Wirtschaft

Speisen mit dem Präsidenten Trumps Privat-Firma bleibt eine Goldgrube

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Das Hotel Trump International im Spielerparadies Las Vegas.

(Foto: REUTERS)

Zum Jahresbeginn meldet Eric Trump seinem Vater routinemäßig, wie die Firma des Clans läuft. Es ist ein leichter Gang. Die Clubs und Hotels brummen. Wie Privatgeschäft und Amt des US-Präsidenten weiter Hand in Hand gehen, ist alarmierend.

"Außergewöhnlicher Service", schreibt ein Gast, der in einem Trump-Hotel übernachtet hat, in einer Online-Rezension bei Booking.com. Der Australier verewigt sich als David: "Der zusätzliche Bonus war, als POTUS und FLOTUS vor mir und meiner Frau standen." Potus steht als Abkürzung für: President of the United States. Flotus ist die offizielle Bezeichnung für die First Lady Of The United States. 

Der US-Präsident hat ein Faible für die eigenen vier Wände. Dass Gäste von Trump-Hotels auf den Hausherrn treffen, kommt häufiger vor. Seit Amtsbeginn hat Trump angeblich an 121 Tagen eines seiner Häuser besucht - das entspricht rund einem Drittel seiner Amtszeit. Die Anwesenheit rechnet sich, wie die jüngsten Zahlen von Public Citizen zeigen. Die Hotels und Clubs aus dem Trump-Imperium sind gefragt.

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Donald Trump mit seinen Söhnen Donald Jr. und Eric (v.r.).

(Foto: REUTERS)

Alle Veranstaltungen und Übernachtungen zusammengerechnet hat die Trump Organization demnach im vergangenen Jahr mehr als 2,6 Milliarden US-Dollar verdient - die Gewinne des berühmten Golf-Ressorts Mar-a-Lago in Florida nicht mit inbegriffen. Seitdem Trump vor einem Jahr die Familien-Firma seinen Söhnen überschrieb, muss Sohn Eric alle drei Monate zum Rapport. Es dürfte ein leichter Gang für den Trump-Spross sein.

Die Daten, die die Verbraucherschützer auf Basis von Medienberichten und Regierungsangaben zusammengetragen haben, belegen, dass sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft in Trumps Häusern die Klinke in die Hand geben. Dem Präsidenten beim Speisen oder Golfen zu begegnen, bleibt ein Ticket-Magnet.

Der Bericht "Präsidentschaft zum Verkauf" dokumentiert über 60 Besuche von ausländischen Regierungen, Interessengruppen, religiösen und politischen Vertretern bis hin zu Wohltätigkeitsorganisationen, die im vergangenen Jahr Veranstaltungen oder Zimmer in den Trumpschen Immobilien besuchten. Die Buchungen ließen nicht nur die Privatkasse Trumps klingeln, sie legen auch den Verdacht nahe, dass mancher Besuch nur einem bestimmten Zweck diente: dem Präsidenten höchstpersönlich zu begegnen.

Ein Hotel als "separates Weißes Haus"

Auf der Liste von Public Citizen finden sich viele namhafte Organisationen, darunter die US-amerikanische Handelskammer, das American Petroleum Institute, der US-amerikanische Rechnungshof und die National Mining Association. Zu den ausländischen Regierungen, die 2017 Räumlichkeiten und Veranstaltungen bei Trump gebucht haben, zählen Saudi-Arabien, Kuwait und Malaysia. Diese Verquickung von präsidialen und privaten Geschäften bleibt politischen Gegnern und Ethikexperten ein Dorn im Auge.

Als Paradebeispiel für den ebenso umstrittenen wie hochprozentigen Cocktail aus Wirtschaft und Politik gilt das Trump International Hotel in Washington, das nur sechs Autominuten vom Weißen Haus entfernt liegt. "Das Hotel ist eine Art separates Weißes Haus, in dem man eine Margarita für 27 Dollar kaufen kann und wo man mit Leuten reden kann, die am nächsten Tag mit dem Präsidenten reden", sagt der Geschäftsführer von American Oversight, Austin Envers, der "Japan Times". Die von den Demokraten finanzierte gemeinnützige Organisation soll ethische Verstöße der Trump-Regierung aufdecken.

Der mögliche direkte Draht zur US-Regierung ist vielen Gästen sogar ein saftiger Aufpreis wert. Luxushotels, Golfklubs, Wolkenkratzer, Trump besitzt insgesamt mehr als 500 Firmen. Wie geschäftstüchtig er ist, hat er nach Amtsantritt bewiesen. Das Trump-Hotel in Washington erhöhte die Übernachtungspreise um 60 Prozent. Der Golfclub in Mar-a-Lago verdoppelte die Aufnahmegebühr auf schlappe 200.000 Dollar. Trotzdem sind die Einrichtungen des Präsidenten gefragter denn je.

Vieles liegt im Dunkeln

Wie sehr das Familienunternehmen von Donald Trumps Präsidentschaft profitiert, wird sich nie genau beziffern lassen. Die Trump-Organisation ist weder ein börsennotiertes Unternehmen, das Gewinne veröffentlichen muss, noch hat sich der Präsident bisher bereit erklärt, in einer Steuererklärung seine Vermögensverhältnisse offenzulegen.

Die letzten offiziellen Zahlen, die das Amt für Regierungsethik im Juni veröffentlichte, bezifferten die Trumpschen Einkünfte und Vermögenswerte für das vorangegangene Jahr mit mindestens 600 Millionen beziehungsweise 1,4 Milliarden Dollar. Knapp 20 Millionen Dollar verdiente er demnach mit dem neu eröffneten Trump-Hotel in Washington. Mar-a-Lago, Trumps privater Club in Florida, der den Spitznamen "Winter White House" trägt, warf 30 bis 37 Millionen Dollar ab.

Egal, wie hoch die Summe tatsächlich sein mag, sie landet direkt auf Trumps Konto. Davon, dass er mehr als nur ein stiller Teilhaber im Business ist, darf mit Sicherheit ausgegangen werden. Eric Trump selbst räumte vergangenen März ein, dass er häufig mit seinem Vater über Geschäfte spricht.

Die Trumpsche Firma ist zum festen Bestandteil in der öffentlichen Wahrnehmung des Präsidenten geworden. Die Angewohnheit, Überraschungsbesuche in seinen Hotels und Clubs zu inszenieren, gibt den Einrichtungen erst die ganz besondere Note.

Kritiker werden nicht müde, diesen schamlosen Interessenkonflikt anzuprangern. Die Redaktion der Zeitung "USA Today" schrieb erst im November, dass sich Lobbyisten, Konzerne oder ausländische Investoren, die den direkten Draht nach oben suchen, nur eine Eigentumswohnung, ein Penthouse oder eine Villa von der Trump-Organisation kaufen oder Mitglied in einem von Trumps Luxusgolfclubs, "wo der Präsident an vielen Wochenenden speist, Golf spielt und Hof hält", werden müssen, um Einfluss auf die Regierung zu bekommen. Allein, geändert haben solche Klagen bislang nichts.

Quelle: n-tv.de

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