Wirtschaft
(Foto: picture alliance / Holger Hollem)
Donnerstag, 09. November 2017

Prognose angehoben: Telekom stellt US-Tochter auf eigene Beine

Das US-Geschäft ist weiter die treibende Kraft für die Deutsche Telekom. Doch nach der gescheiterten Fusion mit Sprint zieht sich die Mutter aus Bonn etwas zurück. Denn nicht zu letzt auf dem Heimatmarkt warten große Aufgaben - und vor allem teure.

Die Deutsche Telekom labt sich weiter an ihrer Tochter T-Mobile US. Dank boomender Geschäfte der US-Mobilfunktochter hob der Bonner Konzern seine Ergebnisprognose (bereinigtes Ebitda) fürs Gesamtjahr leicht auf 22,4 bis 22,5 Milliarden Euro an. Allerdings sorgte eine überraschende Abschreibung in Höhe von 1,2 Milliarden Euro in der Großkundensparte T-Systems für eine Halbierung des Überschusses im abgelaufenen Quartal.

Erst am Wochenende hatte Telekom-Chef Timotheus Höttges in den USA einen schweren Schlag einstecken müssen: Die langwierigen Verhandlungen über eine Fusion von T-Mobile US mit dem kleineren Wettbewerber Sprint wurden abgebrochen. "Ich werde keine Tür zuschlagen", sagte Höttges nun. "Man trifft sich im Leben immer zweimal."

US-Tochter ist auch ein teures Kind

T-Mobile US hat sich inzwischen zum wichtigsten Umsatztreiber für den Mutterkonzern entwickelt und trug im dritten Quartal rund 46 Prozent zu den Konzernerlösen von 18,25 Milliarden Euro bei. Im dritten Quartal gewann die US-Tochter bei der wichtigsten Kundengruppe, den Telefonie-Vertragskunden unter eigener Marke, 600.000 neue Kunden hinzu, wie Finanzchef Thomas Dannenfeldt ausführte. Das seien zwei Drittel des gesamten Marktwachstums

Allerdings ist es kostenintensiv, den US-Platzhirschen AT&T und Verizon Kunden abzujagen. Erst im April hatte T-Mobile US bei einer Frequenzauktion für acht Milliarden Dollar neues Spektrum erworben und war dabei kräftig von der Bonner Mutter unterstützt worden, die rund zwei Drittel am US-Geschäft hält. Deswegen schaut sich T-Mobile US nach Möglichkeiten um, die Synergien liefern könnten.

Milliardenaufgaben daheim

Im Deutschland-Geschäft geht es für die Telekom weiter aufwärts. Bei einem leichten Umsatzplus von 0,1 Prozent stieg das bereinigte Ebitda um 4,5 Prozent. Die mobilen Service-Umsätze stiegen um 0,9 Prozent. Ohne den Einfluss der Regulierung, die Absenkung von Roaming- und mobilen Terminierungsentgelten, hätte der Zuwachs bei 3,7 Prozent gelegen. Zudem ist der Breitband-Boom in Deutschland ungebrochen. Die Zahl neuer Glasfaser-Anschlüsse belief sich auf 700.000 und schraubten die Gesamtzahl auf 8,9 Millionen. Das waren 2,8 Millionen oder 45 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Doch die Deutsche Telekom muss nicht nur in den USA viel Geld in die Hand nehmen, um die Weichen für künftiges Wachstum zu stellen. Auf dem Heimatmarkt steht der Aufbau eines Mobilfunknetzes der fünften Generation (5G) an. Die Frequenzen sollen im kommenden Jahr veräußert werden. Wohl auch deswegen erklärte Höttges nun, dass T-Mobile US künftig alle Investitionen aus der eigenen Geschäftstätigkeit stemmen wird. Ende September lag die Netto-Verschuldung der Telekom bei 52,6 Milliarden Euro.

T-Systems ist für den Konzern seit Langem ein Sorgenkind. "Wir stehen vor einer schwierigen Restrukturierungsaufgabe", sagte Höttges mit Blick auf das klassische IT-Geschäft mit Großkunden, in dem ein starker Preisdruck herrscht und viele Kunden abwanderten. Der Auftragseingang fiel deutlich schwächer als erwartet aus, weshalb die Telekom die Abschreibung in Milliardenhöhe vornahm. Seit einiger Zeit versucht die Telekom am Trend zur Cloud mitzuverdienen, hinkt der Konkurrenz aber hinterher. Nun soll der aus den USA stammende Restrukturierungsexperte Adel Al-Saleh Ordnung in die kriselnde Sparte bringen.

Ebenfalls ein Wechsel steht an der Spitze des Deutschlandgeschäfts an, wo Niek Jan van Damme Anfang 2018 von Dirk Wössner abgelöst wird. Der Bereich Festnetz- und Mobilfunk sei im dritten Quartal "das Beste" gewesen, sagte Höttges. Mit einem Zuwachs um 1,8 Millionen im Jahresvergleich übertraf die Zahl der LTE-Kunden erstmals die 10-Millionen-Marke. Dies trug auch dazu bei, dass das bereinigte Konzernbetriebsergebnis um 3,3 Prozent auf 5,72 Milliarden Euro kletterte. Unter dem Strich blieb wegen der Abschreibung im abgelaufen Quartal lediglich ein Gewinn von 507 Millionen Euro nach 1,05 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Quelle: n-tv.de

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