Wirtschaft

Historischer Boom in den USA Trump knackt Wirtschaftsrekord

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Vollgas voraus.

(Foto: REUTERS)

Müssen die Wirtschaftslehrbücher umgeschrieben werden? So lange wie in den vergangenen Jahren ist die US-Wirtschaft noch nie gewachsen. Und der Aufschwung könnte noch weitergehen. Trotz des Rekords scheitert Präsident Trump aber an seinem eigenen Anspruch.

Auf jeden Boom folgt unweigerlich der Abschwung. Das ist das unerbittliche Gesetz des Konjunkturzyklus. Zumindest bislang steht das so in den gängigen Ökonomielehrbüchern. Doch müssen die dank Donald Trump umgeschrieben werden? Diesen Monat, unter seiner Präsidentschaft, knacken die USA den Rekord des längsten Aufschwungs in der Geschichte des Landes. Die Wirtschaft expandiert nun laut Zahlen des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung ununterbrochen seit 121 Monaten.

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Und der Aufschwung, der unter Trumps Vorgänger Barack Obama begann, dürfte weitergehen. Trotz einer merklichen Abkühlung des Wachstums steht derzeit wohl keine Rezession vor der Tür. Der Internationale Währungsfonds etwa rechnet damit, dass das Bruttoinlandsprodukt der USA in diesem Jahr um 2,6 Prozent und 2020 um 1,9 Prozent zulegen wird.

Allein die Länge dieses Aufschwungs ist historisch. Zudem schmückt sich Trump damit, dass die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten gesunken ist. Gleichzeitig notieren die Aktienkurse an den Börsen auf Rekordniveau. Zusammengefasst in den Worten des Präsidenten: Die USA erleben "die beste Wirtschaft aller Zeiten". Zwar hatten alle diese Entwicklungen unter Trumps Vorgänger Barack Obama begonnen. Doch angesichts des bereits weit vorangeschrittenen Konjunkturzyklus bei seinem Amtsantritt ist der weitere Aufschwung unter Trump tatsächlich bemerkenswert.

Hat Trump also die Regeln der Ökonomie mit seiner Politik außer Kraft gesetzt? Seine Wirtschaftsberater argumentieren, dass der Präsident unter anderem mit seiner milliardenschweren Steuerreform einen entscheidenden Wachstumsimpuls gegeben habe. Zudem erhöhte Trump die Staatsausgaben und schaffte viele Vorschriften und Regeln für die Industrie, etwa für den Umweltschutz, ab. Viele Ökonomen überzeugt das aber nicht. Trumps Steuersenkung sei eher ein Strohfeuer gewesen, urteilt etwa der Chefökonom von Moody's, Mark Zandi. Die Reform habe "einen zeitlich begrenzen Schub gegeben, der schon wieder nachlässt".

Messlatte selbst zu hoch gehängt

Tatsächlich haben sich manche alten Gesetzmäßigkeiten der Wirtschaft geändert. Allerdings nicht aufgrund von Trumps Politik. Die Investmentbank Goldman Sachs macht unter anderem die technologische Entwicklung und ein moderneres Management der Lieferketten dafür verantwortlich, dass Firmen in Boomphasen weniger Überkapazitäten aufbauen, deren Abbau im Abschwung zum Problem wird. Der Fracking-Boom in den USA habe das Land unabhängiger von schwankenden Energiepreisen gemacht. Und ausgerechnet die von Trump in ihrer Bedeutung immer wieder hervorgehobenen traditionellen Industriezweige wie die Stahl-, Auto- oder Elektrobranche, die für konjunkturelle Aufs und Abs besonders anfällig sind, machen einen viel kleineren Teil der US-Wirtschaftsleistung aus als vor Jahrzehnten.

Risiken für eine Rezession bleiben - und werden sogar durch Trumps Politik verstärkt. So hat er Vorschriften zurückgenommen, die Exzesse an den Finanzmärkten wie vor der letzten großen Wirtschaftskrise verhindern sollten. Als größte aktuelle Gefahr gilt jedoch der von Trump losgetretene Handelsstreit mit China.

Auch wenn der Rekordaufschwung noch weitergeht, kann Trump mit seiner Wirtschaftsbilanz noch nicht zufrieden sein. Denn er selbst hat die Messlatte viel höher gehängt. Drei bis vier Prozent Wachstum jedes Jahr versprach er im Wahlkampf. Im vergangenen Jahr verpasste er das Ziel mit 2,9 Prozent knapp. Dieses und kommendes Jahr dürfte er es deutlicher verfehlen.

Quelle: n-tv.de

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