

(Foto: REUTERS)

Der italienische Telekommunikationskonzern Telecom Italia hat Gerüchte über eine angeblich geplante Zerschlagung zurückgewiesen. "Telecom Italia stellt klar, dass Spekulationen über eine mögliche Entflechtung haltlos sind", teilte das Unternehmen mit.

Aus dem Umfeld des Unternehmens waren zuvor Gerüchte an die Öffentlichkeit gedrungen, der Konzern erwäge die Abspaltung des Mobilfunkgeschäfts und des Festnetzes vom Rest der Konzernstruktur. An der Börse in Mailand stuften Beobachter ein solches Vorgehen als durchaus plausibel ein. Damit, so hieß es, könnte das Unternehmen Schulden senken und Personalkosten sparen. Womöglich wolle Telecom Italia mit einem solchen Schritt auch neue Investoren an Bord holen.

Als möglicher Kandidat gilt ein Schwergewicht aus Hongkong: Der breit aufgestellte Mischkonzern Hutchison Whampoa, der auch Häfen und Hotels betreibt, ist angeblich am Mobilfunk-Geschäft von Telecom Italia interessiert. Hutchison wolle sich mit 30 Prozent an dem Unternehmen beteiligen, hieß es. Analysten beziffern den Wert der Mobilgeschäfte auf 1,5 bis 2 Mrd. Euro.

Italien reif für den Einstieg?

Aus der Sicht fernöstlicher Investoren muss ein solcher Einstieg lohnenswert erscheinen: Italien verfügt über die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone nach Deutschland und Frankreich.

Für einen weitsichtig denkenden Großinvestor mit entsprechend langem Atem bietet die anhaltende Wirtschaftskrise ungewöhnliche Einstiegschancen. Über kurz oder lang dürfte Italien dank der Einbindung in das Euro-System und die engen Verbindungen mit benachbarten Wirtschaftsmächten auf Wachstumspfade zurückkehren - sofern die Regierung in Rom keine unbedachten Schritte unternimmt.

Vor einem Einstieg der Hongkong-Chinesen, so heißt es weiter, müsste sich Telecom Italia vom Festnetz trennen, um Bedenken von Kartellwächtern in Rom zu zerstreuen. Die Behörden wollten das Netz im Rahmen des Grundversorgungsgedanken wohl nicht in den Händen eines ausländischen Konzerns sehen. Die Bewertung einer Netzausgliederung soll noch in der laufenden Woche abgeschlossen werden, hieß es aus Mailand.

Im ersten Quartal musste Telecom Italia einen Gewinneinbruch hinnehmen. Der Überschuss fiel auf von 605 Mio. Euro vor Jahresfrist auf 364 Mio. Euro und lag damit deutlich unter den Analystenschätzungen. Das Management bekräftigte allerdings seine Geschäftsziele für 2013.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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