Wirtschaft

Millionenprojekt gescheitert Telekom versenkt De-Mail

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Die Deutsche Telekom stellt De-Mail ein. Das Projekt kostete einen dreistelligen Millionenbetrag.

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Steuerbescheide oder Gehaltsabrechnungen per E-Mail bekommen - die De-Mail soll die Kommunikation revolutionieren. Doch der Plan scheitert: "Wir haben einen dreistelligen Millionenbetrag investiert, aber es hat nie jemanden gegeben, der dieses Produkt genutzt hat", gibt Telekom-Chef Höttges zu.

Nach knapp einem Jahrzehnt zieht die Deutsche Telekom einen Schlussstrich unter das schwächelnde Geschäft mit der Mailkommunikation mit Firmen und Behörden, der De-Mail. Man habe sich aus Wirtschaftlichkeitsgründen entschieden, den eigenen De-Mail-Service einzustellen, sagte ein Telekom-Sprecher. Den Privat- und Geschäftskunden wird zum 31. August 2022 gekündigt, entsprechende Schreiben sollen Ende September versandt werden.

Bei De-Mail geht es um Nachrichten von Behörden und Unternehmen - die elektronischen Nachrichten werden verbindlich zugestellt und dem postalischen Brief de facto gleichgestellt. Der Kanal kann zum Beispiel für Steuerbescheide, Rentenanträge und Schreiben zu Abfallgebühren oder Wohngeld genutzt werden. Auch Schadensmeldungen bei Versicherungen, Gehaltsabrechnungen oder Vertragskündigungen werden über De-Mail verschickt. Nutzerzahlen gibt die Telekom nicht bekannt.

Ein Gesetz von 2011 war gewissermaßen der Startschuss für diesen Kommunikationsweg. Nach den gesetzlichen Vorgaben entwickelten Telekommunikationsunternehmen entsprechende Angebote, die zum Beispiel Behördengänge überflüssig machen sollten.

Der Bund hatte zwar ein großes Interesse an einem Erfolg des Systems, dennoch ließen sich viele Behörden eher schleppend darauf ein. Die Nachfrage schwächelte: Firmen bemängelten, dass die Zahl der Privatkunden und somit die Reichweite für eigene Zwecke zu gering seien, viele Verbraucher wiederum waren auch mangels weitreichender Anwendungsmöglichkeiten nicht so ganz überzeugt. "Dieses Henne-Ei-Problem hat sich bis heute nicht aufgelöst", sagte ein Sprecher.

"Toter Gaul"

Schon im Februar nannte Höttges De-Mail einen "toten Gaul" - wenn man auf dem weiter reite, werde der nicht schneller. Wie das Höttges-Interview verdeutlicht, war schon damals der Unmut groß über das Mailsystem, in das die Politik einst so große Hoffnungen gesteckt hatte. Jetzt zieht die Firma die Reißleine.

Ein komplettes Aus für De-Mail bedeutet das aber nicht: Die Telekom ist im Gespräch mit den anderen De-Mail-Anbietern, ob die Daten der Telekom-Kunden übertragen werden können. Über diese Möglichkeit sollen die Kunden voraussichtlich im Frühjahr 2022 informiert werden. Die Mentana Claimsoft GmbH bietet die Dienstleistung noch an, auf ihrer Webseite bewirbt sie den digitalen Brief als "verbindlich, vertraulich und rechtssicher".

Auch United Internet, das web.de und gmx.de betreibt, will weitermachen. Als Reaktion auf den Telekom-Rückzug sagte der Geschäftsführer von Web.de und GMX, Jan Oetjen: "Wir sind vom Zukunftspotenzial der De-Mail überzeugt, denn es handelt sich um den einzigen interoperablen, breit verfügbaren Standard für die rechtsverbindliche digitale Kommunikation in Deutschland." Man prüfe die Optionen und Voraussetzungen, um den Telekom-Kunden Angebote "für die unterbrechungsfreie Fortführung ihrer De-Mail-Konten zu machen".

Oetjen betonte, dass eine weitere staatliche Unterstützung ein wichtiger Faktor bleibe. "Wir sehen die große Chance, De-Mail über die Systemgrenzen hinweg zum kleinsten gemeinsamen Nenner der so schnell nicht zu bereinigenden öffentlichen IT-Flickenteppiche zu machen. Wenn der Staat seinen eigenen Standard endlich flächendeckend verfügbar macht, lassen sich große Potenziale erschließen." Steige die Akzeptanz digitaler Identitäten und verbindlicher Kommunikation beim Bürger, werde das System auch für die Wirtschaft weiter relevant." So können Unternehmen wie Versicherer oder der Online-Handel De-Mail-Logins verwenden, um beispielsweise Verträge zu prüfen oder altersbeschränkte Dienstleistungen anzubieten", sagte er.

Quelle: ntv.de, tst/dpa

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