Wirtschaft

Auch Spediteure warnen Tönnies: Ukraine-Krieg gefährdet Fleischversorgung

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Leere Fleischtheken und hohe Preise - dieses Bild könnte bald auf deutsche Verbraucher zukommen.

(Foto: imago images/Martin Wagner)

Die Ukraine ist einer der größten Getreidelieferanten der Welt. Die ausbleibenden Ernten treiben nicht nur die Preise in die Höhe, sondern stürzen auch die Fleischindustrie in die Krise - Deutschlands größter Schlachtbetrieb warnt vor Engpässen. Der Verband der Spediteure warnt vor leeren Regalen.

Infolge des Krieges in der Ukraine droht Deutschland laut Vertretern der Fleischindustrie und der Spediteure eine schwere Versorgungskrise. Der größte Fleischproduzent Tönnies und der Branchenverband der Spediteure (BGL) warnen vor leeren Regalen. In einem offenen "Not-Brief" von Tönnies an seine Kunden heißt es, die Kämpfe würden sowohl die Lieferungen von Fleisch aus der Ukraine, Futtermittel für die heimische Mast als auch Lieferketten beeinflussen, was zu Engpässen führen werde. "Aufgrund der Knappheit der Schlachttiere besteht die konkrete Gefahr kurzfristig aus der Versorgungsfähigkeit zu laufen", heißt es. "Es gibt einfach kein Schlachtvieh", heißt es in dem Brief. "Im Rindfleisch werden uns beispielsweise bis Ostern die Schlachttiere ausgehen, die nur mit enormen finanziellen Mehraufwand an uns gebunden werden können." Damit verbunden, verlangte Tönnies eine sofortige Anpassung der Preise nach oben.

Dem Branchenverband der deutschen Spediteure zufolge steht Deutschland vor der schlimmsten Versorgungskrise in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Es drohten "zum Teil leere Supermarkt-Regale", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Güterverkehr und Logistik (BGL), Dirk Engelhardt, der "Bild". Grund sei, dass immer mehr Speditionen die hohen Kraftstoffkosten nicht mehr schultern können. "Die Situation ist deutlich angespannter als bei Corona", sagte Engelhardt. "Es droht die schlimmste Versorgungskrise seit 70 Jahren." Deutschland steuere "auf eine Situation wie in England nach dem Brexit zu". Der BGL-Chef forderte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) auf, das Problem anzugehen und mit der Branche über Entlastungen zu sprechen.

Tönnies zählt in seinem "Not-Brief", der ntv.de vorliegt, Faktoren auf, die aus Gründen höherer Gewalt Einfluss auf Versorgung und Lieferketten nehmen. Strom- und Gasanbieter würden von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen und höhere Preise verlangen. Es gebe Probleme bei der Beschaffung von Frittierfetten und Senfmehl, zudem würden ukrainische Fahrer in der Logistik ausfallen. Spürbar sollen diese Faktoren bereits in der kommenden Woche werden, schreibt Tönnies. Die Ukraine liefere wöchentlich 3000 Tonnen Hähnchenbrustfilet und sei außerdem einer der größten Futtermittelzulieferer, der nun aus dem Markt falle. Lieferausfälle seien daher nicht mehr zu verhindern. "Vorhandene Kontrakte werden gekündigt und entsprechende Lieferungen nachverhandelt", richtet sich das Unternehmen an den Handel.

Rindfleisch könnte an Ostern knapp werden

Die Ukraine ist aufgrund der guten Böden einer der größten Getreideproduzenten der Welt. Die ausbleibenden Ernten treiben die Rohstoffpreise nach oben, was Auswirkungen auf alle Bereiche der Fleischindustrie hat. Rückläufige Schlachtzahlen gebe es daher auch beim Rindfleisch.

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Auch für die deutsche Schweinemast war die Ukraine ein wichtiger Futtermittelieferant. Der in die Höhe geschossene Weizenpreis sei ein Grund für viele Landwirte, ihr eingelagertes Futtermittel gewinnbringend auf dem Getreidemarkt verkaufen und die Mast zurückfahren. "Wir werden durch die aktuelle Situation eine erhebliche Verknappung der Futtermittel und damit eine Rekordverteuerung für die Schweineerzeugung erleben. Auch das begründet weitere steigende Erzeugerpreise."

Dass es an den Energie-, Rohstoff- und Getreidemärkten nicht mehr nur um hohe Preise, sondern um tatsächliche Lieferausfälle gehe, bestätigt Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes. An den Märkten herrsche Panik. "Die bisherige Gewissheit, dass internationale Lieferketten verlässlich sind, hatte schon im Gefolge von Corona erhebliche Risse bekommen und ist nun ganz dahin. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich dies auch in der Lebensmittel-Lieferkette bemerkbar machen wird. Die Befürchtung, dass das Prinzip 'hohe Preise ziehen Ware' nicht mehr greifen könnte, scheint nicht mehr abwegig", schreibt Krüsken auf der Webseite des Verbands.

Quelle: ntv.de, mba

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