Wirtschaft

Kurswechsel in Geldpolitik Türkische Notenbank folgt Erdogan-Kurs

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Bekanntermaßen vertritt Erdogan eine unkonventionelle Zinspolitik.

(Foto: REUTERS)

Das erste Mal seit vier Jahren kommt die türkische Zentralbank der Forderung des Präsidenten Erdogan nach und senkt den Leitzins. Experten sind von der kräftigen Senkung überrascht, während Investoren sich um die Unabhängigkeit der Währungshüter sorgen.

In der Türkei hat die Notenbank den Leitzins kräftig gekappt. Sie senkte den Schlüsselsatz auf 19,75 von 24 Prozent. Experten hatten lediglich mit einer Senkung um 2,5 Punkte gerechnet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Anfang des Monats Zentralbankgouverneur Murat Cetinkaya abberufen und dessen Vize Murat Uysal auf den Chefsessel gehievt. Dieser gilt als Befürworter einer lockeren Geldpolitik.

Türkische Lira / Euro
Türkische Lira / Euro ,14

Jüngste Daten deuteten auf eine moderate Erholung der Wirtschaft hin, erläuterte die Zentralbank. Die Notenbank markiert mit der Kappung des Leitzinses eine Wende: Sie hatte sich im September 2018 sehr zum Leidwesen Erdogans mit einer kräftigen Anhebung gegen den Verfall der Landeswährung Lira gestemmt. Danach hatten die Währungshüter den Schlüsselsatz konstant gehalten, während die Wirtschaft in die Rezession abrutschte.

Ökonom Timothy Ash vom Vermögensverwalter BlueBay Asset Management geht davon aus, dass die Währungshüter die Zinsen "weiter aggressiv" senken werden, falls sich die Lira stabilisieren sollte. Die Landeswährung geriet in der Vergangenheit immer wieder unter Druck, so auch wieder nach dem Zinsentscheid. Nach einem Auf und Ab notierte sie zuletzt etwas schwächer.

Unkonventionelle Zinspolitik

Der Währung haben in der Vergangenheit Spannungen mit den USA und vor allem Sorgen um die Unabhängigkeit der Notenbank zu schaffen gemacht. Erdogan hatte die Absetzung Cetinkayas damit begründet, dass dieser Anweisungen nicht befolgt habe. Der Präsident verlangt niedrigere Zinsen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Im ersten Quartal war die Wirtschaftsleistung der Türkei um 2,6 Prozent geschrumpft. Spielraum für die Zinssenkung lieferte der Notenbank nun die abflauende Teuerungsrate: Sie war im Juni auf 15,7 Prozent zurückgegangenen, nachdem sie im Oktober mit 25 Prozent so hoch lag wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Erdogan vertritt eine unkonventionelle Zinspolitik. Aus seiner Sicht sorgen hohe Zinsen für hohe Inflation und niedrige Zinsen für niedrige Inflation. Diese durch das Zinsverbot im Islam geprägte Sichtweise dürfte bei vielen seiner eher traditionell ausgerichteten Wähler gut ankommen.

Quelle: ntv.de, jki/rts/DJ