Wirtschaft

40 Jahre nach Reaktorunfall US-AKW Three Mile Island ist vom Netz

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Knapp am "Tschernobyl der USA" vorbeigeschrammt: Three Mile Island schrieb seit Jahren rote Zahlen.

(Foto: REUTERS)

Im März 1979 kommt es im Atomkraftwerk Three Mile Island zum schwersten Reaktorunfall in der US-Geschichte. Damals können Mitarbeiter einen Super-GAU verhindern. 40 Jahre nach der Beinahe-Katastrophe stellt nun auch der letzte Meiler der Anlage den Betrieb ein.

Das US-Atomkraftwerk Three Mile Island in Pennsylvania, in dem sich vor 40 Jahren der schlimmste Reaktorunfall in der Geschichte der USA ereignete, hat endgültig seinen Betrieb eingestellt. Der 1974 hochgefahrene Reaktor 1 wurde am Freitagmittag (Ortszeit US-Ostküste) abgeschaltet, wie der Betreiber Exelon mitteilte. In den kommenden Wochen sollen nun die Brennelemente in Abklingbecken gelagert werden, bevor der aufwändige Rückbau der Anlage starten kann.

Die beiden Atommeiler des Kraftwerks liegen auf der namensgebenden Insel im Fluss Susquehanna unweit von Harrisburg, inmitten dicht besiedelter Regionen der US-Ostküste. Die Hauptstadt Washington D.C. liegt nur gut 140 Kilometer Luftlinie entfernt im Süden. Bis zum Großraum New York City sind es nur 230 Kilometer Richtung Osten.

Das Atomkraftwerk hatte eigentlich eine Betriebserlaubnis bis 2034, schrieb aber seit Jahren rote Zahlen. Von den 675 Mitarbeitern sollen zunächst noch rund 300 weiter beschäftigt werden, von 2022 an werden nur noch etwa 50 Mitarbeiter auf der Anlage tätig sein. Der Abbau der zentralen Bestandteile der Anlage, vor allem der Kühltürme, beginnt erst im Jahr 2074, also ein Jahrhundert nach Inbetriebnahme.

Radioaktiver Wasserdampf gelang in die Atmosphäre

Über die USA hinaus ist das Atomkraftwerk von Three Mile Island bekannt als jener Ort, an dem es beinahe zum Super-GAU gekommen wäre. Im Reaktorblock 2 hatte sich am 28. März 1979 eine teilweise Kernschmelze ereignet, nachdem ein Problem bei der Kühlung aufgetreten war. Um die Situation zu stabilisieren, ließen Techniker auch radioaktiv verstrahlten Wasserdampf in die Umgebungsluft ab. Es handelte sich um einen "ernsten Unfall" der Kategorie fünf auf der Internationalen Bewertungsskala (INES). Die Atomunglücke von Tschernobyl und Fukushima wurden in die höchste Kategorie sieben eingestuft.

Bei dem Unfall in Three Mile Island wurde der Reaktorblock 2 komplett zerstört. Opfer hatte es jedoch keine Opfer gegeben. Rund 140.000 Menschen mussten vorübergehend ihre Häuser verlassen. Es dauerte sechs Jahre, bis der nicht betroffene Reaktor 1 der Anlage als einziger wieder ans Netz gehen konnte. Für Kritiker der Atomkraft gilt Three Mile Island bis heute als Weckruf. Wäre es in Block 2 damals zum Super-Gau mit einer Explosion gekommen, hätte dies weite Teile einer der bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Landstriche der USA womöglich dauerhaft unbewohnbar gemacht.

Quelle: n-tv.de, jpe/AFP