Wirtschaft

Corona-Fallzahlen machen nervös US-Anleger retten sich in "sichere Häfen"

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Obwohl sich die Indizes in den letzten Handelsminuten noch etwas nach oben bewegten, ging der Dow Jones mit einem Minus aus dem Tag.

(Foto: AP)

Nachdem sich bereits zum Ende der Vorwoche die Stimmung an den US-Börsen eintrübte, gewinnen die Sorgen wegen der wirtschaftlichen Folgen der sich wieder ausbreitenden Corona-Pandemie zum Wochenbeginn vollends die Oberhand.

Aus Furcht vor den Folgen der wieder aufgeflammten Coronavirus-Pandemie für die US-Wirtschaft ziehen sich Anleger von der Wall Street zurück. Der Leitindex S&P 500 fiel am Montag um 1,6 Prozent auf 4258 Punkte und steuerte erstmals seit rund einem Monat auf einen dritten Tagesverlust in Folge zu. Dow-Jones-Index mit einem Minus von 2,1 Prozent auf 33.961 Punkte aus dem Tag. Der technologielastige Nasdaq büßte 1,1 Prozent auf 14.274 Zähler ein.

Alle hätten auf eine deutliche Lockerung der Pandemie-Restriktionen im Sommer gesetzt, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. "Wenn wir uns aber die steigenden Infektionen mit der Delta-Variante des Coronavirus anschauen, schwindet dieser Optimismus." Gleichzeitig stellten sich Investoren die Frage, wie sich die Firmengewinne im laufenden Quartal entwickeln werden.

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Vor diesem Hintergrund warfen Investoren Kreuzfahrt-Betreiber aus den Depots. Die Aktien von Carnival, Royal Caribbean und Norwegian rutschten um mehr als sechs Prozent ab. Fluggesellschaften mussten ebenfalls Federn lassen. Die Papiere American Airlines, Delta und United gaben bis zu 5,1 Prozent ab. Gleichzeitig nahmen einige Anleger Kurs auf "sichere Häfen" wie die Weltleitwährung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg um 0,1 Prozent. Die Zehnjahresrendite fiel um 9 Basispunkte auf 1,20 Prozent und nähert sich damit allmählich sogar dem Jahrestief von Ende Januar mit rund 1,01 Prozent. Das Jahreshoch Ende März lag bei rund 1,74 Prozent. Die Titel von Citigroup, Bank of America, JPMorgan oder Goldman Sachs fielen um bis zu 2,7 Prozent.

Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade, wertete die aktuellen Kursrücksetzer allerdings als Kaufgelegenheit. Die hohen Impf-Quoten machten neue, strenge Lockdowns unwahrscheinlich. "Selbst wenn es sich nur um eine Korrektur handelt, benötigen Anleger signifikante Impulse von den Konjunkturdaten, um die Kurse wieder auf Rekordniveau zu hieven", wandte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades ein. Abwärts ging es auch für den Ölpreis.

Die US-Sorte WTI verbilligte sich um acht Prozent auf 66,31 Dollar je Barrel (159 Liter). Dies brockte Ölkonzernen wie Exxon und Chevron Kursverluste von 2,3 bis 3,4 Prozent ein. Die "Opec+", zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, hatte sich am Wochenende auf eine Ausweitung der Fördermengen zwischen August und Dezember um zwei Millionen Barrel pro Tag geeinigt. "Mittelfristig dürfte dies aber einen positiven Effekt auf den Ölpreis haben", prognostizierte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. "Schließlich hätte ein Preiskrieg zwischen den Mitgliedstaaten weit verheerendere Folgen gehabt."

Ins Rampenlicht rückte außerdem Johnson & Johnson. Der Pharma- und Konsumgüter-Konzern denkt Insidern zufolge darüber nach, drohende milliardenschwere Schadenersatzansprüche aus angeblich asbestverseuchtem Babypuder in eine eigene Firma auszulagern und für diese dann Gläubigerschutz zu beantragen. Die Aktie des Unternehmens gab 0,8 Prozent nach. Die Papiere des Callcenter-Betreibers Five9 stiegen dagegen um 5,9 Prozent auf 188 Dollar. Der Videotelefonie-Anbieter Zoom bietet 0,5533 eigene Anteilsscheine oder umgerechnet 200,28 Dollar je Five9-Papier. Der Aufschlag sei mit 13 Prozent zum Schlusskurs vom Freitag zwar relativ gering, kommentierten die Analysten von Investmentbank Piper Jaffray. Aber die beiden Firmen ergänzten sich gut stärkten somit ihre Marktposition. Zoom-Titel büßten dennoch zunächst 2,1 Prozent ein.

Quelle: ntv.de, mba/rts

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