Wirtschaft

Harte Haltung im Handelsstreit Trump kritisiert die US-Notenbank

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"Wir werden gewinnen", sagt Donald Trump. "Aber in dieser Zeit sollte mir die Fed etwas helfen."

(Foto: AP)

Noch in dieser Woche sollen Handelsgespräche zwischen den USA und China stattfinden. Im Streit der beiden weltgrößten Volkswirtschaften rückt eine Lösung in weite Ferne. US-Präsident Trump betont seinen langen Atem - und mischt sich nebenbei in die Geldpolitik ein.

US-Präsident Donald Trump hat Hoffnungen auf eine Entspannung im Handelsstreit mit China gedämpft. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters signalisierte er, einen langen Atem zu haben. Es gebe keinen Zeitrahmen zur Beendigung des Konflikts. Bei den Verhandlungen diese Woche in Washington werde wohl nicht viel herauskommen. Der Handelsstreit wirkt sich bereits belastend auf US-Unternehmen aus und drückt auch auf die Stimmung in der Wirtschaft.

Trump stört sich an dem riesigen Defizit seines Landes im Handel mit China und Europa. Er hat deswegen Sonderzölle erhoben und plant weitere Maßnahmen. Allerdings antworteten China und die EU mit höheren Abgaben auf Importe aus den USA. Ökonomen befürchten, dass sich daraus ein Handelskrieg entwickelt. Auch in der US-Wirtschaft ist Trumps Handelspolitik umstritten, teilweise auch bei seinen Republikanern. "Zölle sind für unsere Produzenten und Verbraucher wie Steuern, zudem spüren wir bereits die negativen Auswirkungen in Form schrumpfender Marktanteile", sagte der Senator des US-Bundesstaats Kansas, Pat Roberts, dem "Tagesspiegel".

"Fed sollte etwas helfen"       

Nebenbei griff Trump auch die US-Notenbank Fed an, von der er sich mehr Rückendeckung wünschte. Es gebe im Handelsstreit harte Verhandlungen. "Wir werden gewinnen. Aber in dieser Zeit sollte mir die Fed etwas helfen." Dabei ging der US-Präsident auch auf das geldpolitische Vorgehen der Währungshüter ein. "Ich bin nicht begeistert davon, dass er die Zinsen erhöht", sagte Trump wörtlich mit Blick auf den von ihm nominierten Fed-Chef Jerome Powell.

Kommentare zur Geldpolitik durch einen US-Präsidenten sind höchst ungewöhnlich. Zentralbanken sind in der Regel intensiv darum bemüht, jeden Zweifel an ihrer Unabhängigkeit zu vermeiden, um ihr wichtigstes Gut, die Glaubwürdigkeit, zu bewahren. Trumps Worte kommen einem Tabubruch nahe: Bislang sind US-Spitzenpolitiker stets davor zurückgeschreckt, auch nur den Anschein zu erwecken, sich in die geldpolitische Zuständigkeit der Fed einmischen zu wollen.

Euro zieht an, Goldpreis steigt

Entsprechend verunsichert fielen die Reaktionen an den Märkten aus: Der Euro legte nach Veröffentlichung des Reuters-Interviews erkennbar zu. In Japan verlor der Dollar in seinem Verhältnis zum Yen an Wert. Die Feinunze Gold verteuerte sich in der Nacht um mehr als vier Dollar. Trump kündigte an, sich die US-Notenbank weiter vornehmen zu wollen, sollten die Zinsen noch mehr steigen. Bei der Federal Reserve wollte zunächst niemand auf die Aussagen Trumps eingehen.

Kaltes Schweigen bei der Fed   

Die Fed hat in diesem Jahr bereits zwei Mal den Leitzins erhöht, zuletzt im Juni auf die aktuell gültige Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. An den Börsen wird mit weiteren Schritten in diesem Jahr gerechnet, weil die US-Wirtschaft heiß läuft. Die Inflation ist so hoch wie seit sechs Jahren nicht mehr und die Arbeitslosigkeit so gering wie seit rund 20 Jahren.

Trump hat der US-Wirtschaft mit seiner radikalen Steuerreform samt Steuergeschenken für Großkonzerne einen zusätzlichen Schub verliehen. Kritische Stimmen sprechen von einem Strohfeuer, das zu massiven Einnahmeausfällen im Staatshaushalt führen dürfte. Im Interview warf der US-Präsident China und Europa erneut vor, ihre Währungen zu manipulieren, um auf den Weltmärkten bessere Chancen zu haben. Zum Yuan hat der Dollar dieses Jahr bislang mehr als fünf Prozent zugelegt. Der Euro hat zum Dollar über vier Prozent nachgegeben.

Quelle: ntv.de, bad/rts