Wirtschaft

Experte spricht von "Blutbad" Türkische Lira fällt auf neues Rekordtief

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Die Kurserholung der Lira in der vergangenen Woche hat sich als kurzfristig herausgestellt.

(Foto: imago images / CHROMORANGE)

Die Eskalation in der Konfliktregion Berg-Karabach zwischen den Nachbarländern Armenien und Aserbaidschan hat auch wirtschaftliche Folgen. Während der Kurs des Dollar Fahrt aufnimmt, fällt die türkische Lira aktuell auf ein neues Rekordtief.

Die Lira ist weiter auf dem Weg nach unten - von Rekordtief zu Rekordtief gegenüber dem Dollar. Aktuell kostet der Dollar 7,8500 Lira, am Vorabend waren es 7,8000, zum Ende der Vorwoche noch knapp 7,6640. Commerzbank-Analyst Tatha Ghose spricht von einem weitergehenden "Blutbad" und betont, dass die türkische Zentralbank erst vor wenigen Tagen die Zinssätze überraschend um 200 Basispunkte erhöht habe, um den Wechselkurs zu stabilisieren.

Marktbeobachter begründeten den aktuellen Kursrutsch mit geopolitischen Risiken durch die jüngste Eskalation in der Konfliktregion Berg-Karabach zwischen den Nachbarländern Armenien und Aserbaidschan. Die Türkei gilt als Schutzmacht des islamisch geprägten Aserbaidschan. Die Kurserholung der Lira nach einer deutlichen Zinserhöhung der türkischen Notenbank in der vergangenen Woche hat sich damit als kurzfristig herausgestellt.

Die Bruttodevisenreserven seien bis Ende September um vier Prozent auf 43 Milliarden Dollar gesunken, was bedeute, dass die Nettoreserven noch stärker zurückgegangen seien. Gleichzeitig sei aber auch unklar, warum solche Daten zu diesem Zeitpunkt als besonderer Auslöser wirken sollten, denn der sich verschlechternde Trend bei den Devisenreserven sei seit Jahren intakt und bereits der Auslöser für den Beginn der Lira-Krise im Jahr 2018 gewesen.

Aus diesem Grund wiederhole sein Haus oft, dass die Wechselkursbewegungen der Lira oft keinem grundlegenden oder stringenten Muster folgten, sagt Ghose. Die Bewegungen sind vielmehr Teile einer allgemeinen Geschichte, die mit einem nicht glaubwürdigen geldpolitischen Regime zusammenhänge. Die Zinserhöhung der letzten Woche hätte einen Unterschied machen können, aber nur, wenn sie als dauerhaft und wiederholbar hätte interpretiert werden können, was sie aber nicht könne.

Positiv zu vermerken sei, dass die Abwertung vor dem Hintergrund eines stärkeren Dollar erfolge. Die Lira habe zwar im Vergleich zu konkurrierenden Währungen unterdurchschnittlich abgeschnitten, doch die jüngste Abwertung sei Teil eines umfassenderen Ausverkaufs der Schwellenländer. Dies werde aber kein Trost für die nun weiter steigenden Devisenverbindlichkeiten innerhalb der Türkei sein.

Quelle: ntv.de, can/DJ