Wirtschaft

"Überfällige Entscheidungen" Thyssenkrupp will kleiner und stärker werden

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Thyssenkrupp strafft sich wieder einmal.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Mischkonzern Thyssenkrupp ist tief in der Krise und ächzt unter einem Schuldenberg. Das Unternehmen nimmt nun einen neuen Anlauf und will sich straffen. Teile sollen abgestoßen oder mit neuen Partnern zusammengeführt werden.

Der seit Jahren kriselnde Industriekonzern Thyssenkrupp will schwache Geschäfte abstoßen und die Stahlsparte und den Marine-Schiffbau womöglich in Partnerschaften mit Konkurrenten einbringen. "Wir haben schwierige und längst überfällige Entscheidungen getroffen", kündigte Vorstandschefin Martina Merz nach einer Sitzung des Aufsichtsrats an. "Thyssenkrupp wird kleiner, aber stärker aus dem Umbau hervorgehen." Der Konzern schreibt hohe Verluste. Zudem drücken Nettofinanzschulden von 7,5 Milliarden Euro und Pensionsverpflichtungen in gleicher Höhe.

Der Ruhrkonzern ist in den vergangenen Jahren diverse Male umgebaut worden - nach dem Verkauf des profitablen Aufzugsgeschäfts muss das Unternehmen nun abermals neu aufgestellt werden. "Die Geschäfte werden künftig in zwei Kategorien unterteilt: zum einen Unternehmensbereiche, deren Potenzial Thyssenkrupp allein oder gemeinsam mit Partnern entwickeln wird, und zum anderen Geschäfte, für die das Unternehmen vorrangig Entwicklungspfade außerhalb der Gruppe verfolgen wird."

Partner für Marine-Geschäft gesucht

Der Werkstoffhandel und das Geschäft mit Industriekomponenten soll aus eigener Kraft weiterentwickelt werden. Auch das Automobilzuliefergeschäft soll in der Gruppe bleiben, aber auch durch Allianzen und Partnerschaften gestärkt werden. Für Geschäfte mit einem Umsatz von sechs Milliarden Euro strebt der Konzern vorrangig Lösungen außerhalb des Unternehmens an. Im Stahlgeschäft und bei Marine Systems will Thyssenkrupp sich besser aufstellen, parallel aber auch mögliche Partnerschaften und Optionen für eine Konsolidierung verfolgen.

Beim Stahl fänden Gespräche bereits statt. Der Konzern halte sich alle Optionen offen. Im Konzern ist unter anderem von dem chinesischen Konzern Baosteel, SSAB aus Schweden und erneut Tata Steel die Rede.

Bei seiner Werftentochter Marine Systems strebt der Konzern eine nationale oder europäische Lösung an. "In der aktuellen Wettbewerbsposition und Marktaufstellung sieht das Unternehmen nachhaltige Zukunftsperspektiven, wenn das Marine-Geschäft gemeinsam mit Partnern weiterentwickelt wird." Aus Sicht von Thyssenkrupp könne der Marineschiffbau in konsolidierter Aufstellung langfristig besser im nationalen wie internationalen Wettbewerb bestehen.

Gewerkschaft und Stiftung ziehen mit

"Um die Arbeitsplätze und Werftstandorte zu sichern, ist die Schaffung eines starken Marinekonzerns sinnvoll", erklärte Vorstandsmitglied Oliver Burkhard. "Thyssenkrupp ist deshalb offen für Lösungen, die Marine Systems langfristig in eine noch stärkere Position bringen. Dafür gibt es nationale und europäische Optionen."

Von der IG Metall und dem größten Einzelaktionär, der Krupp-Stiftung, erhielt Merz Rückendeckung. Die Arbeitnehmerseite trage eine Neuordnung des Konzerns mit, sagte der IG Metall-Hauptkassierer und Vize-Chef des Aufsichtsrats, Jürgen Kerner. "Wir erwarten, dass bei Stahl und Marine Systems neben einem eigenständigen Weg auch Konsolidierungsoptionen unter der Federführung von Thyssenkrupp geprüft werden." Eine Holding, die sich als Laienspieler in verschiedensten Märkten tummele und beim industriellen Kerngeschäft Stahl nur noch als Juniorpartner tauge, lehne man ab.

"Angesichts der äußerst herausfordernden Lage tragen wir auch schwierige Entscheidungen zum Wohle des Unternehmens mit", betonte die Krupp-Stiftung. "Wir haben Vertrauen in den Vorstand und gehen davon aus, dass er und alle Führungsteams den angekündigten Kurs mit Nachdruck verfolgen. Thyssenkrupp hat keine Zeit zu verlieren."

Quelle: ntv.de, jwu/rts